Bundesbank-Präsident Weber tritt ab

+
Bundeskanzlerin Angela Merkel ( CDU) und Bundesbankchef Axel Weber verlassen in Berlin nach der Fraktionssitzung der CDU/ CSU den Ort des Statements (Archivbild).

Berlin - Bundesbank-Präsident Axel Weber tritt Ende April und damit ein Jahr vor Ablauf seiner Amtszeit zurück. Dies habe Weber in einem Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Freitag in Berlin mitgeteilt.

Merkels Sprecher Steffen Seibert sagte am Freitag, sie habe die Entscheidung des Bundesbank-Präsidenten, Ende April die Brocken hinzuschmeißen, mit Respekt zur Kenntnis genommen. So werden in Politik und Wirtschaft in aller Regel Trennungen kommentiert, wenn es richtig gekracht hat. Die Kanzlerin wird seit langem für ihr Euro-Krisenmanagement kritisiert. Jetzt verliert sie in Bundesbank-Präsident Weber einen ihrer wichtigsten Partner.

Der Mann, der die Kanzlerin in arge Schwierigkeiten gestürzt hat, verließ um kurz nach 16.00 Uhr wortlos das Kanzleramt. Es dauerte noch eine gute halbe Stunde, bis Angela Merkel in dürren sechseinhalb Zeilen den Abgang von Axel Weber verlauten ließ.

Der frustrierte Weber hatte Merkel auf dem falschen Fuß erwischt, als er diese Woche im Kreis seiner Bundesbanker Amtsmüdigkeit signalisierte. Mitten in der Euro-Schuldenkrise nahm sich Deutschlands oberster Währungshüter selbst aus dem Spiel. Dabei galt er lange Zeit als Merkels Mann für die Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB), an die endlich ein Deutscher rücken soll. Doch Weber eckte an, geißelte lautstark den Sündenfall, als die EZB für viele Milliarden Staatsanleihen kriselnder Euro-Länder aufkaufte.

Aus gut unterrichteten Kreisen ist zu hören, Weber sei gekränkt gewesen, dass er von Merkel keine Unterstützung mehr für seine strikte Haltung in der Schuldenkrise erhalten habe. Deutschland gerate bei der Euro-Rettung auf die schiefe Bahn, die weichere Linie von Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy setze sich immer mehr durch. Merkels Strategen konterten, die Chefin habe mit dem 53-jährigen Ökonomen eine klare Absprache gehabt. Bis Ende März stillhalten, dann offizielle Kür zum deutschen EZB-Kandidaten. Wer nun wen zuerst brüskiert hat, liegt bisher im Dunkeln.

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle bedauerte Webers Entscheidung sehr: “Er hat die Grundsätze einer auf Preisstabilität ausgerichteten Geldpolitik vertreten und verteidigt“, lobte der FDP-Politiker.

Klar ist, dass die Mammutaufgabe Euro-Stabilisierung für Merkel komplizierter geworden ist. Webers Abgang kommt für sie zur Unzeit. Bis spätestens Ende März soll das Gesamtpaket zur Euro-Rettung stehen und von den EU-Spitzen abgesegnet sein. Dabei geht es auch um mögliche neue Milliardenrisiken für die deutschen Steuerzahler. Die überschuldeten Euro-Länder, die sich von Merkel und Sarkozy überrollt fühlen, dürften die zwei Chaostage in der Bundesbank-Spitze mit gewisser Schadenfreude verfolgt haben.

Der Eindruck drängte sich auf, die CDU-Chefin, die Seite an Seite mit Sarkozy den Euro retten will, habe ihren Laden nicht richtig im Griff. Selbst wenn die Kanzlerin nun doch noch einen anderen Deutschen an die EZB-Spitze hievt, hätte dieser nicht das Standing Webers - sondern wäre viel stärker ein Mann von Merkels Gnaden.

Die zum 1. Mai freiwerdende Bundesbank-Spitze soll rasch wiederbesetzt werden. Im Laufe der nächsten Woche soll die Nachfolgelösung klar sein. Nach dpa-Informationen könnte Bundesbank-Vorstand Franz-Christoph Zeitler seinen Ruhestand verschieben und für eine Übergangszeit die Behörde führen. Merkels Wirtschaftsberater Jens Weidmann könnte dann im Sommer zunächst als Vize nach Frankfurt gehen - und nach einer gewissen Bewährung Präsident werden.

Und was wird aus Weber? Über seine Motive ist viel gerätselt worden. Böse Zungen in Berlin sagen, der impulsive Professor habe den Kopf verloren und “den Köhler gemacht“. Auch der Lockruf des Geldes soll angeblich eine Rolle spielen. Vielleicht hat Weber eine lose Zusage in der Tasche, als Nachfolger von Josef Ackermann Boss der Deutschen Bank zu werden, der spätestens im Frühjahr 2013 aufhört.

Mit dem Ausscheiden aus der Bundesbank ein Jahr vor Vertragsende hätte Weber eine gute Karenzzeit, um den Rollenwechsel einigermaßen glimpflich zu verkaufen. Denn schon jetzt war die Empörung groß, weil Weber als Bankenaufseher enormes Insiderwissen über alle europäischen Geldhäuser mitbrächte.

Beschädigt durch die Posse ist auch die Bundesbank. Nach dem Sarrazin-Skandal machte die Behörde vor allem in der Kommunikation keine gute Figur. Merkels Sprecher bemühte sich am Freitag, die Sorgen zu zerstreuen, ohne Weber werde das Inflationsbollwerk Bundesbank brüchiger. Denn bei deutschen Sparern stehen die Frankfurter Währungshüter seit jeher hoch im Kurs. Vom früheren EU-Kommissionspräsident Jacques Delors ist das Bonmot überliefert: “Nicht alle Deutschen glauben an Gott, aber alle glauben an die Bundesbank.“

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare