EU und Südkorea schaffen Zölle ab

Brüssel - Die Europäische Union und Südkorea haben eine weitgehende Abschaffung von Zöllen und die Öffnung ihrer Märkte ab Mitte kommenden Jahres vereinbart. Das soll für einen Boom sorgen.

Beide Länder unterzeichneten am Mittwoch zum Auftakt eines EU-Südkorea-Gipfels in Brüssel ein entsprechendes Freihandelsabkommen. Es ist das weitestreichende, das die EU bisher mit einem Drittland geschlossen hat. Schätzungen zufolge soll es einen zusätzlichen Handel im Wert von jährlich bis zu 19 Milliarden Euro schaffen.

Südkoreas Staatspräsident Lee Myung Bak sprach von einem “sehr bedeutenden Abkommen“, EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy bezeichnete es als “herausragend“. “Dies ist das wichtigste Handelsabkommen, das die EU jemals abgeschlossen hat“, sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Es werde den Handel zwischen der EU und Südkorea verdoppeln. Die Beziehung zwischen EU und Seoul werde künftig eine “strategische Partnerschaft“ sein.

Van Rompuy und Barroso bekräftigten die Forderung nach einem Ende des umstrittenen Atomprogramms in Nordkorea. “Nordkorea muss sein Atomprogramm beenden und auch mit allen anderen Provokationen aufhören“, sagte Lee. “Wenn Nordkorea sich friedlich verhält, dann sind wir bereit, entsprechend zu reagieren.“

Bei Industrie- und Agrarprodukten verzichtet Südkorea auf jährlich 1,6 Milliarden Euro Zölle, die EU auf 1,1 Milliarden Euro. Zugleich wurden die jeweiligen Märkte weit für Einfuhren und Dienstleistungen geöffnet. Die Importe der EU aus Südkorea betrugen im vorigen Jahr 32 Milliarden Euro, die Ausfuhren lagen bei gut 25 Milliarden Euro.

Nach Angaben der EU-Kommission können allein die Maschinenexporteure der EU jährlich 450 Millionen Euro einsparen, Agrarexporteure mindestens 380 Millionen Euro. Das Abkommen sieht auch die Anerkennung europäischer Normen und Bescheinigungen durch Südkorea vor. Das Freihandelsabkommen war in der EU bis zuletzt umstritten. Italien erzwang aus Angst um seine Kleinwagenproduktion, dass der Vertrag erst zum 1. Juli 2011 - sechs Monate später als geplant - in Kraft tritt.

Barroso sagte, die Kommission sei grundsätzlich auch zu einem Freihandelsabkommen mit Japan bereit. Bisher sei dies aber noch nicht möglich gewesen. Erst am Mittwoch hatte Japan darauf gedrungen, so rasch wie möglich ein Freihandelsabkommen mit der EU aushandeln zu können. Tokio möchte einen Zeitplan schon im Frühjahr 2011 festlegen.

dpa

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