Hoffnungsschimmer für Pleite-Opfer

BGH gibt zwei Lehman-Geschädigten recht

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Die Schockwellen der Lehman-Pleite lösten eine weltweite Rezession aus.

Karlsruhe - Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in einem am Dienstag verkündeten Urteil erstmals einem Käufer von Lehman-Anleihen Schadenersatz zugestanden.

Demnach muss die private Bethmann Bank in Frankfurt am Main zahlen, weil sie einer Kundin beim Anleihen-Kauf mögliche Verlustrisiken verschwiegen und die Frau damit laut Urteil falsch beraten hatte. (Az. XI ZR 169/13) In dem aktuellen Fall hatte die Bethman Bank der Kundin für deren damals minderjährigen Sohn "Lehman Brothers Aktien Kupon Anleihen" zum Kurswert von rund 33.000 Euro verkauft. In dem dazu gehörenden Produktinformationsblatt wurde zwar ein "100 Prozent Kapitalschutz am Laufzeitende" versprochen. Doch im Basisprospekt, der der Kundin nicht ausgehändigt worden war, hatte sich die Bank ein Sonderkündigungsrecht etwa bei Insolvenz eingeräumt und darauf verwiesen, dass der Rückzahlungsbetrag dann bei Null liegen könnte.

Dem klagenden Sohn der Käuferin steht laut BGH nun grundsätzlich Schadenersatz wegen einer Falschberatung zu. Die Bank hätte den Anleger "ungefragt aufklären" müssen, dass auch ein Totalverlust des Kapitals drohen kann, entschied das Gericht.

Allerdings muss der Kläger einen Abschlag von 17 Prozent auf die Anlagesumme hinnehmen, weil er seine ursprünglichen Forderungen nicht im Insolvenzverfahren von Lehman in New York angemeldet hatte. Dort seien sämtliche Insolvenzforderungen bis zu einem Betrag von 50.000 US-Dollar pauschal mit 17 Prozent vergütet worden, heißt es im Urteil.

Wie viele Opfer der Lehman-Pleite von diesem Urteil noch profitieren können und ob auch andere Geldhäuser Versprechungen wie die Bethman Bank, eine Tochter der niederländischen ABN AMRO Bank, machten, war zunächst unklar. Durch die Pleite der US-Bank hatten rund 50.000 Anleger in Deutschland Geld verloren.

Lehman Brothers war im Jahr 2008 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise zusammengebrochen. Wie viele Geldhäuser hatte die Bank in großem Stil mit auf faulen US-Immobilienkrediten basierenden Wertpapieren spekuliert. Es war die größte und komplexeste Pleite der Geschichte mit 7000 Betroffenen in 40 Ländern. Die Gläubiger saßen zunächst auf Ansprüchen von insgesamt 450 Milliarden Dollar.

afp

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