Embryonen vernichtet: Freispruch für Arzt

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Richter Carsten Kessler hat den Arzt (46) freigesprochen.

Berlin - Ein Frauenarzt, der in seiner Praxis Embryonen mit genetischen Auffälligkeiten vernichtet hatte, ist vom Berliner Landgericht freigesprochen worden.

Nach Überzeugung der Strafkammer wollte der Arzt den Paaren zu einem gesunden Kind verhelfen.

Der 46-jährige Mediziner hatte bei Untersuchungen genetische Defekte an Embryonen entdeckt und die befruchteten Eier auf Wunsch von drei Frauen nicht eingepflanzt. Bei allen Paaren bestand ein hohes Risiko für genetische Schäden bei den Kindern. Erstmals hat sich ein Gericht mit einem Verstoß gegen das 1990 erlassene Embryonenschutzgesetz beschäftigt.

Nach Überzeugung von Richter Carsten Kessler will der Gesetzgeber Untersuchungen auf schwere Erbschäden gerade nicht kriminalisieren. Im Gesetz stehe nicht, dass derartige Untersuchungen verboten sind, argumentierte Kessler. Ausdrücklich untersagt sei aber, Embryonen gegen den Willen der Frauen einzupflanzen. Das Gesetz sehe zudem einen Schutz des Embryos zu Forschungswecken vor.

Staatsanwältin Brigitte Raddatz sah hingegen bereits in der Untersuchung der befruchteten Eier einen Gesetzesverstoß. Der Schutz der Embryonen vor Manipulationen habe eindeutig Vorrang, betonte die Anklägerin. Die Frau könne abtreiben oder auf eigene Kinder verzichten. Embryonen dürfen nicht ausgesucht werden, es bestehe die Gefahr einer Bestenauslese.

Die Anklägerin hatte sechs Monate Haft mit Bewährung gefordert. Es solle verhindert werden, dass andere Ärzte ebenfalls solche Untersuchungen vornehmen, sagte sie. Raddatz geht davon aus, dass der Fall dem Bundesgerichtshof vorgelegt wird.

Aufgrund der Erbanlagen der jeweiligen Partner der Frauen hatte der Arzt hohe Risiken wie Fehl- oder Totgeburten befürchtet. Der Angeklagte, selbst Vater von fünf Kindern, wollte den Paaren seelische Schmerzen ersparen. Er habe ein eigenes Kind kurz nach der Geburt verloren und könne das Leid ermessen.

Im Vorfeld des Prozesses hatte der Arzt sich selbst angezeigt, um die Rechtsfragen zu klären. Der Mediziner hatte ein Gutachten einer namhaften Expertin eingeholt, nach deren Überzeugung die Untersuchungen im Einklang mit dem Gesetz stehen. Ein erster Prozessanlauf in Berlin scheiterte. Das Gericht sah keine Straftat im Verhalten des Mediziners. Das Kammergericht hatte später dann aber entschieden, dass der Fall doch verhandelt werden müsse.

dpa

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