Zypern will voll unter Euro-Rettungsschirm

Berlin - Zypern will nach Angaben aus dem Haushaltsausschuss des Bundestags nicht nur partielle Hilfe für seine Banken wie Spanien beantragen.

Vielmehr wolle das Land voll unter den Euro-Rettungsschirm EFSF schlüpfen. Das habe Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am Mittwochabend in der Sondersitzung des Ausschusses in Berlin mitgeteilt, berichteten mehrere Teilnehmer.

Damit würde Zypern ähnlich wie Irland, Portugal und Griechenland zum sogenannten Programmland werden und sich strengeren Kontrollen unterziehen, als sie Spanien mit seiner auf die Bankensanierung konzentrierten Milliardenhilfe bevorstehen.

Ferner bedeutet es, dass Zypern sich selbst nicht mehr am EFSF-Refinanzierungsfonds beteiligen kann. Mit 0,9 Prozent fällt der Anteil des kleinen Euro-Landes aber auch kaum ins Gewicht. Mehrere Ausschussmitglieder sagten, die Nachricht sei zu erwarten gewesen, da Zypern zu hoch verschuldet sei, als dass es nur Hilfe für seine Banken beantragen könne.

Am Rande der Sitzung spekulierten Mitglieder, dass nicht mehr ausgeschlossen werden könne, Zypern oder sogar Griechenland den Austritt aus der Eurozone zu empfehlen, falls ihre Schuldenkrise als zu gefährlich für die anderen Staaten gewertet werden könnte. Zypern hat seit dem 1. Juli für ein halbes Jahr die Ratspräsidentschaft der 27 EU-Mitgliedsstaaten. In der Koalition wurde nicht erwartet, dass der Inselstaat derzeit einen Austritt aus dem Kreis der 17 Eurostaaten erwägt.

Die „Troika“ der internationalen Geldgeber will am 22. Juli wieder nach Zypern reisen. Die Vertreter der EU, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) wollen dann ihre Kontrollen und Verhandlungen mit der Regierung fortsetzen, hieß es vergangene Woche in Nikosia.

dpa

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