Wegen Corona und Flut-Katastrophe

Bahn-Aufsichtsrat hakt rasche Erholung des Staatskonzerns ab

Lokführer am Hauptbahnhof in Berlin: Ab Montag morgen wollen die Lokführer auch im Personenverkehr die Arbeit niederlegen. Die erneuten Streiks bei der Bahn dürften die ohnehin angespannte wirtschaftliche Lage beim Staatskonzern weiter verschlechtern.
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Bahn: Ab Montagmorgen wollen die Lokführer auch im Personenverkehr die Arbeit niederlegen. Die erneuten Streiks bei der Bahn dürften die ohnehin angespannte wirtschaftliche Lage beim Staatskonzern zusätzlich belasten.

Der Vorsitzende der Bahn-Gewerkschaft EVG und stellvertretende Aufsichtsratschef der Deutschen Bahn AG, Klaus-Dieter Hommel, erwartet keine rasche wirtschaftliche Erholung des Konzerns.

München – Der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Klaus-Dieter Hommel, hat die Politik vor einem Eingreifen in den erbittert geführten Tarif-Konflikt bei der Bahn gewarnt. Um zu einer Einigung zu kommen, hoffe GDL-Chef Claus Weselsky „offenbar auch auf die Einflussnahme der Politik bei der Bahn“. Er könne die Politik „aber nur warnen, sich in die Tarifangelegenheiten einzumischen. Das wird mit uns definitiv nicht zu machen sein“, sagte Hommel in einem Interview gegenüber Merkur.de.

Zugleich warf Hommel der GDL vor, mit ihrem aggressiven Vorgehen zur Mitgliedergewinnung den Betriebsfrieden bei der Bahn „bis hinunter in die Pausenräume“ zu stören. Angesichts zahlloser Beschwerden von Bahn-Mitarbeitern über die GDL habe die EVG inzwischen eine Hotline eingerichtet. Dort berichteten „viele Kolleginnen und Kollegen täglich über teils unerträgliche Vorfälle wie massive Beleidigungen bis hin zu Morddrohen“, sagte Hommel dem Online-Portal.

Deutsche Bahn: EVG-Chef erwartet keine rasche wirtschaftliche Erholung des Konzerns

Mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung der Deutschen Bahn AG zeigte sich Hommel überraschend vorsichtig. Die wirtschaftliche Erholung des Unternehmens werde länger dauern als gedacht, sagte Hommel, der zugleich stellvertretender Aufsichtsratschef der Deutschen Bahn AG ist.

Er hoffe für das Unternehmen und die Beschäftigten, dass das Rekord-Minus aus dem vergangenen Jahr mit einem Verlust von 5,7 Milliarden Euro nicht übertroffen werde, sagte Hommel. Doch sei bereits jetzt klar, „dass wir uns im laufenden Jahr auf einen erneuten Verlust im Milliarden-Bereich einstellen müssen“.

Im ersten Halbjahr 2021 hatte die Bahn einen Netto-Verlust von 1,4 Milliarden Euro eingefahren. Angesichts des schwelenden Tarifkonflikts und neuer Streiks seit Samstag könnte sich die wirtschaftliche Lage des Konzerns im Jahresverlauf nun weiter verschärfen.

Auch mittelfristig rechnet der stellvertretende Chef-Aufseher des Konzerns nicht mit einer raschen Besserung. Zu den Belastungen aus der länger als erwarteten Corona-Pandemie kämen nun „auch noch die Folgen der jüngsten Hochwasser-Katastrophe“. Dies „alles dürfte die wirtschaftliche Erholung erheblich verzögern“. Vor diesem Hintergrund seien auch „sämtliche Hochlauf-Kurven, die die Basis für die Mittelfristplanung waren, Makulatur“.

Deutsche Bahn: „Noch mindestens fünf Jahre bis zum Vor-Corona-Niveau“

Bis die Deutsche Bahn wirtschaftlich wieder das Vor-Corona-Niveau erreiche, werde das Unternehmen „noch mindesten fünf Jahre brauchen“, sagte Hommel gegenüber Merkur.de. Aber auch dies werde „nur möglich sein, wenn das Unternehmen die Zeit nutzt, um neue, kunden-freundliche Geschäftsmodelle zu entwickeln.“ So müsse der Bahn-Vorstand etwa Lösungen für die wachsende Verbreitung von Homeoffice finden, „sonst werden die Züge nicht mehr voll“, warnte Hommel.

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