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„Armutszeugnis für unser Land“: Immer mehr Rentner auf Hartz IV angewiesen

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Von: Lisa Mayerhofer

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Zwei Senioren gehen Hand in Hand spazieren:  Die Zahl der Rentner, die auf Hartz IV angewiesen sind, erreicht neue Höchststände.
 Die Zahl der Rentner, die auf Hartz IV angewiesen sind, erreicht neue Höchststände (Symbolbild) © Michael Gstettenbauer/Imago Images

Die Altersarmut in Deutschland wächst: Die Zahl der Rentner, die auf Hartz IV angewiesen sind, erreicht neue Höchststände - sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen.

Berlin - Die Zahl der Rentner, die mit Hartz IV* aufstocken müssen, hat in Deutschland einem Bericht zufolge einen neuen Rekordstand erreicht. 579.095 Ruheständler bezogen im vergangenen September Grundsicherung im Alter. Das ergab laut Funke-Mediengruppe eine Datenabfrage der Linken-Bundestagsfraktion beim Statistischen Bundesamt. Das sei der höchste Wert seit fast zwei Jahrzehnten.

Rente und Hartz IV: Neue Rekordwerte – mehr und mehr Rentner auf Grundsicherung angewiesen

2003 waren es demnach noch etwa 257.734 Ruheständler, die auf Hartz IV angewiesen waren. Die Gesamtzahl der Rentner in Hartz IV habe sich seither also beinahe verdoppelt. Eine deutliche Zunahme zeigt sich laut Bericht auch im Vergleich zu 2020. Demnach waren im vergangenen September rund 13.280 Rentnerinnen und Rentner mehr in Grundsicherung als im Vorjahr. Damals waren der Datenabfrage zufolge rund 565.815 Ruheständler auf die staatliche Unterstützungsleistung angewiesen.

Besonders von Altersarmut betroffen sind Frauen. Die Zahl der Rentnerinnen in Hartz IV liege laut Bericht seit fast zwei Jahrzehnten konstant über jener der Männer. Den statistischen Daten zufolge bezogen im vergangenen September 321.745 Frauen Grundsicherung im Alter; das war ein Anteil von 56 Prozent. Dem standen 257.350 Männer gegenüber. Dennoch markierten beide Zahlen neue Höchststände.

Hartz IV und Rente: Auch Männer rutschen zunehmend in die Grundsicherung

Das zeigt, dass seit einigen Jahren auch zunehmend Männer in die Grundsicherung rutschen, weil ihre Rente nicht ausreicht. 2003 lebten den Zahlen zufolge rund 74.748 Männer, aber rund 182.986 Frauen im Alter in Hartz IV, also mehr als doppelt so viele. In den Folgejahren seien beide Zahlen stark gestiegen. Der durchschnittliche Bruttobedarf bei der Grundsicherung beträgt aktuell 851 Euro im Monat. Davon sollen Lebensunterhalt, Heizung und Miete abgedeckt werden.

Um nach einem Arbeitsleben eine gesetzliche Rente* von mehr als 851 Euro im Monat ausgezahlt zu bekommen und damit über Grundsicherungsniveau zu landen, müssen Beschäftigte mit durchschnittlichem Verdienst nach neuen Berechnungen 28 Jahre in die Rentenversicherung einzahlen. Das geht aus einer aktuellen Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Linken-Anfrage hervor, wie die Funke-Zeitungen weiter berichteten.

Bartsch über Hartz IV-Rentner: Höchststand „ein Armutszeugnis für unser Land“

Der Vorsitzende der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch, sagte: „Wenn 28 Jahre Durchschnittsverdienst notwendig sind, um überhaupt Grundsicherung zu erreichen, dann hat die gesetzliche Rente ein Strukturproblem.“ Den neuen Höchststand bei den Grundsicherungsempfängern im Alter nannte Bartsch „ein Armutszeugnis für unser Land“. Dies sei „die Konsequenz der Fehler der Arbeitsmarkt- und Rentenpolitik“, sagte der Linken-Politiker den Funke-Zeitungen.

Die Ampel-Koalition hat ebenfalls reagiert und ein Maßnahmen-Paket beschlossen. Bezieher von Hartz IV oder Sozialhilfe sollen dabei unter anderem einen einmaligen Zuschuss von 100 Euro bekommen. Darüber hinaus soll ab Oktober ein Mindestlohn von 15 Euro gelten, um Menschen im Niedriglohnsektor vor Altersarmut zu schützen. Allerdings hat der Rentenexperte Johannes Steffen ausgerechnet*, dass derzeit schon ein Stundenlohn von 16,27 Euro nötig sei, um später als alleinstehender Rentner ohne Stütze über die Runden zu kommen. (mit Material der AFP) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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