Sechs Männer angeklagt

Vergewaltigte Touristin: Prozessbeginn

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Diese Männer sollen die Vergewaltiger der Schweizer Touristin sein.

New Delhi - Rund zwei Wochen nach der Gruppenvergewaltigung einer Schweizer Touristin in Indien hat der Prozess gegen sechs Männer begonnen.

Zwei Wochen nach der Gruppenvergewaltigung einer Schweizer Touristin in Indien hat der Prozess gegen sechs Männer begonnen. Die Verhandlungen starteten am Samstag im Amtsgericht in Datia mit Aussagen der ersten Zeugen und wurden am Montag fortgesetzt, wie der zuständige Ermittlungsbeamte sagte. Nun solle regelmäßig getagt werden. Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern im Alter von 20 bis 25 Jahren vor, die 39-jährige Schweizerin im zentralindischen Bundesstaat Madhya Pradesh vergewaltigt zu haben. Im Falle einer Verurteilung drohen ihnen 20 Jahre bis lebenslange Haft.

Das Schweizer Paar, das in der vergangenen Woche Indien verlassen hatte, war beim Campen im Wald von einer Gruppe Männer überfallen und ausgeraubt worden. Die Täter fesselten den Mann und vergewaltigten die Frau vor seinen Augen.

„Die Angeklagten haben sich in einem Vorverfahren für nicht schuldig erklärt“, sagte der Distriktchef der Polizei. Die leitenden Ermittler betonten jedoch, dass sie genügend Beweise gegen die Angeklagten hätten. So hätten sie DNA-Spuren sichergestellt und den Laptop und die Mobiltelefone der beiden Touristen bei den Angeklagten gefunden.

Die Schweizerin und ihr Partner hatten vor ein paar Tagen über den Botschafter in Indien mitteilen lassen, dass sie bereit seien, per Videokonferenz am Gerichtsprozess teilzunehmen. Ob das Gericht dies anordnen wird, war am Montag noch nicht abzusehen. Auch erklärten die Schweizer, dass sie zwar eine angemessene Strafe für die Täter wollen, jedoch die Todesstrafe ablehnten.

Vergewaltigern droht in Indien nach einem neuen Gesetz sieben Jahre bis lebenslange Haft. Gruppenvergewaltigungen werden mit 20 Jahren Haft bis lebenslanger Haft geahndet. Die Todesstrafe kann verhängt werden, wenn der Täter bereits zum zweiten Mal wegen einer Vergewaltigung verurteilt wird, das Opfer an den Folgen der Tat stirbt oder dauerhaft im Koma liegt.

Seit im Dezember eine 23-jährige Inderin von mehreren Männern in einem Bus in Neu Delhi vergewaltigt wurde und später an ihren Verletzungen starb, gibt es eine rege Debatte in Indien über Gewalt gegen Frauen. Seitdem wurden Gesetzte verschärft und die Polizei sensibilisiert.

Auch weltweit sorgte die brutale Tat für Aufregung - und hat nun Konsequenzen für die Tourismusindustrie. Laut einer Branchenuntersuchung sind seither ein Viertel weniger Touristen nach Indien gekommen. „Der starke Rückgang ist auf Sicherheitsbedenken zurückzuführen“, sagte Manju Negi von den Vereinigten Kammern von Handel und Industrie (Assocham) am Montag. Eine Umfrage bei 1200 Reiseveranstaltern habe ergeben, dass in den ersten drei Monaten dieses Jahres nicht nur in der Hauptstadt Neu Delhi, sondern überall im Land weniger Touristen unterwegs waren.

Insgesamt kamen laut der Studie 25 Prozent weniger Touristen nach Indien. Betrachte man hingegen die Zahl der weiblichen Besucher, sei sogar ein Rückgang um 35 Prozent auszumachen. „Die sexuellen Übergriffe wurden als der Hauptgrund identifiziert“, erklärte Negi. Offizielle Touristenzahlen gibt es für den Zeitraum von Anfang Januar bis Ende März noch nicht. Die Regierung zählte 2012 einen Zuwachs von knapp sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Demnach besuchten im vergangenen Jahr 6,5 Millionen Menschen den Subkontinent.

dpa

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