IWF sieht schwarz für die Weltwirtschaft

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IWF-Chefin Christine Lagarde sieht schwarz für die Weltwirtschaft.

Washington - Europa als Finazkrisenherd - IWF-Chefin Lagarde zeichnet ein düsteres Bild von der Weltwirtschaft. Sie vergleicht die Lage sogar mit der Depression in den 1930er Jahren vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs.

IWF-Chefin Christine Lagarde hat die Weltgemeinschaft eindringlich zum Schulterschluss gegen eine drohende globale Wirtschaftskrise aufgerufen. Keine Volkswirtschaft, egal ob arm oder reich, sei momentan immun gegen einen Niedergang, wenn sie sich isoliere, sagte die Direktorin des Internationalen Währungsfonds am Donnerstag (Ortszeit) in Washington. Hauptursache der globalen Gefahren seien die Probleme in der Eurozone. Lagarde verglich die Situation mit den 1930er Jahren, bevor der Zweite Weltkrieg ausbrach. Während der Großen Depression hätten Rückzug, Protektionismus und Isolation die internationale Politik bestimmt.

Mit diesen Äußerungen dürfte Lagarde auch auf die erfolglosen Bemühungen bei der Welthandelsorganisation WTO zu einer Liberalisierung des Welthandels anspielen. Erst am Vortag hatte WTO-Chef Pascal Lamy betont, der Welthandel stehe wegen des Stillstands bei den Doha-Verhandlungen zum Abbau von Handelsschranken am Scheideweg. Angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise seien Fortschritte bei der Liberalisierung dringender denn je. Protektionismus in vielen Ländern verhindere Wachstum und koste die Weltwirtschaft dadurch jedes Jahr rund 800 Milliarden Dollar (615 Mrd Euro).

Die Aussichten für die Weltkonjunktur bezeichnete Lagarde als „ziemlich düster“. Es bestehe fast überall die Gefahr, dass sich das Wachstum verlangsame und die öffentlichen Haushalte ins Schwanken gerieten.

Lagarde hatte bereits in der Vergangenenheit mit besonders skeptischen Aussagen auf sich aufmerksam gemacht. So bezifferte der IWF den Kapitalbedarf europäischer Banken, um gegen die Krise gewappnet zu sein, im September auf rund 200 Milliarden Euro - was auf große Kritik stieß. Der Stresstest der europäischen Bankenaufsicht ergab dann in der vergangenen Woche eine Summe von 115 Milliarden Euro, die bis zum Sommer 2012 aufgebracht werden soll.

Erst vor gut zwei Wochen hatte die OECD ihre Prognosen für das Wachstum der Weltwirtschaft im kommenden Jahr nach unten korrigiert und auf große Ungleichgewichte verwiesen. Für die weltweit führenden Volkswirtschaften (G20) erwartet die Organisation 2012 einen Zuwachs von 3,8 Prozent. Dieser Durchschnittswert verberge aber riesige Unterschiede, hatten die Wirtschaftswissenschaftler gemahnt.

Während Schwellenländer wie China immer noch auf hohe Wachstumsraten hoffen könnten, drohe in manchen Euro-Staaten teilweise sogar ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung - also Rezession. Sollten die finanziellen Rahmenbedingungen wieder so schlecht werden wie im Zeitraum Mitte 2007 bis Anfang 2009, könne dies bis Mitte 2013 in einigen OECD-Ländern zu einem Absinken der Wirtschaftsleistung von bis zu fünf Prozent führen.

Lagarde forderte nun, die Wirtschaftsprobleme durch Zusammenarbeit in den Griff zu bekommen. „Sie muss im derzeitigen Kern der Krise beginnen, der offensichtlich in den europäischen Staaten liegt und besonders in den Ländern der Eurozone“, sagte sie. Die Eurozone sei eine „Währungsunion, die nicht richtig in einer ökonomischen und haushaltspolitischen Union vollendet wurde, woran derzeit gearbeitet wird“, sagte die IWF-Chefin mit Blick auf die Beschlüsse des Euro-Gipfels zur Errichtung einer Fiskalunion.

Während die europäischen Regierungschefs ihre „gewaltigen“ Herausforderungen bewältigen, müssten auch die Finanzmärkte mehr Geduld beweisen. In Demokratien fielen wichtige Entscheidungen nicht über Nacht, „die Dinge brauchen Zeit“, sagte Lagarde.

Die Mitglieder der WTO wollten am Freitag ihre Ministerkonferenz in Genf fortsetzen. Nach 18 Jahre währenden Verhandlungen wird Russland in einer Zeremonie in die Organisation aufgenommen. Rund ein Jahrzehnt nach dem Beitritt Chinas wird damit auch der letzte noch ungebundene Energie- und Rohstoffriese in das Regelsystem des Welthandels einbezogen.

dpa

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