Bertelsmann will zurück auf den Wachstumskurs

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Hartmut Ostrowski, Vorstandsvorsitzender der Beertelsmann AG, schaut wieder optimistisch in die Zukunft.

Berlin/Gütersloh - Bertelsmann hat sich 2009 in die Gewinnzone gespart. Zurück auf dem Wachstumsmarkt setzt der Konzern künftig auf neue Impulse von digitalen Alleskönnern.

35 Millionen Euro Konzernergebnis 2009 sind bei einem Unternehmen dieser Größe wohl kaum mehr als eine schwarze Null: Ohne rigide Kostensenkungen hätte die Werbekrise den Medienkonzern sicherlich noch viel härter erwischt. Besonders bitter: Das Unternehmen, das traditionell immer auf die Partnerschaft zwischen Management und Personal gesetzt hat, kam um einen größeren Stellenabbau nicht herum. Die Zahl der Beschäftigten sank 2009 konzernweit um mehr als 4000 auf knapp 103 000 Menschen. Allein Gruner+Jahr baute 1300 Stellen ab.

Dennoch zeigt sich Konzernchef Hartmut Ostrowski bei der Bilanz am Dienstag beruhigt. “Wir haben im zweiten Halbjahr die Trendwende geschafft.“ 333 Millionen Euro Miese zur Jahresmitte - das war für die konservativen Ostwestfalen eine Schock-Nachricht. Schwindelerregende Sonderabschreibungen vor allem auf das Fernsehgeschäft in Großbritannien und Griechenland sowie auf das Tiefdruck-Geschäft von Prinovis galt es wieder auszugleichen. Der Konzern reagierte: Die RTL-Sender zeigten nachts und vormittags mehr Wiederholungen und gewannen zugleich mehr Zuschauer. Manager und kleine Angestellte verzichteten auf Teile der Bezüge.

Inzwischen scheint Bertelsmann aus dem Gröbsten heraus zu sein. “Wir haben allen Grund, im Jahr unseres 175-jährigen Jubiläums selbstbewusst in die Zukunft zu schauen“, sagt Ostrowski. Nach Ansicht des Managements werden die Gewinne wieder steil klettern - die Umsätze sollen sich immerhin stabil halten. Das Netto-Ergebnis sollte in den nächsten Jahren zwischen 400 und 500 Millionen Euro liegen, erwartet Finanzvorstand Thomas Rabe.

 Ostrowski weist unterdessen neu aufgeflammte Spekulationen über einen Rückzug von Bertelsmann bei Gruner + Jahr zurück. “Die Beteiligung bei Gruner + Jahr steht nicht zur Debatte. Wir werden Gruner + Jahr behalten und weiterentwickeln“, sagt er. Bei der RTL Group dagegen seien sowohl eine Aufstockung als auch eine Reduzierung der Anteile denkbar, je nach Großwetterlage.

Zum Poker um die Zukunft der Plattenfirma EMI (Pink Floyd, The Beatles) sagt Rabe: “Wenn EMI auf den Markt kommt, werden wir uns damit befassen,“ sagte Rabe mit Blick auf den krisengeschüttelten britischen Musikkonzern, der unter anderem die Musikrechte für die Songs der Beatles und von Pink Floyd hält. Bertelsmann betreibt mit dem Finanzinvestor KKR den Musikrechte-Verlag BMG Rights Management. “Es gibt keine formellen Gespräche mit Warner.“

Doch das Familienunternehmenblickt optimistisch in die Zukunft. Rückenwind erwartet der Konzern dabei von der neuen Generation digitaler Alleskönner wie Apples iPad. Bertelsmann sei wie kaum ein anderes Unternehmen in der Lage, die durch diese Geräte entstehende neue digitale Medienwelt mitzugestalten, sagte Ostrowski. Denn der Konzern verfüge nicht nur über Inhalte, sondern dank seiner Dienstleitungstochter Arvato auch über umfangreiches Know-how bei digitalen Dienstleistungen.

Vorreiter bei E-Books Beispiel

Bei E-Books gehört die Bertelsmann-Tochter Random House weltweit zu den Vorreitern. Zwar machen die elektronischen Bücher bislang erst rund 3 Prozent des Branchenabsatzes aus. Doch sind die E-Books derzeit eines der am schnellsten wachsenden Segmente der gesamten Medienbranche - mit Wachstumsraten von mehreren hundert Prozent jährlich. In Deutschland stammen derzeit Bertelsmann zufolge rund 50 Prozent aller verfügbaren E-Books aus dem eigenen Haus. Wachsen will der Medienriese auch in den Zukunftsmärkten China und Indien. Und nach wie vor liebäugelt Ostrowski damit, im Bildungsbereich ein zusätzliches Standbein für den Konzern aufzubauen.

DAPD

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