Unwetter im Isenhagener Land: Überflutete Keller, Verkehrsunfälle, Tornados, Waldgebiet gesperrt

Die Unruhe nach dem Sturm

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Die Einsatzkräfte der Feuerwehr und Polizei hatten am Donnerstag und in der Nacht zu Freitag alle Hände voll zu tun.

pg/bo/alp Isenhagener Land. In weiten Teilen Norddeutschlands wütete am Donnerstag ein schweres Unwetter. Auch im Isenhagener Land deutete zunächst eine große, schwarze Wolkenfront gegen Mittag ein schweres Gewitter an, das kurz darauf hereinbrach.

Zwei Tote forderte das Unwetter: Eine 83-jährige Frau aus der Gemeinde Dedelstorf und ein 50-jähriger Mann aus dem Nachbarkreis Uelzen verunglückten in ihren Pkws wegen des Sturmgeschehens.

Die Einsatzkräfte der Feuerwehr waren mehr als eingespannt: Wie die Feuerwehr mitteilte, wurden bei den Samtgemeinden Meinersen, Papenteich und Isenbüttel jeweils Vollalarme mit dem Einsatzstichwort „Bereitschaft im Gerätehaus“ ausgelöst. Später kamen weitere Gebietseinheiten, wie beispielsweise Brome hinzu. Die Einsatzleitfahrzeuge der Samtgemeinden bildeten dann sogenannte örtliche Einsatzleitungen, da die Flut der Einsätze von der Leitstelle Gifhorn nicht allein bewältigt werden konnte.

Betreten verboten heißt es ab sofort im Waldgebiet Hagen: Das Unwetter richtete große Schäden an den Wegen an. Zum Schutz vor herabfallenden Ästen darf dort niemand hinein.

Zum überwiegenden Teil betrafen die Einsätze vollgelaufene Keller, an deren Abarbeitung die Feuerwehr noch länger gebunden war.

Die Polizei des Landkreises Gifhorn hatte ebenfalls alle Hände voll zu tun: Zwischen 13 Uhr und 15.30 Uhr waren, neben dem Alltagsgeschäft, über 20 polizeiliche Einsätze zu bewältigen, die laut Polizeiangaben ausschließlich aus dem Sturm resultierten. Notrufe gab es in diesem Zeitraum zirka dreimal so viele, die Telefone in der Einsatzleitstelle standen laut Polizei kaum still. Aufkommende Einsätze wurden nach Priorität abgearbeitet, neben Sperr- und verkehrsleitenden Maßnahmen war auch der Einsatz zum tödlichen Verkehrsunfall auf der B 244 zu bewältigen.

Eine Windhose am Donnerstag über Vorhop: Der Sturm fällte dort zahlreiche Bäume.

Die Vorhoperin Claudia Müller sendete dem IK das Foto einer Windhose, die sie um 13.08 Uhr über Vorhop gesichtet hat. Anschließend sei auch Vorhop von dem Sturm getroffen worden, der laut Müller einige Bäume zum Umfallen brachte. Wie unterschiedliche Medien berichteten, wurde sogar ein Tornado in Hamburg gesichtet. Dass während des Unwetters auch (mindestens) einer bei Uelzen gewütet hat, ist schwer nachzuweisen – ausgeschlossen ist es nicht. Gewissheit über das Auftreten eines Tornados könnten nur Augenzeugen oder idealerweise Fotos oder Filmaufnahmen bieten, betont der IK-Wetterexperte Reinhard Zakrzewski. Mitunter haben die Drehstürme nur eine Lebensdauer von einigen Sekunden – auch wenn ausgewachsene Exemplare sich mehr als eine Stunde halten und dabei einige Dutzend Kilometer zurücklegen können. Ein Merkmal ihres Durchzugs sind nach Zakrzewskis Angaben abgedehte oder enthäutete Bäume.

„Ein Tornado wird aber oft mit einem Down-burst verwechselt“, weiß der Experte. Dabei handelt es sich um Höhenwinde, die sich beim Aufprall von Kalt- und Warmfront bilden können und unter Umständen mit Orkanstärke bis zum Erdboden durchschlagen.

Die atmosphärischen Bedingungen am Donnerstag gaben laut Zakrzewski jedenfalls beide Alternativen her: „An der Warmfront war eine Superzelle gewachsen – so eine Wetterlage habe ich an einem Mittag noch nicht erlebt.“ Superzellen sind besonders langlebige Gewitter, die eine Rotation aufweisen.

Die Gemeinde Hankensbüttel sperrte außerdem umgehend das Waldgebiet Hagen: Es darf ab sofort nicht mehr betreten werden. Die dortigen Wege sind schwer beschädigt, überall drohen Äste von den Bäumen herabzustürzen.

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