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Deutschland auch bei erneuerbaren Energien von Russland abhängig – Metall-Lieferstopp wäre gravierend

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Von: Tanja Koch

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Ein Manometer zeigt den Druck im Erdgasnetz an - Kann Deutschland schon in diesem Jahr auf russische Gaslieferungen verzichten?
Ein Manometer zeigt den Druck im Erdgasnetz an - Kann Deutschland schon in diesem Jahr auf russische Gaslieferungen verzichten? © Jan Woitas/dpa

Ein Großteil des in Deutschland genutzten Metalls stammt aus Russland. Sanktionen und damit Engpässe in diesem Bereich aufgrund des Ukraine-Kriegs wären folgenreich.

Berlin – Brennstoffe wie Gas und Kohle durch beispielsweise Windkraft zu ersetzen gilt als unabdingbar, um die Klimakrise abzuwenden und weniger abhängig von Russland zu werden. Der Lieferstopp von Gas und Öl aus Russland ist immer wieder im Gespräch*. Es hätte jedoch enorme Folgen, sollte es zu Gasengpässen in Deutschland* kommen. Paradoxerweise ist Deutschland bei der Energiewende aber ebenfalls auf Importe aus Russland angewiesen. 

Denn Russland ist ein bedeutender Exporteur von Metallen wie Nickel oder Aluminium. Laut VDI Nachrichten (Verein Deutscher Ingenieure) ist Russland der drittgrößte Goldproduzent der Welt, mit leichten Schwankungen von Jahr zu Jahr. Bei Platin liegt das Land auf Platz zwei, bei Silber auf Platz vier. Russland ist der drittgrößte Nickelproduzent, fünftgrößte Kupferproduzent, sechstgrößte Bleiproduzent. Bei Vanadium und Kobalt rangiert das Land auf Platz zwei im weltweiten Vergleich. Zudem stammt der mit Abstand größte europäische Aluminiumanbieter Rusal aus Russland.

Sanktionen bei Metallexporten wegen Ukraine-Krieg wären problematisch für Energiewende

Ob Windräder, Solaranlagen, oder Batterien für Elektroantriebe – Deutschland muss Metalle importieren, um auf erneuerbare Energien umzusteigen. Nickel etwa ist ein bedeutender Bestandteil von Lithium-Ionen-Batterien, wie eine wissenschaftliche Publikation der Unternehmensberatung Energieautark Consulting GmbH zeigt. Für den Ausbau der Windkraft* und der Stromnetze würden in Deutschland große Mengen an Aluminium benötigt.

Sanktionen im Bereich Metalle gegen Russland vor dem Hintergrund des Ukraine-Konflikts* würden die bereits gestiegenen Preise noch stärker in die Höhe treiben und zu Engpässen führen. Denn 44 Prozent der Importe an raffiniertem Nickel und 17 Prozent der Aluminium-Importe in Deutschland stammen aus Russland, wie freitag.de berichtet. Titanimporte, unabdingbar für die Produktion von grünem Wasserstoff, kämen zu 33 bis 41 Prozent aus Russland.

Alternativen zu Russland: Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzung

Alternative Exporteure anstatt Russland könnten China, Indonesien und die Philippinen sein, zumindest im Bereich Nickel. Allerdings würde Deutschland damit zwar keine Geschäfte mehr mit einem Schurkenstaat machen, aber andere Menschenrechtsverstöße und Umweltverschmutzung in Kauf nehmen. Das zeigt ein Paper, herausgegeben von „powershift – Verein für eine ökologisch-solidarische Energie-&Weltwirtschaft e.v.“.

Auf der philippinischen Insel Palawan etwa beeinträchtigt der Nickelabbau demnach die Biodiversität: Sogenannte saure Grubenabwässer, ein Nebenprodukt des Abbaus, behindern das Pflanzenwachstum und verursachen Fischsterben. Die Emissionen schädigen die Atemwege der Arbeitenden – bis hin zu Asthma oder Herzkrankheiten. (tk) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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