Kritik an Gewerkschaftsmacht

LH-Piloten wollen drei Tage streiken

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Jetzt wird es richtig hart für Passagiere der Lufthansa: Nach den Flughafen-Bediensteten wollen auch die Piloten streiken. Dies könnte die Ferienpläne tausender Fluggäste aus Norddeutschland durchkreuzen.

Frankfurt - Jetzt wird es richtig hart für Passagiere der Lufthansa: Nach den Flughafen-Bediensteten wollen auch die Piloten streiken. Dies könnte die Ferienpläne tausender Fluggäste aus Norddeutschland durchkreuzen.

Für die Fluggäste der Lufthansa kommt es knüppeldick: Direkt nach rund 600 Flugausfällen wegen eines Verdi-Warnstreiks an deutschen Airports haben die Lufthansa-Piloten einen noch weit größeren Ausstand über drei Tage angekündigt. Ab Mittwoch kommender Woche wird danach bis einschließlich Freitag kaum noch ein Lufthansa-Flug abheben.

Der Streik soll am Mittwoch (2.4.) um 00.00 Uhr beginnen und am Freitag (4.4.) um 23.59 Uhr enden, kündigte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) an. Der Arbeitskampf trifft damit die Osterferien in den Ländern Niedersachsen und Bremen, die am Donnerstag beginnen. Ursprünglich hatte die VC angekündigt, in den Osterferien nicht streiken zu wollen.

Betroffen von den Streiks wären die Gesellschaften Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings. Die Konzerntöchter Swiss und Austrian Airlines haben eigene Tarifverträge und würden von einem Ausstand bei der Lufthansa nicht berührt.

Personalchefin appelliert an Piloten: Weiter verhandeln

Vor dem drohenden dreitägigen Streik in der kommenden Woche hat Lufthansa-Personalchefin Bettina Volkens erneut an die Piloten appelliert, die Tarifgespräche in letzter Minute noch zu retten. „Wir sind jederzeit verfügbar und geben die Hoffnung nicht auf“, sagte sie im „Spiegel“ an die Adresse der Flugzeugführer.

Die Managerin will ein Schlichtungsverfahren mit der Vereinigung Cockpit (VC) vermeiden, die Vertreter der Pilotengewerkschaft sollten daher an den Verhandlungstisch zurückkehren. Volkens hatte bereits am Freitag betont, dass der Lufthansa bis zu dem angekündigten Ausstand am Mittwoch nur wenige Tage blieben, um Schäden für die Kunden abzuwenden. Ein Streik würde den Konzern eine „hohe zweistellige Millionensumme“ kosten, sagte sie dem Hamburger Nachrichtenmagazin.

Streit um den Streik

Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Arnold Vaatz, kritisierte vor dem Hintergrund des bevorstehenden Piloten-Ausstands die Macht kleiner Einzelgewerkschaften. „Ich bin in Sorge, wenn kleine Gewerkschaften in Schlüsselstellungen auf diese Weise ihre Forderungen durchsetzen“, sagte der CDU-Politiker dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Samstag). „Wir sollten in der Koalition mal darüber sprechen, ob das so weiter gehen kann und ob die gesetzlichen Rahmenbedingungen noch vernünftig sind.“

VC-Tarifexpertin Ilona Ritter verteidigte die Entscheidung. „Der von uns angekündigte Verzicht, die Osterferien nicht mit Arbeitskämpfen zu belasten, wurde anscheinend vom Management nicht als Zeichen unseres Verantwortungsbewusstseins gegenüber den Urlaubsreisenden verstanden. Wir lassen uns von Lufthansa nicht hinhalten“, erklärte sie. Weitere Streiks bis zum Ende der Osterferien seien nach derzeitigem Stand dann aber ausgeschlossen. Die letzten Osterferien enden in diesem Jahr am 2. Mai in Thüringen und Schleswig-Holstein.

Lufthansa bereitet Notplan vor

Unabhängig von weiteren Gesprächen bereitet Lufthansa einen Not-Flugplan für den Fall eines Streiks vor. Er soll am Montagmittag auf der Homepage des Unternehmens im Internet veröffentlicht werden. Die Gesellschaft fliegt täglich rund 1800 Verbindungen. Für innerdeutsche Verbindungen wird bei Streiks regelmäßig die Bahn als Alternative genutzt.

Trotz mehrerer Treffen in den vergangenen Tagen habe es in dem Tarifkonflikt keine Annäherung mit der Lufthansa gegeben, erklärte die Gewerkschaft. Knackpunkt und Streikanlass seien die von Lufthansa einseitig gekündigten Übergangsrenten, die den Piloten bislang ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Beruf ermöglicht hatten. In einer Urabstimmung hatten die rund 5400 Piloten zu 99,1 Prozent für einen Arbeitskampf zu diesem Thema gestimmt.

dpa

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