Zufallsfund: Bildband mit Gemälden für Hitlers "Führermuseum"

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Die Kunsthistorikerin Birgit Schwarz, Buchautorin und Expertin für “Hitlers Museum“, ist von der  Echtheit des Bildbands überzeugt und hat einige der abgebildeten Werke erkannt.

Dallas - Über sechs Jahrzehnte nach Kriegsende ist im US-Staat Ohio ein Bildband von Gemälden wieder aufgetaucht, die Adolf Hitler in seinem geplanten “Führermuseum“ in Linz ausstellen wollte.

Der Bildband stand im Bücherregal des 87-jährigen John Pistone, der als junger Soldat den Wälzer aus Hitlers Berghof bei Berchtesgaden als Souvenir mitgenommen hatte.

Voraussichtlich im Januar soll der Band im US-Außenministerium offiziell an Deutschland zurückgegeben werden. Das Fotoalbum ist Teil eines vielbändigen Katalogs, in dem Hitlers Kunstbeauftragte für den Diktator den geplanten Bestand seines künftigen Museums dokumentierten.

So begann der Zweite Weltkrieg

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Die bereits zusammengetragenen Werke selbst, aus Hitlers eigener Sammlung oder aus beschlagnahmtem jüdischen Besitz stammend, lagerten in Depots. Der gesamte Katalog umfasste 31 Bände, von denen 19 aus dem Berghof in deutschem Besitz sind.

Die bekannten Werke hat das Deutsche Historische Museum (DHM) in Berlin in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für offene Vermögensfragen im vergangenen Jahr ins Netz gestellt. Der in der Bild-Datenbank zum “Sonderauftrag Linz“ erfasste Bestand umfasst 4.731 Stücke - Bilder, Skulpturen, Möbel, Porzellan und Tapisserien -, die Hitler oder seine Beauftragten von Ende der 30-er Jahre bis 1945 für das geplante “Führermuseum“ und andere Sammlungen kauften oder aus beschlagnahmtem Besitz an sich nahmen. Die Veröffentlichung soll unter anderem dabei helfen, die Vorgeschichte der Kunstwerke zu klären und eventuell bis heute ungeklärten Kunstraub aufzudecken.

Zufällig entdeckt

Gegen Kriegsende hatten die Amerikaner Hitlers Feriendomizil auf dem Obersalzberg besetzt. “Es war wirklich ein großartiges Gefühl, dort zu sein“, erinnerte sich Pistone im Gespräch mit AP. Zu der Zeit sei schon klar gewesen, dass der Nationalsozialismus “auf dem letzten Loch pfiff“. Zum Andenken steckte er sich von einem Büchertisch ein Buch ein und nahm es mit heim nach Beachwood in Ohio. Dort stand es all die Jahre im Regal.

In diesem Herbst fiel der über fünf Kilo schwere Band mit der Prägung “Gemäldegalerie Linz“ und der römischen Ziffer XIII auf dem Rücken einem Freund Pistones auf. Neugierig geworden, forschte der im Internet nach und stieß auf die Monuments-Men-Stiftung zur Bewahrung von Kunstwerken in Dallas, die 2007 mit der Rückgabe zweier anderer Alben mit Raubkunst aus jüdischem Besitz zu tun hatte.

Stiftungsgründer Robert Edsel fuhr nach Ohio, nahm das Album in Augenschein und war sicher, dass es sich um einen der fehlenden Katalogbände handelt.

Expertin von Echtheit überzeugt

Auch die Kunsthistorikerin Birgit Schwarz, Buchautorin und Expertin für “Hitlers Museum“, ist von seiner Echtheit überzeugt und hat einige der abgebildeten Werke erkannt. “Es ist vollkommen klar!“, schrieb sie in einer E-Mail. “Hans Makarts 'Pest in Florenz' zum Beispiel, das erste Bild im Album XIII, hatte Hitler als Geschenk von Mussolini bekommen.“ Der Band enthält etliche Werke seiner Lieblingsmaler, so ein Bildnis Friedrichs des Großen von Adolph von Menzel, das Hitler in seinem Büro in München hängen hatte.

Mit seiner 2007 gegründeten Stiftung will Edsel das Andenken der “Monuments Men“ ehren und an die Arbeit der rund 345 Männer und Frauen anknüpfen, die sich im Zweiten Weltkrieg aufseiten der Alliierten um die Rettung von Kunstschätzen und danach um die Rückgabe von Beutekunst an die rechtmäßigen Eigentümer bemühten. “Ich wünsche mir, die Arbeit der Monuments Men vollendet zu sehen“, sagte er.

Der Fund von Alben wie bei Pistone könne dazu beitragen. In diesem Fall seien die Titel der Werke zwar bekannt gewesen, doch könnten die Fotografien hilfreich dabei sein, sie abzugleichen und dem richtigen Bild zuzuordnen.

AP

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