Deutsche Wirtschaft schrumpft um 3,8 Prozent

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Die Wirtschaftsleistung schmilzt dramatisch dahin: Um 3,8 Prozent ist die Deutsche Wirtschaft im ersten Quartal 2009 geschrumpft.

Wiesbaden - Die Wirtschaft in Deutschland und den 15 anderen Ländern der Eurozone ist so stark eingebrochen wie nie. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im ersten Quartal 2009 um 3,8 Prozent.

Die Bundesrepublik steckt damit in der tiefsten Rezession der Nachkriegsgeschichte. Es war der vierte Rückgang beim BIP gegenüber einem Vorquartal in Folge und der mit Abstand größte Absturz seit Beginn der Quartals-Erhebungen im Jahr 1970, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte.

Das Bruttoinlandsprodukt im Eurogebiet verringerte sich im ersten Vierteljahr im Vergleich zu den drei Vormonaten um 2,5 Prozent, berichtete die europäische Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg. Dies ist der größte Rückgang seit Beginn der Berechnungen für die Eurozone bei Eurostat 1995. Der Euro wurde Anfang 1999 eingeführt. Grund für den Einbruch ist die schlimmste Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg, die Europa fest im Griff hat. In der gesamten EU mit 27 Staaten betrug das Minus ebenfalls 2,5 Prozent.

Das höchste Minus verzeichnen die Slowakei und Lettland mit minus 11,2 Prozent. Im Vergleich zum ersten Quartal 2008 sackte die deutsche Wirtschaftsleistung im ersten Vierteljahr des laufenden Jahres preisbereinigt um 6,7 Prozent ab, kalenderbereinigt um 6,9 Prozent. Experten gehen allerdings davon aus, dass Deutschlands Wirtschaft nach dem verheerenden Jahresbeginn den Tiefpunkt der aktuellen Krise hinter sich hat.

Dass die deutsche Wirtschaft zum Jahresbeginn im Rekordtempo geschrumpft ist, begründen die Statistiker vor allem mit der schwachen Auslandsnachfrage. Die preisbereinigten Exporte seien zu Jahresbeginn deutlich stärker zurückgegangen als die Importe. Deutschland ist als langjähriger Exportweltmeister besonders stark vom Zusammenbruch der globalen Nachfrage betroffen. Deutschlands Unternehmen hatten in den ersten drei Monaten 2009 nach früheren Angaben der Statistiker mit 199,3 Milliarden Euro 20,9 Prozent weniger im Ausland abgesetzt als ein Jahr zuvor. Wie die Statistiker berichteten, gingen von Januar bis März 2009 auch die Investitionen gegenüber dem Vorquartal deutlich zurück. Einzig die privaten und staatlichen Konsumausgaben seien leicht angestiegen.

 Das Bundesamt korrigierte am Freitag zudem die Zahlen zur BIP- Entwicklung im vierten Quartal 2008 leicht um 0,1 Prozentpunkte nach unten auf minus 2,2 Prozent. Damit erlitt die deutsche Wirtschaft im letzten halben Jahr zwei der drei größten Rückgänge im Vergleich zu einem Vorquartal seit 1970. Zuletzt war das BIP im ersten Quartal 1987 mit minus 2,5 Prozent ähnlich stark gesunken. “Dieser Rückgang ist allerdings ganz anders zu bewerten als die aktuellen Daten. Damals war das erste Quartal wegen des kalten Winters negativ, in den Vierteljahren davor und danach stieg die Wirtschaftsleistung hingegen“, sagte ein Sprecher des Statistischen Bundesamtes. Das kräftige Minus zu Jahresbeginn 2009 rage hingegen nicht nur wegen seines Umfangs heraus, sondern auch, weil es das vierte in Folge ist.

Inzwischen sehen Volkswirte Anzeichen für ein allmähliches Abklingen der Krise. Die Commerzbank erwartet für das zweite Quartal nur noch ein BIP-Minus zwischen 0,5 und 1,0 Prozent, UniCredit rechnet mit minus 0,5 Prozent. Für das Gesamtjahr prognostizieren die Volkswirte ein Minus von mehr als 6,0 Prozent nach plus 1,3 Prozent im Vorjahr.

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