Großinvestoren abgesagt

Sie brauchen 50 Millionen in 30 Tagen: Münchner Jung-Autobauer wagen heiklen Schritt für erstes Solar-Auto

Die Gründer von Sono Motors: Jona Christians, Navina Pernsteiner und Laurin Hahn.

Ein völlig neues Automobil wollen Mittzwanziger nach München auf die Straße bringen - ohne Großinvestoren. Nun wird es eng: 50 Millionen Euro in 30 Tagen sollen her.

  • Das Münchner Jung-Unternehmen Sono Motors will das erste Solar-Auto auf die Straßen bringen.
  • Nach Meinungsverschiedenheiten soll das ohne Groß-Investoren klappen.
  • Die Entscheidung ist nicht ohne Risiko: Ein Crowdfunding muss nun einen Millionen-Betrag einspielen.

München - Es ist wahrlich ein großes Stück Arbeit, das sich die jungen Gründer des Münchner Unternehmens Sono Motors vorgenommen haben: Die Mittzwanziger Jona Christians, Laurin Hahn und Navina Pernsteiner wollen das nach eigenen Angaben weltweit erste „SEV“ bauen. Dabei handelt es sich weder um eine Abart des schwer umstrittenen SUV, noch um eine neue Variante des Schienenersatzverkehrs. Sondern um ein serientaugliches Auto, das sich selbstständig über Solarmodule auf der Karosserie aufladen soll.

Potenziell könnte die Idee frischen Wind in die buchstäblich festgefahrene Debatte um Verbrennungsmotoren, E-Autos und die Klimaproblematik bringen - oder auch in die zuletzt krisengeplagte deutsche Auto-Industrie. Doch es gibt Probleme. Offenbar nach Meinungsverschiedenheiten mit potenziellen „Großinvestoren“ droht den Münchnern eine massive Finanzierungslücke bei der Entwicklung des Mobils mit dem Namen „Sion“. 

Sono Motors: Münchner Jung-Autobauer wollen ersten „SEV“ bauen - nun muss es die „Crowd“ richten

Schließen sollen diese nun Privatleute per Crowdfunding. Und das in nur 30 Tagen. „Es braucht Überzeugungstäter“, schreiben die Macher. 50 Millionen Euro werden nach Angaben des Unternehmens benötigt. Am 1. Dezember hat Sono eine Crowdfunding-Kampagne online gestellt. Gut 3,4 Millionen standen am Nachmittag des 3. Dezember zu Buche. Die restlichen knapp 46 Millionen Euro sollen bis Jahresende zusammenkommen.

Die Aktion dürfte durch den schieren Geldbedarf getrieben sein - liest sich aber durchaus auch nach einem (wirtschafts-)politischen Statement. „Im Laufe zahlreicher Verhandlungen mit internationalen Investoren haben wir immer wieder feststellen müssen, dass sich die Erwartungen der klassischen Finanzwelt nur schwer mit unseren Zielen und Werten vereinbaren lassen“, schreibt Sono Motors auf seiner Homepage. 

So soll das Auto des Münchner Startups Sono Motors ab 2021 vom Band laufen - wenn alles gut geht.

Schnelle Profite seien mit einem erschwinglichen, klimafreundlichen und sozial verträglich produzierten Mobil nicht zu machen. 25.000 Euro soll der „Sion“ später einmal kosten. 2021, so der Plan, werden die ersten Exemplare in einem ehemaligen Saab-Werk in Westschweden vom Band rollen.

Zuletzt habe man aber „die Abwanderung unserer Technologien“ fürchten müssen. Auch Spionage und Ausverkauf von hochentwickelter Technik war in den vergangenen Monaten immer wieder ein Thema in der deutschen und internationalen Handelspolitik.

Kommt der Sion trotzdem? Sono-Motors aus München entscheidet sich gegen Großinvestoren

„Wir haben uns gegen den Ausverkauf von Sono Motors entschieden“, erklärt das Unternehmen weiter. Nun liege es in den Händen der „Community“ ob das Solar-Auto auf die Straße kommen werde. Ziel sei eine Welt, „in der Menschen die Dinge selbst in die Hand nehmen“. 

Kritik üben die Sono-Motors-Gründer aber auch am Wirtschaftsstandort Deutschland. „Hätten wir uns nur auf Fördermaßnahmen oder das deutsche Marktumfeld verlassen, gäbe es Sono Motors in der heutigen Form wahrscheinlich nicht“, sagte Vorstandschef Laurin Hahn zum Start des Crowdfundings: „Hier besteht dringender Handlungsbedarf aufseiten der Politik.“

Sono Motors aus München: Gewinne für die Förderer - doch es steht viel auf dem Spiel

Auch Vorteile will das Unternehmen seinen Förderern anbieten. Gewinne sollen in den „Community Pool“ zurückgegeben werden, heißt es - während die Stimmrechte im Unternehmen bleiben. Das würde bedeuten: Die Gründer verzichten auf über ihre Gehälter hinausgehende Gewinne, behalten aber das Sagen im Haus.

Das Mittel des Crowdfoundings ist für Sono Motors im Prinzip bereits erprobt - auf diesem Wege holten sich die Autobauer auch ein erstes Startkapital. Teils kommt es auch aus Vorbestellungen des Mobils. Für diese werden 500 Euro fällig.

Auf der Kehrseite heißt das allerdings auch: Wer bereits einen „Sion“ reserviert hat, könnte das angezahlte Geld in den Sand gesetzt haben - gut 10.000 Mobile wurden nach Angaben des Unternehmens bereits angefordert. Die Sion-Macher verpacken dieses Risiko in etwas wohlklingendere Worte. "Wir werden in jedem Fall weiterkämpfen. Für eine klimafreundliche Mobilität und für unsere Reservierer." Um viel geht es dabei freilich auch für die 400 Mitarbeiter des Münchner Projekts.

Breit aufstellen will sich offenbar die bayerische Staatsregierung: Markus Söder hat hunderte Millionen für die Autowirtschaft ausgelobt - und dabei eine Lanze für den SUV gebrochen.

fn

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