Der Mini wird 50

Von der Servietten-Skizze zum Kultmobil

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Der Nachfolger: BMW trennte sich von Rover, behielt aber die Marke Mini, die in einem neuen Werk in Oxford wiederbelebt wurde.

London – Er war genial konzipiert, aber keineswegs perfekt. Vor 50 Jahren entstand der Mini, der zum Kultauto wurde. Davon zehrt BMW heute noch. Der Münchner Konzern ließ die Blech-Ikone wieder aufleben.

Bei der Fahrt durch eine Pfütze brach er zusammen, die Kupplung gab nach einigen hundert Kilometern auf und undicht war er auch. Der erste Mini war alles andere als ein perfektes Gefährt. Dennoch, oder gerade deshalb, wurde er zum Kultauto. Zwar ereilte den Original-Mini das gleiche Schicksal wie den VW-Käfer oder die Ente: Die Produktion wurde eingestellt. Aber der Mythos lebt weiter – 50 Jahre nachdem das erste Modell im Mai 1959 in Birmingham vom Band rollte. Der neue Mini von BMW ist aber für eingefleischte Fans nur ein Abklatsch des Originals.

Eine Blechikone wird 50

Kultflitzer Mini wird 50!

Die Geschichte der Ikone in Blech begann auf einer Serviette und Tischdecke. Auf diese kritzelte der Designer Alec Issigonis die erste Mini-Skizze. Die British Motor Corporation hatte ihn beauftragt, ein sparsames, billiges und kleines Auto zu bauen, in dem dennoch vier Menschen plus Gepäck Platz hatten. Issigonis’ bahnbrechende Idee: Er entwarf einen Frontantrieb, drehte den Motor um 180 Grad, um die Kühlerhaube kürzer zu machen, quetschte das Getriebe unter den Motor und verpasste den Rädern eine Schrumpfkur.

Ein richtiger Erfolg wurde der Autozwerg in den 60er-Jahren, als der Rennwagen-Bauer John Cooper Hand anlegte: Er machte aus dem Mini eine Rennsemmel, die in Rallyes erfolgreich war. „Der Mini wurde auch in Frankreich richtig schick“, erinnert sich Paddy Hopkirk, der in dem Babyauto das Rennen in Monte Carlo gewann. „Es war cooler, deine Freundin am Eiffelturm mit einem Mini als mit einem Jaguar abzuholen.“ Bis heute verbinden die meisten Menschen mit dem Mini das Sondermodell „Mini Cooper“.

Der Sieger: Es war eigentlich nicht geplant. Doch im Rallye-Trimm feierte der kleine Brite unerwartete Erfolge im Motorsport.

In den „Sixties“ entwickelte sich das knubbelige Auto zum absoluten Trendobjekt. Die Beatles, Twiggy und die Erfinderin des Mini-Rocks, Mary Quant, düsten mit ihm durch die Gegend. Selbst im britischen Königshaus fand der Wagen Fans: Prinzessin Diana fuhr Mini, und selbst die Queen ließ sich in dem ganz und gar unmajestätischen Gefährt mit den unbequemen Sitzen kutschieren. Seinen filmischen Durchbruch schaffte der Mini in „The Italian Job“ („Charlie staubt Millionen ab“) mit Michael Caine. Und Madonna dichtete in ihrem Lied „American Life“: „I drive my Mini Cooper. And I am feeling super-dooper“ – Deutsch: „Ich fahr mein’ Mini Cooper. Und ich fühl mich super-duper.“

Heute bezahlen Liebhaber hohe Summen, um einen Ur-Mini zu ergattern, der damals weniger als 500 Pfund kostete. Doch trotz seines Ikonen-Status war der Mini nicht profitabel. Im Jahr 2000 rollte nach mehr als fünf Millionen Modellen der letzte Ursprungs-Mini vom Band. Heute ist der Designklassiker auch Symbol für den Untergang der britischen Autoindustrie, die einst Marken wie Jaguar, Rolls-Royce oder Land Rover hervorbrachte, heute aber im Besitz von Konzernen in Japan, Indien oder in Deutschland ist.

So auch der Mini. 1994 übernahm BMW die Rover Group, unter deren Regie der Mini damals gebaut wurde. Sechs Jahre später beendete der Münchner Autobauer jedoch das verlustreiche Rover-Debakel. Die Marke Mini behielt BMW allerdings unter seinem Dach. Aber auch wenn die Münchner 2001 ein neues, erfolgreiches Modell auflegten – für wahre Mini-Fans hat dieses wenig mit dem Original zu tun: zu groß, zu schnell, zu perfekt. „Der Mini ist zu einem aufgeblähten Schatten seiner selbst geworden“, höhnte kürzlich die britische Zeitung „The Independent“. Aber, so räumte das Blatt gegenüber BMW ein: „Immerhin ist ihr Mini wasserdicht.“

Von Annette Reuther

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