Krise ade: Konjunktur erholt sich überraschend schnell

Auch die Stahlbranche vermeldet positive Zahlen.

Wiesbaden/Berlin - Die Konjunkturerholung in Deutschland schreitet voran: In den Industriebetrieben klingeln im Vergleich zum Vorjahr wieder die Kassen, die Export- wie Importwirtschaft boomt.

Für Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) ein Zeichen dafür, dass die wirtschaftliche Erholung “an Breite und Festigkeit gewinnt“. Wie das Statistischen Bundesamt am Montag mitteilte, stiegen die Ausfuhren im Juni auf Jahressicht um 28,5 Prozent auf 86,5 Milliarden Euro - den höchsten Wert seit Oktober 2008 (88,7 Milliarden Euro).

Hohes Interesse an "Made in Germany"

Allein zum Vormonat Mai nahmen die Ausfuhren um 3,8 Prozent zu. Die Importe kletterten im Juni auf den höchsten Monatswert seit Beginn der Außenhandelsstatistik im Jahr 1950: Insgesamt wurden Waren für 72,4 Milliarden Euro eingekauft, 31,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Brüderle zeigte sich erfreut über das “hohe ausländische Interesse an Waren Made in Germany“. Die anhaltend lebhafte Entwicklung der deutschen Ausfuhren sei ein sehr ermutigendes Zeichen für die Wirtschaft, sagte der Minister. “Es ist nicht nur ein Indiz für die hohe Wettbewerbsfähigkeit der Industrie, sondern auch ein Vertrauensbeweis für die Qualität deutscher Produkte.“

Nach Einschätzung der deutschen Auslands-Handelskammern wird die Exportwirtschaft auch im nächsten Jahr deutlicher Wachstumstreiber sein. Das geht aus einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) hervor. Den Prognosen nach werden die Ausfuhren in diesem Jahr um mindestens 11 Prozent zulegen, 2011 noch einmal um 8 Prozent. DIHK-Außenwirtschaftschef Axel Nitschke zufolge rückt dadurch der Exportrekord aus 2008 von 984 Milliarden Euro im kommenden Jahr wieder “in greifbare Nähe“.

Verarbeitendes Gewerbe erlebt Aufschwung

Im Vergleich zum Vorjahresmonat lagen die preis- und arbeitstäglich bereinigten Industrie-Einnahmen im Juni dieses Jahres um 10,7 Prozent höher. Das Geschäft mit inländischen Kunden stieg um 7,0 Prozent, der Auslandsumsatz legte um 15,1 Prozent zu. Dabei erhöhte sich der Absatz im Euro-Raum um 8,8 Prozent. Im Handel mit dem restlichen Ausland nahmen die deutschen Industriebetriebe im Juni 20,5 Prozent mehr ein. Positive Zahlen vermeldete auch die deutsche Stahlindustrie. Im Juli lag die Rohstahlproduktion mit 3,5 Millionen Tonnen um knapp 30 Prozent über dem Vorjahreswert, wie die Wirtschaftsvereinigung Stahl mitteilte. Zwischen Januar und Juli überstieg die Produktion mit 26,2 Millionen Tonnen den Vorjahreszeitraum sogar um 59 Prozent.

Papierbranche optimistisch

Optimistisch gab sich auch die Papierindustrie. Die Branche habe sich nach der tiefen Rezession 2009 spürbar erholt und bereits im ersten Halbjahr 2010 nahezu das Mengenniveau des Vorkrisenjahres 2008 erreicht, sagte der Präsident des Verbandes Deutscher Papierfabriken (VDP), Wolfgang Palm, in Bonn. Produktion und Absatz übertrafen das Vorjahresniveau um mehr als 14 Prozent.

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