Öl-Katastrophe kommt BP teuer zu stehen

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Das Image von BP ist durch die Ölkatastrophe schwer angeknackst

London - Für BP steht alles auf dem Spiel: Das Öl-Desaster vor der US-Küste schlägt Anleger in die Flucht, verschlingt Milliarden fürs Krisenmanagement und zerstört das Image des Energieriesen.

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Als Tony Hayward vor drei Jahren auf den Chefsessel bei British Petroleum rutschte, verpasste er dem Ölmulti eine neue Struktur mit einer eigenen Sparte für erneuerbare Energien. Sicher und zuverlässig sollte der Ölriese sein. Die grün-gelbe Sonne seines BP-Konzerns sollte für Umweltbewusstsein und Ressourcenschonung strahlen. Nun kämpft der Saubermann mit dem Dreck im Wasser.

Weil seit sechs Wochen viele Tausend Barrel Öl den Golf von Mexiko schwarz färben, ist der Börsenwert des Ölmultis in den Keller gerauscht. Scharenweise trennen sich Anleger von ihren BP- Anteilscheinen. Die Kosten, die durch das Öl im Meer und an den Stränden auf BP zukommen, wagt niemand zu beziffern. Ein Ende ist noch gar nicht in Sicht.

“Erst eine Milliarde US-Dollar“ habe das Desaster um den Untergang der Bohrinsel “Deepwater Horizon“ in den ersten fünf Wochen gekostet, sagt ein BP-Sprecher in London der Nachrichtenagentur dpa. Wie viel noch auf den Konzern zukommt, sagt er nicht.

Eingerechnet hat er bisher Kosten für die Eindämmung des Öls, die Säuberung der Strände, das Krisenmanagement und die technischen Versuche, die Löcher zu stopfen. Enthalten sind auch Entschädigungen von 35 Millionen Dollar für die Fischer. Dieses Geld sei bereits ausgezahlt, betont der Konzern. BP nennt diese Millionen “die kleinen Forderungen“. Über größere werde erst später entschieden. Der Konzern sei “stark genug, um alle berechtigten Forderungen zu tragen“, betont der Sprecher.

Bisher musste bei BP niemand trocken Brot essen. Allein im ersten Quartal 2010 steigerte der Konzern seinen Überschuss um 138 Prozent auf 6,2 Milliarden Dollar (rund 4,6 Mrd Euro). Der Umsatz stieg um 54 Prozent auf gut 73 Milliarden Dollar. Im vergangenen Jahr lag der Gewinn bei etwa 16,5 Milliarden Dollar, 2008 bei 25,6 Milliarden Dollar. Allein in Deutschland hat BP 2400 Tankstellen unter der Marke Aral und 5700 Mitarbeiter.

Die BP-Aktie hat erfolgreiche Jahre hinter sich. Der Höhenflug fand mit dem Unfall im Golf von Mexiko ein jähes Ende. Vom Tag vor dem Untergang der Bohrinsel bis Börsenschluss am vergangenen Freitag sank der Kurs der Aktie von 648 auf 495 Pence, also um 23,6 Prozent. Nach den neuerlichen Rückschlägen in den Bemühungen, das Bohrloch zu schließen, gab sie im Frankfurter Handel bis zum Montagmittag 7,58 Prozent auf 5,399 Euro ab. Die Londoner Börse war wegen eines Feiertags geschlossen. Die Börsenkapitalisierung von BP sank um 29 Milliarden Pfund.

Eine Hochrechnung der Milliardenkosten, die noch auf BP zukommen könnten, birgt viele unbekannte Faktoren, denn noch immer strömt das Öl aus und richtet immer neue Schäden an. Der britische Versicherer Lloyds schätzt allein die Folgeschäden an den US-Küsten in einer Studie der vergangenen Woche auf bis zu 600 Millionen Dollar. BP ist nach eigenen Angaben gegen Entschädigungsforderungen über eine Tochterfirma abgesichert. Über den Namen des Versicherers und die Deckungssumme hüllt sich der Energiekonzern in Schweigen.

Bei der bisher schlimmsten Ölkatastrophe der US-Geschichte, dem Unglück des Supertankers “Exxon Valdez“ vor 21 Jahren in Alaska, führte der Ölriese Exxon Mobile vor, wie sich Forderungen senken lassen. Nachdem rund 40 000 Tonnen Rohöl die Tier- und Pflanzenwelt verseucht hatten, strengte der Konzern einen der längsten Prozesse der US-Geschichte an.

Mit Erfolg: 3,4 Milliarden Dollar zahlte der Konzern für die Säuberung und Entschädigungen. Aus den ursprünglich gerichtlich festgelegten weiteren fünf Milliarden Dollar für zehntausende Berufsfischer und Fischverarbeiter wurden schließlich 500 Millionen Dollar.

dpa

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