Mehrere Planungspannen

Bahn-Fiasko auf der Milliarden-Schnellstrecke Berlin-München

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Ein ICE auf der Schnellfahrstrecke München - Berlin - Güterzüge waren allerdings bisher nicht unterwegs.

Es ist ein echtes Milliardenprojekt: Die Schnelltrasse der Bahn zwischen München und Berlin verspricht im Personenverkehr Rekorde. Doch mehrere peinliche Fehler sorgen nun für ein Fiasko.

München - Die Bahntrasse zwischen München und Berlin ist für den Personenverkehr ein echter Segen - erwartungsgemäß stieg die Zahl der Passagiere auch im letzten Jahr weiter an. 4,9 Millionen Menschen fuhren auf der zehn Milliarden Euro teuren Strecke. Doch nach Informationen der Süddeutschen Zeitung wird die Strecke im Güterverkehr zu einem echten Fiasko. Denn laut Regierungsangaben, auf die sich die Zeitung bezieht, war auf der Strecke bislang kein einziger Güterzug unterwegs. 

Der Grund dafür: Eine Gewichtsbegrenzung, die die Route für schwere Güterzüge praktisch unpassierbar macht. Dabei hatte die Bundesregierung im Jahr 2010 noch andere Hoffnungen geweckt. Man gehe davon aus, dass auf der Neubaustrecke täglich eine ICE-Linie mit 20 Zugpaaren verkehren werde - und zusätzlich circa 70 Güterzüge, je Richtung. Doch im vergangenen Jahr hat es gerade mal zwei Anmeldungen für Güterzüge auf der Strecke gegeben, die laut Verkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann aber durch das Eisenbahnunternehmen „storniert wurden“. Das geht aus einer kleinen Anfrage der Grünen hervor.

Berlin-München: Fiasko auf Bahn-Strecke wegen zu starken Steigungen

Aus der Antwort auf die kleine Anfrage lässt sich derweil das Problem recht klar rekonstruieren. Denn die Schnelltrasse ist für schwere Züge - und Güterzüge sind per definitionem relativ schwer - gar nicht ausgelegt. Denn um Kosten zu sparen wurden Steigungen von fast zwei Prozent eingeplant, die an mehreren Signalstellen auf der Strecke liegen. Daher dürfen auf der Strecke nur solche Güterzüge fahren, deren Grenzlast bei höchstens 1200 Tonnen liegt. Ansonsten könnten sie aus eigener Kraft an den Signalen gar nicht anfahren, so der Bericht der Süddeutschen Zeitung.

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Berlin-München: Auch Überholmöglichkeiten fehlen

Signale sind im Güterverkehr aber üblich, weil sich die hohen Trassenpreise auf der Neubaustrecke laut Süddeutscher Zeitung sonst nicht rechnen würden. Ein weiteres Problem stellen offenbar die fehlenden Überholmöglichkeiten dar. Denn auf der Strecke gibt es ein sogenanntes „Begegnungsverbot“. Aus Sicherheitsgründen dürfen die bis zu 300 Kilometer pro Stunde schnellen ICE nicht in einem Tunnel an einem Güterzug vorbeifahren. Aufgrund der fehlenden Überholmöglichkeiten steht die Strecke Güterzügen daher quasi nur nachts zur Verfügung. Außerdem benötigen die Züge laut dem Bericht auf dieser Strecke das elektronische und teure Zugsteuerungssystem ETCS. Ein weiterer Grund, warum Güterzüge auf der Schnelltrasse bislang nicht unterwegs sind.

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sdm


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