EU warnt: Schweinegrippe nicht unterschätzen

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Die EU-Kommission warnt davor, die Schweinegrippe zu unterschätzen.

Frankfurt/Main - Genau ein halbes Jahr nach den ersten Schweinegrippe-Fällen in Europa hat die EU-Kommission vor einer Unterschätzung der Seuche und deren gesamtwirtschaftlichen Folgen gewarnt.

Es sei zu befürchten, dass sich fast jeder dritte Europäer anstecken könne, wenn sich das Virus in den kommenden Monaten verändere und deutlich aggressiver werde, sagte EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou der Tageszeitung “Die Welt“. Infolge dessen könne die wirtschaftliche Erholung in der EU geschwächt werden. Zugleich rief die EU-Kommissarin die Bevölkerung zur Impfung auf. In Deutschland ging derweil die am Montag gestartete größte Impfaktion aller Zeiten weiter, in Österreich wurde am Dienstag ein umfassendes Impfprogramm begonnen.

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Trotz erheblicher Skepsis in der Bevölkerung schützt eine landesweite Impfung nach Ansicht der Experten nicht nur vor Ansteckung und damit einer weiteren Ausbreitung der Epidemie, sondern ist nach einer Studie von Allianz und Rheinisch-Westfälischem Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) auch ökonomisch sinnvoll. Denn mit einer deutlich reduzierten Erkrankungsrate würden die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen halbiert. Im schlimmsten Fall, also einer angenommenen Ansteckungsrate von 50 Prozent der Bevölkerung, würde der Studie zufolge das Bruttoinlandsprodukt um 1,6 Prozent oder rund 40 Milliarden Euro zurückgehen. Bei einer landesweiten Impfung würde nach diesem schwersten Szenario das Minus dagegen nur bei 0,8 Prozent des BIPs liegen.

Zigtausende Intensivbetten fehlen

Selbst bei einem leichten Pandemieszenario mit einer Erkrankungsrate von nur 15 Prozent sind die Krankenhäuser in Deutschland der Studie zufolge nicht ausreichend vorbereitet: Demnach fehlen rund 45.000 Intensivbetten und Beatmungsplätze. Bei einem schweren Verlauf wären es sogar 180.000, wie Allianz und RWI erklärten. Weltweit sind nach den jüngsten Zahlen des Europäischen Zentrums für Krankheitsvorsorge und Kontrolle (ECDC) bislang 5.922 Menschen an der Schweinegrippe gestorben.

Allein in Europa waren es nach diesen Angaben 282 - davon 130 in Großbritannien und 54 in Spanien, den beiden Ländern, in denen die Seuche am 27. April erstmals in Europa nachgewiesen worden war. Am Dienstag meldeten die russischen Gesundheitsbehörden die ersten vier Todesfälle durch Schweinegrippe. Die weltweit meisten Opfer gibt es bislang mit 1.368 in Brasilien und mit 1.004 in den USA. In Mexiko, wo die Schweinegrippe am 2. April erstmals offiziell registriert wurde, gibt es bislang 314 Todesopfer.

Wirtschaftskrise bei Schweinegrippe besser als Boom

Als Ursachen für den möglichen gesamtwirtschaftlichen Rückgang werden von den Wissenschaftlern einerseits hohe Krankenstände und als Folge unter anderem eine niedrigere Produktivität angenommen. Auf der Nachfrageseite würde sich nach den Berechnungen ein geändertes Sozial- und Konsumverhalten niederschlagen, mit dem der Einzelne versuchen könnte, eine Ansteckung zu vermeiden. Besonders schwer betroffene Branchen wären demnach vor allem der Transport, das Gastgewerbe und die Kultur mit erwarteten Rückgängen von jeweils maximal sechs Prozent. Bei einer entsprechenden Untersuchung aus dem Jahr 2006 über mögliche Auswirkungen einer Vogelgrippenseuche war insgesamt gleichwohl noch von einem doppelt so hohen Schaden ausgegangen worden.

Neben dem bislang relativ milden Verlauf der Schweinegrippe machen die Experten ausgerechnet die Wirtschaftskrise für die vergleichsweise geringen Auswirkungen verantwortlich: “Tatsache ist, dass die Unternehmen in der aktuellen schwierigen Wirtschaftslage weniger unter der Neuen Grippe leiden als im Boom“, erklärte RWI-Präsident Christoph Schmidt. Unterdessen breitet sich die Schweinegrippe auch an Schulen weiter aus. So wurden an einer Realschule im bayerischen Straubing zwei Fälle bekannt, wie das örtliche Gesundheitsamt mitteilte. Nach Angaben des bayerischen Kultusministeriums werden jeden Tag mehrere Klassen wegen Schweinegrippe-Fällen nach Hause geschickt.

AP

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