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Statt Blackout: Droht jetzt der Brownout? App warnte Verbraucher – was dahinter steckt

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Von: Patricia Huber

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In Deutschland könnten kurze Stromausfälle drohen. Erste Anzeichen vermuteten Verbraucher bereits durch eine App-Warnung. Doch dabei gab es Missverständnisse.

Berlin – In den vergangenen Monaten war immer wieder von einem Blackout die Rede. Dabei handelt es sich um einen länger andauernden Stromausfall. Dieser könnte eintreten, wenn die deutschen Stromkraftwerke nicht mehr genügend Strom produzieren können. Da die Energieversorgung hierzulande jedoch gerade stabil ist, ist ein längerer Stromausfall unwahrscheinlich. Trotzdem sollten Verbraucher nicht vergessen, dass die Energiekrise noch lange nicht vorbei ist.

Stromversorgung: Papier warnt vor Brownout

Ein vertrauliches Papier, welches Baden-Württembergs Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) im Dezember vorgelegt wurde, warnt vor sogenannten Brownouts. Darüber berichtet die Bild-Zeitung, der das Papier vorliegt. Aber was ist überhaupt ein Brownout? Die Bundesnetzagentur erklärt diesen auf ihrer Website folgendermaßen:

Ein (kontrollierter) Brownout kann notwendig werden, wenn im Vergleich zur nachgefragten Menge zu wenig Strom produziert werden kann, zum Beispiel aufgrund eines Brennstoffmangels für Kraftwerke oder einer allgemein zu geringen Erzeugung, beispielsweise auch durch Nichtverfügbarkeiten von Erzeugungsanlagen. In diesem Fall ist es notwendig, die Nachfrage so weit zu reduzieren, dass das Angebot die Nachfrage wieder vollständig decken kann. Nur so kann die Versorgung mit Strom weiterhin stabil und zuverlässig gewährleistet werden.

Heißt im Klartext: Der Strom wird vorübergehend abgestellt. Das vertrauliche Papier für die Ministerin zeigt nun, dass ein solcher Brownout wohl nicht unwahrscheinlich ist. Im Wortlaut heißt es laut Bild: „Kurzzeitige rollierende Abschaltungen („Brownouts“) für eine Dauer von in der Regel 90 Minuten können nicht vollständig ausgeschlossen werden.“ Damit soll der Zusammenbruch des Stromnetzes bei „Lastunterdeckung“ vermieden werden.

App von TransnetBW meldet: „Situation im Stromnetz angespannt“

Um Bürger zu informieren und eine solche Situation möglichst zu vermeiden, hat der Baden-Württembergische Netzbetreiber TransnetBW bereits eine App auf den Markt gebracht. In dieser können Verbraucher überprüfen, wie es derzeit um die Stromversorgung steht. Bisher war die Lage immer mit der Farbe Grün angegeben, was bedeutet, dass die Stromversorgung gesichert ist.

Doch am Mittwoch (7. Dezember) dann der Schreck: die Stromversorgungsampel sprang auf Gelb und gegen 14 Uhr sogar auf Rot. Dann kam die Meldung „Die Situation im Stromnetz ist angespannt“, berichtet das ZDF. Im Anschluss wurden Verbraucher aufgefordert, ihren Stromverbrauch zu reduzieren, um das Netz stabil zu halten. Die Meldung sorgte besonders in den sozialen Medien für Verunsicherung.

TransnetBW kann aber Entwarnung geben. Eine Sprecherin erklärte dem ZDF: „Eine gelbe oder rote Ampelfarbe heißt nicht, dass mit Stromabschaltungen zu rechnen oder dass das Stromnetz instabil ist.“ Auch auf Twitter teilt der Netzbetreiber mit, dass die Farben nicht bedeuten, „dass Stromabschaltungen zu befürchten gewesen wären.“ Transnet BW weist aber auch auf die Ernsthaftigkeit der Lage hin und schreibt: „Wir mussten aber mehr als sonst dafür tun, das Stromnetz stabil zu halten.“

TransnetBW-Warnung: App-Mitteilung lediglich falsch formuliert

Der in der App angezeigte Text ist offenbar lediglich missverständlich formuliert. Denn bei der Warnung gehe es hauptsächlich ums Geld. Sie erscheint, wenn umdisponiert wird, welche Kraftwerke welchen Strom wohin liefern, erklärt Energieexperte Karsten Wiedemann dem ZDF.

Heißt also, es wurden Kraftwerke dazugeschaltet und Strom aus dem Ausland eingekauft. Für Kunden kann das letztlich teuer werden, da der extra Strom für den Netzbetreiber ebenfalls teurer ist und er die Kosten auf die Netzentgelte umlegt. Die Warnung in der App soll die Kunden also vor höheren Preisen schützen. Das wurde im Nachhinein in der App auch kommuniziert, wie verschiedene Twitter Nutzer berichten.

Dass die Formulierung in der TransnetBW-App jedoch für Verunsicherung sorgt, ist kein Wunder. Denn wenn ein grünes Signal bedeutet, dass die Stromversorgung gesichert ist, geht man bei einem roten Signal davon aus, dass das nicht mehr der Fall ist. Hier sollte nachgebessert werden, findet auch Wiedemann: „Ich denke, man kann eine Menge daraus lernen, wie das […] verlaufen ist. Man muss vor allem einen Weg finden, wie man das positiver formuliert.“ (ph)

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