Wattenmeer wird UNESCO-Weltnaturerbe

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Das Wattenmeer: Ein einzigartiges Naturerbe

Sevilla/Hannover/Kiel - Als erste deutsche Naturlandschaft ist das Wattenmeer zum Welterbe der Menschheit erklärt worden.

Das Wattenmeer an der Nordseeküste steht jetzt in einer Reihe mit Naturwundern wie dem Grand Canyon, den Galapagos-Inseln oder der Serengeti in Afrika: Das UNESCO-Welterbekomitee nahm die Küstenregion wegen ihres “einzigartigen Ökosystems mit einer besonderen Artenvielfalt“ in die Liste des Kultur- und Naturerbes der Menschheit auf. Das Wattenmeer sei “eines der größten küstennahen und gezeitenabhängigen Feuchtgebiete der Erde“, hieß es in der Entscheidung, die das Gremium am Freitag in Sevilla traf.

Einen Tag nach dem Verlust des Welterbetitels für das Elbtal bei Dresden äußerten sich Bundesregierung und die betroffenen Länder begeistert über die Aufnahme des Wattenmeers in die Liste. “Eine sehr erfreuliche Nachricht“ sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg. Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sprach von einem großen Tag für den Naturschutz in Deutschland. Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) erklärte: “Das ist eine großartige Nachricht für unseren Nationalpark und eine Auszeichnung für ganz Schleswig-Holstein.“ Sein niedersächsischer Amtskollege Christian Wulff sagte, er freue sich “für die gesamte Region, die dadurch weiter an Attraktivität gewinnt“.

Greenpeace sieht keinen echten Schutz

In die Welterbeliste werden das niederländische Wattenmeer-Schutzgebiet und die deutschen Wattenmeer-Nationalparks Niedersachsens und Schleswig-Holsteins aufgenommen. Die Nominierung als Weltnaturerbe wurde gemeinsam von Deutschland und den Niederlanden bei der UNESCO eingereicht. Im deutschen Wattenmeer fehlt allerdings ein kleiner Teil beim Welterbe: Das Land Hamburg wollte seine 137 Quadratkilometer des fast 10.000 Quadratkilometer großen Gebietes nicht dafür anmelden. Die Landesregierung befürchtete Probleme mit der ökologisch umstrittenen Elbvertiefung. Jetzt will die Stadt ihr Gebiet aber nachmelden. Auch Dänemark hat seinen Watt-Anteil nicht angemeldet.

Das UNESCO-Welterbekomitee hat das Wattenmeer in die Liste des Kultur- und Naturerbes aufgenommen.

Die Umweltschutzorganisationen WWF, NABU und BUND erklärten, Ziel sollte sein, dass der gesamte Watt-Raum zum Weltnaturerbe wird. Mit der Anerkennung sei auch eine Verantwortung zur dauerhaften Erhaltung verbunden. Nach Ansicht von Greenpeace bedeutet der Titel jedoch keinen echten Schutz für das Wattenmeer. Obwohl es seit 23 Jahren Nationalpark sei, werde die Ölförderung weiter geplant, “und es wird gefischt, was das Netz hergibt“.

Größte zusammenhängende Sand- und Schlickfläche

Das Wattenmeer ist mit mehr als 9.500 Quadratkilometern eines der größten Feuchtgebiete der Welt. Bei Hochwasser ist es überflutet, bei Niedrigwasser reicht es kilometerweit vom Ufer bis zur offenen See. Es bietet Lebensraum für rund 10.000 Arten von Tieren, Pflanzen und Kleinstlebewesen. Kein anderes Gebiet der Erde hat eine größere zusammenhängende Sand- und Schlickfläche. Jedes Jahr rasten zehn bis zwölf Millionen Zugvögel im Wattenmeer und machen einen Zwischenstopp auf dem Weg von Südafrika nach Nordsibirien und Kanada. Brutvögel sind an der Nordseeküste ebenso zu finden wie Wattwürmer, Kegelrobben und Schweinswale.

Konsequenzen aus der Streichung des Elbtals gefordert

Nach der Streichung des Dresdner Elbtals von der Liste der UNESCO-Welterbestätten wird derweil der Ruf nach Konsequenzen lauter. Der Deutsche Kulturrat forderte Bundesregierung und Bundestag auf, die von Deutschland ratifizierte Welterbekonvention in nationales Recht umzusetzen. “Ein solcher Schritt ist überfällig“, sagte Kulturrat-Geschäftsführer Olaf Zimmermann. Die UNESCO-Welterbekonvention ist zwar für den Bund verbindlich, aber bislang nicht bindend für die Bundesländer und Kommunen, weil entsprechende Ausführungsregelungen fehlen.

ap

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