Frankreich

Scientology droht Zwangsauflösung

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Der Sekte Scientology droht in Frankreich die Zwangsauflösung. Die Organisation steht vor Gericht.

Paris - Die französische Sektion der Sekte Scientology steht vor Gericht. Wird die Organisation schuldig gesprochen, folgt die Zwanagsauflösung.

Die französische Justiz will den umstrittenen Geschäftspraktiken von Scientology ein Ende machen. Ab Montag muss sich die in Frankreich als Sekte eingestufte Organisation wegen “organisierten Bandenbetrugs“ vor einem Pariser Gericht verantworten. Folgen die Richter der Anklage, dann wird Scientology zwangsaufgelöst. Ihr Rechtsanwalt Patrick Maisonneuve räumte ein, dass die Zukunft der Organisation auf dem Spiel stehe: “Bei einer Verurteilung könnten die Scientologen in Frankreich nicht mehr tätig sein.“

Die Anklage richtet sich gegen das “Celebrity Centre“ als wichtigste Organisationseinheit, deren Chef Alain Rosenberg und sechs weitere Mitglieder. Der Prozess geht zurück auf die mehr als zehn Jahre alte Klage einer ehemaligen Anhängerin. Die Frau wurde 1998 an einer Metro-Station angesprochen. Nach einem Persönlichkeitstest wurde sie zu einem Termin eingeladen, um das Ergebnis zu analysieren. In den folgenden Monaten bezahlte sie der Anklage zufolge 140.000 Francs (21.300 Euro) für Bücher, Saunakuren zur Selbstreinigung, Vitaminpräparate und vermeintlich medizinische Geräte.

Elektrometer wirkt keine Wunder

Ermittlungsrichter Jean-Christophe Hullin interessiert sich vor allem für den sogenannten Elektrometer, den die Organisation ihren Mitgliedern für 4.800 Euro verkaufte. Der simple Apparat, dessen Sachwert bei wenigen hundert Euro liegt, soll das geistige Wohlbefinden messen und zur Einschätzung der Persönlichkeit dienen. Tatsächlich misst er nur die Spannung zwischen den Händen. Laut Hullin spiegelt Scientology damit einen wissenschaftlichen Wert vor, den das Gerät nicht erbringen kann.

Die Anklageschrift widmet sich nicht nur den Geschäftspraktiken sondern auch dem Versuch, die Anhänger “in einen Zustand der Unterwerfung“ zu versetzen. Durch die Verabreichung von überdosierten Vitaminpräparaten litten die Personen unter lähmender Müdigkeit und würden in die soziale Isolation getrieben, zitierte das Nachrichtenmagazin “L'Express“ aus der Schrift.

Durch den Handel mit den Vitaminen übten die Scientologen den Beruf des Apothekers illegal aus, so die Anklage. Die Verteidigung räumt zwar Fehlverhalten einzelner Scientologen ein, will aber eine Verurteilung der Organisation verhindern. “Die Entdeckung eines pädophilen Priesters stellt auch nicht die gesamte katholische Kirche in Frage“, sagte Anwalt Maisonneuve.

AP

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