„Damit wir überhaupt eine Chance haben, ...“

„Hilft mehr als Geld“: Europas Fluggesellschaft erheben wegen Corona überraschend klare Forderung

Ein Passagierflugzeug im Anflug auf den Flughafen Hannover fliegt über ein Rapsfeld hinweg.
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Die europäischen Fluggesellschaften befinden sich in der Krise - wegen Corona.

Von Lufthansa bis Ryanair: Die Fluggesellschaften stecken tief in der Corona-Krise. Nun wollen sie Hilfe von der Politik - aber nicht in Form von Geld.

Brüssel - Die Corona*-Krise trifft die Fluggesellschaften hart. Deshalb erheben sie nun eine sehr ungewöhnliche Forderung: Sie wollen neue Regeln und Beschränkungen. Und zwar europaweit einheitliche. Klare Maßgaben könnten sogar mehr helfen als Geld, heißt es. Denn den Fliegern scheint vor allem das Vertrauen der Reisenden verloren zu gehen.

Corona-Krise: Fluggesellschaften in großer Sorge - Neue Regeln „damit wir überhaupt eine Chance haben“?

Der Branchenverband Airlines for Europe (A4E) hat die Regierungen in der Europäischen Union am Dienstag aufgefordert, einer entsprechenden Empfehlung der EU-Kommission zu folgen. „Es braucht dringend ein einheitliches europäisches Testprogramm, damit wir überhaupt eine Chance haben, das Vertrauen der Passagiere zurückzugewinnen“, sagte A4E-Geschäftsführer Thomas Reynaert.

Der Chef des britischen Billigfliegers Easyjet, Johan Lundgren, sieht die Reiselust der Europäer durch die Buchungszahlen bestätigt. „Sobald Reisebeschränkungen zurückgenommen werden, gehen die Buchungen durch die Decke“, sagte er in einer Videokonferenz mit Journalisten. Daher würden einheitliche Regeln den Fluggesellschaften mehr helfen als zusätzliches Geld von den Regierungen.

Fliegen während Corona: Viele Fluglinien im Überlebenskampf

Nach Ansicht von Sebastian Mikosz vom Weltluftfahrtverband IATA steckt die Branche noch nicht in der Erholungsphase, sondern immer noch im Überlebenskampf. Viele Staaten haben Airlines in der Krise mit Milliardenkrediten vor der Pleite bewahrt. Die Bundesrepublik stieg bei der Lufthansa sogar als Anteilseigner ein.

Aus Sicht der IATA liegt die schwache Erholung der Ticketnachfrage nicht daran, dass die Menschen Angst hätten, sich im Flugzeug mit dem Virus anzustecken. „Aber wenn die Menschen nicht wissen, ob sie reisen können, kaufen sie keine Tickets“, sagte Mikosz. Zudem wirke eine 7- oder 14-tägige Quarantänepflicht* nach der Ankunft oder nach der Rückkehr faktisch wie ein Reiseverbot.

Corona: Fluggesellschaften schlagen Alarm - kommen einheitliche Regeln für die ganze EU?

Auch die europäische Luftfahrtbehörde EASA sieht das Fliegen mit Blick auf die Ansteckungsgefahr als sicher an. „Der Luftverkehr produziert keine neuen Fälle“, sagte EASA-Exekutivdirektor Patrick Ky. Unausgesprochen mitzuschwingen scheint aber das Eingeständnis, das Flugreisen das Virus über bereits erkrankte Passagiere durchaus zwischen den Ländern verbreiten könnte. Die Flieger sind nicht das einzige Verkehrsmittel, das in der Krise in den Brennpunkt rückt: Auch über die Praxis bei der Deutschen Bahn wurde unlängst gestritten.

Seit die coronabedingten Reisewarnungen in der EU und weiteren Ländern Europas Mitte Juni weitgehend aufgehoben worden waren, haben einzelne Regierungen wieder Warnungen für Staaten und Urlaubsregionen verhängt. Die EU-Kommission hatte daher Vorschläge vorgelegt, um schnellstmöglich gemeinsame Kriterien und Schwellenwerte für die Einführung von Reisebeschränkungen zu vereinbaren. Die Corona-Pleitewelle greift um sich: Für die Mitarbeiter einer Modekette gibt es bittere Nachrichten - doch sie können noch hoffen. (dpa/fn) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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