Metall-Arbeitgeber wollen 2,2 Prozent mehr zahlen

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Demonstrierende Vertreter der IG Metall vor dem Auftakt der Tarifverhandlungen der Metallindustrie Foto: Julian Stratenschulte

Ludwigsburg (dpa) - "Wir sind sehr weit auseinander" - nur in dieser Aussage stimmen IG Metall und Metall-Arbeitgeber im Südwesten überein. Strittig sind alle anderen Punkte. Deshalb werden sich beide Seiten auch in der laufenden Tarifrunde nicht ohne Warnstreiks aufeinander zubewegen.

Der Metall- und Elektroindustrie stehen massive Warnstreiks bevor. Ein erstes Angebot der Arbeitgeber lehnte die IG Metall am Montag als unzureichend ab und kündigte Arbeitsniederlegungen in der Schlüsselbranche mit ihren bundesweit rund 3,7 Millionen Beschäftigten ab Donnerstag an.

Der Verband Südwestmetall legte bei den Gesprächen in Ludwigsburg bei Stuttgart ein Angebot von 2,2 Prozent mehr Geld vor. Dies gleiche einem "Scheinriesen", sagte IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger. "Auf den ersten Blick sieht es gar nicht so schlecht aus, auf den zweiten Blick sind wir sehr weit voneinander entfernt." Südwestmetall müsse "deutlich nachlegen".

Nach dem Ablauf der Friedenspflicht an diesem Mittwoch um Mitternacht müssten die Arbeitgeber wegen ihres "Sparangebots" nun mit massiven Warnstreiks rechnen. "Es wird bis zum 11. Februar keinen Tag geben, an dem es keine Warnstreiks gibt", kündigte Zitzelsberger an. Am 11. Februar gehen die Tarifvertragsparteien im traditionellen Pilotbezirk in Sindelfingen in die dritte Verhandlungsrunde. Ähnliche Signale kamen aus Bayern, wo am Mittwoch weiter verhandelt wird.

Die Gewerkschaft verlangt für die Beschäftigten 5,5 Prozent mehr Geld, einen erweiterten Zugang zur Altersteilzeit und eine vom Arbeitgeber bezuschusste Weiterbildung. Die Arbeitgeber erklärten dagegen, eine stärkere Anhebung sei angesichts des aktuellen Konjunkturverlaufs und der Entwicklung der vergangenen Jahre nicht angemessen. "Wir haben uns bewegt, jetzt ist die IG Metall am Zug, sich zu bewegen", unterstrich Südwestmetall-Chef Stefan Wolf.

Für Warnstreiks bestehe kein Anlass. Das Angebot sei fair für Beschäftigte und Betriebe gleichermaßen: Erstere erhielten ein Plus im Geldbeutel, die Unternehmen würden der Lage angemessen belastet.

Der Vorschlag der Arbeitgeber sieht eine Erhöhung nach zwei Nullmonaten ab dem 1. März vor. Das Gesamtplus für das Kalenderjahr beziffern sie auf 2,53 Prozent, weil die Laufzeit des neuen Tarifvertrags am 31. Dezember 2015 enden soll und noch zurückliegende Tariferhöhungen ins laufende Jahr hineinwirken. Gesamtmetallpräsident Rainer Dulger sagte, das Angebot gehe "an die Grenzen des Möglichen".

Die Arbeitgeber im Südwesten gehen anhand einer Konjunkturumfrage bei den Mitgliedsbetrieben eher von einer verhaltenen Entwicklung für 2015 aus, die bei einem zu hohen Tarifabschluss die Risiken der Verlagerung von Produktion und Beschäftigungsabbau berge. Zitzelsberger sprach von "ominösen" Problemen, die die Arbeitgeber ungeachtet positiver Stimmung in der Wirtschaft an die Wand malten.

Die Zugänge zur Altersteilzeit will Südwestmetall beschneiden: Statt wie bisher vier Prozent der Belegschaft sollen künftig nur noch zwei Prozent einen tariflichen Anspruch auf einen vorgezogenen Ruhestand haben. Darunter sollen solche Arbeitnehmer fallen, die über Jahre im Schichtbetrieb tätig waren. "Ansprüche für die, die noch können, aber nicht mehr wollen, lehnen wir ab", sagte Wolf. Zudem habe die abschlagsfreie Rente mit 63 habe unerwartet viel Zuspruch; ein weiterer Aderlass von Fachkräften sei nicht zu bewältigen.

Die IG Metall dagegen will den Zugang erweitern - etwa auch für Angestellte, die zeitlich eng getaktete Projektarbeit leisten. Die Arbeitnehmer sollten in "aufrechtem Gang und nicht kriechend" aus dem Arbeitsleben ausscheiden können, meinte Zitzelsberger.

Den von der IG Metall gekündigten Tarifvertrag zur Weiterbildung will der Verband unverändert wieder in Kraft setzen. Er sieht zwar weitgehende zeitliche Erleichterungen für weiterbildungswillige Metaller vor - aber keine Zuschüsse des Arbeitgebers während der Weiterbildungszeit, wie sie die IG Metall verlangt.

Die Branche gebe schon vier Milliarden Euro im Jahr für betriebliche Weiterbildung aus, argumentierte Wolf: "Wir werden hier kein Programm unterschrieben, das es allein dem Mitarbeiter überlässt, wie er sich auf Kosten des Arbeitgebers weiterbildet." Sein Verband wolle aber die Qualifizierung von An- und Ungelernten stärker betonen.

Weiterbildung ist nach Auffassung der IG Metall für die Branche in Zeiten des Fachkräftemangels besonders wichtig. Vor dem Verhandlungslokal in Ludwigsburg hatten rund 4500 Beschäftigte aus ganz Baden-Württemberg für ein akzeptables Angebot demonstriert. Eine mit Fachleuten besetzte Kommission soll bis zum nächsten Treffen Lösungen des Konflikts über die qualitativen Themen erörtern.

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