Autobauer

VW: 30.000 Stellen auf der Kippe? Insider widerspricht: „Diess arbeitet bewusst mit größtem Schreckgespenst“

VW-Chef Herbert Diess nimmt bei seiner E-Auto-Offensive jetzt auch die Führungskräfte in die Pflicht.
+
Herbert Diess: Der VW-Chef hat mit einem Szenario zum Abbau von Arbeitsplätzen für Schlagzeilen gesorgt.

VW-Chef Herbert Diess schlägt Alarm: Wenn der laufende Umbau in Richtung E-Mobilität nicht gelinge, stünden 30.000 Stellen auf der Kippe.

Wolfsburg – Das Handelsblatt hat am Mittwoch mit einem Bericht über die jüngste Aufsichtsratssitzung bei Volkswagen* für erheblichen Wirbel gesorgt. Dem Bericht zufolge soll Konzernchef Herbert Diess* auf der Sitzung der Konzern-Kontrolleure vor gut drei Wochen ein Szenario erwähnt haben, wonach bei der Kernmarke VW insgesamt 30.000 Stellen wegfallen könnten.

Im Aufsichtsrat habe das für Empörung gesorgt, berichtet die Wirtschaftszeitung. Die Aufseher hätten sich überrumpelt gefühlt und Diess aufgefordert, sein Szenario zum Umbau des Konzerns zu überdenken, schreibt das bei VW traditionell sehr gut informierte Handelsblatt.

Insider: Überspitzte Darstellung

Aus Wolfsburg heißt es hingegen, die Darstellung sei „völlig überspitzt“. Tatsächlich habe Diess in der fraglichen Sitzung „in einem Halbsatz ein Worst-Case-Szenario“ für den Fall gezeichnet, dass der Umbau in Richtung E-Mobilität scheitere und auch das zentrale Konzern-Projekt Trinity zum Flop werde, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person am Mittwoch gegenüber Merkur.de.  

Trinity steht für die künftige Fahrzeug-Architektur, mit der Volkswagen die Produktion erheblich vereinfachen will. Statt die Karosserie in mehreren Arbeitsgängen aus Stahl- und Alu-Blechen zusammenzuschweißen soll der Wagenaufbau künftig in einem Arbeitsgang gegossen werden. Damit folgt VW dem Vorbild von Tesla. Der weltweite E-Autopionier will seine Autos in seiner neuen  Gigafactory in Grünheide bei Berlin künftig entsprechend fertigen.

Außerdem soll mit Trinity auch die Anzahl der Varianten stark reduziert werden. Die ersten Fahrzeuge auf der neuen Plattform sollen 2026 vom Band laufen.

Bei VW heißt es, Diess habe sich mit seiner Warnung vor einem möglichen Verlust von 30.000 Arbeitsplätzen „auf das größte Schreckgespenst bei VW bezogen“. Bereits Anfang der 90er Jahre hatte bei den Wolfsburgern ein Abbau von 30.000 Stellen im Raum gestanden. Auslöser waren massive Absatzeinbrüche.

VW: Traumatische Erfahrung

Um den Kahlschlag zu verhindern, hatte sich der Konzern nach teils beinharten Diskussion im November 1993 mit der IG-Metall auf die Einführung der Vier-Tage-Woche und die Kürzung der wöchentlichen Arbeitszeit von 36 auf 28,8 Stunden geeinigt. Im Gegenzug sanken die Gehälter um zehn Prozent. Die Diskussion um den Massenkahlschlag gilt in Wolfsburg bis heute als traumatische Erfahrung.

Diess habe dieses Schreckgespenst nun in der Aufsichtsratssitzung „bewusst“ wiederaufgenommen. Man müsse „jetzt die Weichen stellen, um eine ähnliche Krise zu verhindern“, habe Diess die Kontrolleure in der Sitzung am 24. September ermahnt, sagte eine mit Vorgängen vertraute Person gegenüber Merkur.de

Wie unwahrscheinlich ein solcher Kahlschlag ist, zeigt auch ein Blick auf die ausbleibende Reaktion des VW-Betriebsrats und der IG Metall. Bis heute haben sich die Mitarbeiter-Vertreter nicht zu dem angeblichen Horrorszenario geäußert. „Wenn das wirklich im Raum stünde, wären Betriebsrat und IG Metall schon längst auf den Barrikaden – und zwar richtig“, heißt es aus Wolfsburg.

Derweil plant Volkswagen ein elektrisches Pendant zum VW-Klassiker Passat*. Kunden sollten sich von eingefahrenen Denkmustern verabschieden. *Merkur.de ist Teil von IPPEN.MEDIA.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare