Wall Street Firma: Insolvenz beantragt 

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Die Wall Street Firma MF Global hat sich verspekuliert

New York - Die Wall Street Firma MF Global hat es erwischt: Das Unternehmen mit etwa 2.900 Mitarbeitern musste Insolvenz beantragen. Dies sind die Gründe für die Pleite:

Drei Jahre nach dem Untergang der US-Investmentbank Lehman Brothers steht schon wieder eine namhafte Wall-Street-Firma vor dem Aus. Der Wertpapierhändler MF Global beantragte am Montag in New York Gläubigerschutz nach Kapitel elf des US-Insolvenzrechts. Es ist das erste größere Opfer der Euro-Schuldenkrise an der Wall Street. In Europa musste sich schon die belgisch-französische Großbank Dexia in die Arme des Staates retten.

MF Global ist in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt, aber in der Finanzwelt ein bekannter Spieler. Das Brokerhaus wickelt etwa für Hedgefonds deren Geschäfte mit Währungen, Derivaten oder Rohstoffen ab. Zum Problem ist indes das zweite Standbein geworden: MF Global spekuliert auch auf eigene Rechnung - und setzte in diesem Fall ausgerechnet auf europäische Staatsanleihen.

Der ehemalige Goldman-Sachs-Banker und Spitzenpolitiker Jon Corzine hatte nach seiner Berufung zum Chef von MF Global im vergangenen Jahr darauf gewettet, dass die Europäer ihre Schuldenkrise rasch in den Griff bekommen und sich zu vermeintlich günstigen Preisen mit Anleihen von Spanien, Irland, Portugal oder Italien eingedeckt. Das Volumen des Pakets bezifferte MF Global zuletzt auf stolze 6,3 Milliarden Dollar (4,5 Milliarden Euro).

Die Hoffnungen von Corzine haben sich nicht erfüllt - vor allem Griechenland sendete immer neue Schockwellen durch Europa und ließ den Wert der Staatsanleihen purzeln. Das brachte MF Global in die Klemme. Ein rettender Verkauf an einen Rivalen scheiterte letztlich.

Die jetzige Pleite erinnert an den Bankrott von Lehman Brothers vor drei Jahren, ist in den Ausmaßen aber nicht vergleichbar: MF Global hat mit annähernd 2900 Mitarbeitern gerade mal ein Zehntel der Mannstärke von Lehman Brothers. Zudem sind die Verflechtungen innerhalb der Finanzbranche weit weniger stark ausgeprägt als bei der damals viertgrößten Investmentbank der Welt.

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Die Bankaktien gaben im frühen New Yorker Handel allerdings nach: Die Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley sowie die führenden US-Großbanken JPMorgan Chase, Citigroup und Bank of America verloren zwischen 3 und 6 Prozent. Die Titel der Deutschen Bank bauten ihre Verluste in Frankfurt bis zum späten Nachmittag auf 9 Prozent aus. Auch der Name des heimischen Branchenprimus taucht in der langen Liste der Gläubiger von MF Global auf - allerdings in seiner Funktion als Treuhänder. Dabei nimmt die Deutsche Bank die Interessen Dritter wahr, die MF Global ihr Geld geliehen hatten. Inwiefern die Frankfurter auch mit eigenem Geld bei dem Wertpapierhändler engagiert sind, dazu äußerte sich ein Banksprecher nicht.

Der Insolvenzantrag bedeutet allerdings nicht automatisch das Ende von MF Global. Das Unternehmen kann unter Aufsicht des Gerichts weiterarbeiten und versuchen, wieder auf die Beine zu kommen oder doch noch einen Käufer zu finden. Dabei müssen die Gläubiger aber üblicherweise auf große Teile ihrer Forderungen verzichten.

Lehman Brothers war kein Neuanfang vergönnt. Die Investmentbank war im September 2008 unter der Last von Fehlspekulationen auf dem US-Hypothekenmarkt zusammengebrochen und hatte damit um ein Haar die gesamte Finanzwelt mit in den Abgrund gerissen. Überall auf der Welt mussten die Steuerzahler rettend einspringen. Bis heute warten die Gläubiger von Lehman auf ihr Geld.

Der Niedergang von MF Global deutete sich schon seit Tagen an: Alleine in der vergangenen Woche war der Aktienkurs um 67 Prozent gefallen. Der Wertpapierhändler hatte für das dritte Quartal einen Verlust von 192 Millionen Dollar gemeldet. Die Ratingagenturen Moody's und Fitch stuften die Kreditwürdigkeit in der Folge auf Ramschniveau herunter. Am Montag schließlich stellte die US-Notenbank Fed die Zusammenarbeit weitgehend ein.

dpa

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