Merkel gegen Lockprämie für Fachkräfte

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Bundeskanzlerin Angela Merkel

Berlin - Weltweit versuchen Konzerne und Staaten, hoch qualifizierte Arbeitskräfte zu gewinnen. Von einer neuen Lockprämie hält die Kanzlerin aber nichts. Die Regierung will Arbeitslose besser qualifizieren.

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Rainer Brüderle hat gut lachen. Während die Kanzlerin und das halbe Kabinett urlaubt, produziert der Wirtschaftsminister Schlagzeilen. Jetzt war im größten Boulevardblatt “Bild“ zu sehen, wie der FDP- Mann ein Titelbild (“I want you for Gastarbeiter“) zur Zuwanderungsdebatte freudestrahlend in seinem heimischen Arbeitszimmer aufhängt. Der von Brüderle losgeschickte Sommerballon verlor jedoch zum Wochenanfang deutlich Luft. Die Regierung hat keine neuen Pläne zur Zuwanderung, sondern will wie gehabt Jobsuchende besser ausbilden. Ein Regierungssprecher erklärte, eine Überarbeitung der erst vor eineinhalb Jahren eingeführten Zuwanderungsregeln sei kein Thema. Auch von Brüderles Begrüßungsgeld-Idee halte die Kanzlerin nichts.

Die Mimik der Kanzlerin

Merkels Mimik

Experten wie Bundesagentur-Chef Frank Jürgen Weise raten, angesichts des Geburtenknicks und der immer älter werdenden Bevölkerung das Bildungssystem, die Kinderbetreuung sowie die Förderung von Arbeitslosen zu verbessern. Unternehmen, die es sich leisten können, zahlen schon heute Prämien und Spitzengehälter, um im internationalen Rennen mithalten zu können. Auch Betriebskindergärten, kostenlose Firmenbusse oder Yoga- und Fitnesskurse gehören bei mancher Firma zum Wohlfühlpaket für neue Mitarbeiter. Seit langem bekannt ist, dass 2011 in der EU nach langem Streit die neue Bluecard eingeführt wird. Sie ist Europas Antwort auf die legendäre Greencard, mit der die USA seit Jahrzehnten erfolgreich die besten Kräfte ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten locken. Denn Talente aus Asien und anderen Boomregionen machen um Europa meist einen Bogen.

Nach Angaben der EU-Kommission gehen 55 Prozent der topausgebildeten Migranten in die USA - in der EU landen aus dieser Gruppe nur rund fünf Prozent. Vereinfacht gesagt, wandern in die Europäische Union die falschen Leute ein. Der größte Teil der Migranten (85 Prozent) hat keinen Beruf gelernt oder beherrscht nur einfache Tätigkeiten. Mit der Bluecard, die Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung kombiniert, soll es besser werden. Mehrere Jahre sollen Fachkräfte in der EU arbeiten, reisen und umziehen können. Wechsel innerhalb eines internationalen Konzerns in die Europa-Filialen sollen zügig und ohne großen Papierkram möglich werden. Doch das Modell hat nach Ansicht von Fachleuten einen Geburtsfehler. Eine IT-Fachkraft aus China, Indien oder Russland kann zwar die Familie mit nach Europa bringen, eine Arbeitserlaubnis soll der Partner aber nicht automatisch erhalten. Hier darf jedes Land weiter nach eigenem Gutdünken entscheiden.

Dänemark, Großbritannien und Irland machen bei der Bluecard erst gar nicht mit. Auch die Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) hat Zweifel, dass die Bluecard ein großer Erfolg wird. Die ursprünglichen Pläne seien stark verwässert worden. Viele EU-Staaten klammerten sich an nationale Regeln und wollten ihren Arbeitsmarkt schützen. Europa brauche zum Beispiel einen einheitlichen Bildungsmarkt, damit ausländische Talente nicht nur in Berlin, Rom oder Madrid studieren, sondern später ohne Probleme einen Job bei einem europäischen Unternehmen bekommen und so dem Kontinent treubleiben, so die Studie. Ziehe Europa hier nicht an einem Strang, rieben sich die klassischen Einwanderungsländer USA, Kanada und Australien wieder einmal die Hände.

dpa

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