Boeing: Dreamliner erst im Sommer lieferbar

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Boeing vertröstet Dreamliner-Kunden auf den Sommer (Symbolbild)

Paris/New York - Pannen ohne Ende - Die Kunden von Boeings Hoffnungsträger Dreamliner müssen nach einem Zeitungsbericht nun bis zum Sommer auf den neuen Flieger warten.

Das wäre der vorläufige Höhepunkt einer Serie von Problemen bei dem Airbus-Rivalen.

Der Brand in einem Testflugzeug wirft das gesamte Dreamliner-Programm des US-Flugzeugbauers Boeing weiter zurück. Nach Informationen der französischen Zeitung “Les Echos“ dürfte die Auslieferung des neuen Langstreckenjets 787 nun erst Ende Juni oder Anfang Juli beginnen. Das hätten Boeing-Manager ihren Kollegen von der Fluggesellschaft Air France bei der Übergabe einer größeren 777 verraten, schrieb das Blatt am Donnerstag.

Vom Hoffnungskind zum Sorgenkind

Nach diversen technischen Problemen liegt der Dreamliner des Airbus-Rivalen schon mehr als zweieinhalb Jahre hinter dem Zeitplan zurück.

Die neuen Schwierigkeiten würden die drei Jahre voll machen. Der letzte Akt in einer Reihe von Pleiten Pech und Pannen war vor einem Monat ein Feuer in einer Schalttafel. Der Brand hatte eine Dreamliner-Testmaschine zur Notlandung gezwungen. Seitdem steht die gesamte, sechs Flugzeuge starke Testflotte am Boden. Das neue hochkomplexe Flugzeuge die Hersteller vor erhebliche Probleme stellen, hat auch Konkurrent Airbus mit seinem Riesenjet A380 erlebt, der erst mit mehrjähriger Verspätung ausgeliefert werden konnte.

Brand beim Testflug durch Kurzschluss

Boeing bestätigte am Freitag ein Zusammentreffen mit Air France und auch, dass der Zeitplan unter die Lupe genommen wird. Noch aber ist der Hersteller mit der Aufarbeitung des Unfalls beschäftigt. “Wir werden einen neuen Zeitplan verkünden, wenn die Arbeit getan ist“, hieß es. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte ein Fremdkörper zu dem Kurzschluss in der Schalttafel geführt. Die Kontrollsoftware habe dies nicht erkannt und würde nun neu geschrieben, berichtete “Les Echos“.

Boeing hofft nach Informationen der Zeitung darauf, dass die Arbeiten Ende des Jahres abgeschlossen sein werden und die Testmaschinen dann im Januar wieder in die Luft gehen könnten. Vorher muss aber noch die Freigabe durch die US-Flugsicherheitsbehörde FAA abgewartet werden. Sie hatte sich nach der Notlandung des Testfliegers eingeschaltet.

Der Unfall passierte kurz nachdem bei einem Airbus A380 der Fluggesellschaft Qantas ein Triebwerk teils auseinandergebrochen war. Das löste eine rege Debatte über die Sicherheit von neu entwickelten Maschinen aus. Besonders der Triebwerkshersteller Rolls-Royce geriet in die Schusslinie. Er liefert auch den Antrieb für den Dreamliner.

Die 787 ist angesichts ihrer neuartigen Konstruktion Hoffnungsträger und Sorgenkind zugleich: Sie besteht zu großen Teilen aus leichten Verbundmaterialien, was Treibstoff einzusparen soll. Zudem hat die Elektronik vielerorts die Mechanik verdrängt. Gerade die neuen Materialien sorgten aber von Anfang an für Ärger. Erschwerend kam hinzu, dass Boeing viele Arbeiten an Zulieferer ausgelagert hatte, und diese nicht die gewünschte Qualität ablieferten. Auch der vergrößerte Jumbojet 747-8 kommt mit Verspätung.

Die Pannenserie hat Boeing bereits einen Milliardenbetrag gekostet. Etliche Kunden sprangen ab, andere verlangten Schadenersatz für die lange Wartezeit. Boeing hat bislang 847 der mittelgroßen Langstreckenflieger verkauft; seit dem Sommer kam kein neuer Auftrag hinzu. Von den Maschinen gehen 15 Stück an Air Berlin. Erster Kunde ist die japanische All Nippon.

dpa

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