Verwüstung in der Ägäis

Erdbeben in der Türkei: 3-Jährige nach 65 Stunden aus den Trümmern geborgen - Retter brechen in Tränen aus

In der Türkei hat es ein starkes Erdbeben gegeben. Twitter-Videos zeigen erschreckende Bilder von einstürzenden Gebäuden und dem Tsunami, wie er durch die Orte donnert.

  • Ein schweres Erdbeben vor der Küste von Izmir erschüttert den Westen der Türkei, die Ägäis und Teile Griechenlands.
  • Türkische Medien berichten von zahlreichen eingestürzten Gebäuden und Panik in den Straßen: Auf der Insel Samos kam es in der Folge zu einem Tsunami, auch die Küste um Izmir wurde getroffen.
  • Die Behörden melden insgesamt mehr als 80 Todesopfer.
  • Ein Video des Tsunami ist angehängt. (siehe Update vom 30. Oktober, 14.37 Uhr)

Update vom 2. November, 13.39 Uhr: Ein dreijähriges Mädchen ist 65 Stunden nach dem schweren Erdbeben in der Türkei geborgen worden. „Wir haben unsere drei Jahre alte Elif in Izmir nach 65 Stunden lebendig aus den Trümmern gerettet. Wir sind hier, bis wir den Letzten erreicht haben“, schrieb die Katastrophenschutzbehörde Afad am Montagmorgen auf Twitter. Auf Fernsehbildern war die Rettung des Mädchens zu sehen. Helfer trugen das Kind in ein Krankenzelt.

Rettung nach 65 Stunden: Einsatzkräfte bergen dreijähriges Mädchen aus den Trümmern

Das Mädchen klammerte sich an den Finger eines Feuerwehrmanns, als sie am Montagmorgen auf einer Trage weggebracht wurde. Einsatzkräfte klatschten und jubelten, einige brachen in Tränen aus. Das Mädchen habe seine Hand bis zum Krankenzelt nicht mehr losgelassen, erzählte Feuerwehrmann Muammer Celik später dem türkischen Sender NTV. Er gehört zu einem Istanbuler Rettungsteam, dass zur Unterstützung nach Izmir gereist war.

Celik sagte, sie hätten sich seit Sonntagabend auf die Rettung des Mädchens konzentriert. Als sie das Kind auf dem Rücken liegend entdeckten, hätten sie erst gedacht, es sei tot. „Sie hatte Staub im Gesicht, sie hatte ein schneeweißes Gesicht. Als wir ihr Gesicht saubergemacht haben, hat Elif ihre Augen geöffnet, in dem Moment sind wir wirklich erstarrt“, sagte er. Das Mädchen habe sie angelächelt. Es sei ein Wunder. „Ich habe meine Hand ausgestreckt, Elif hat sich an meine Hand geklammert. So haben wir sie rausgeholt“, sagte Celik. „Ich bin ab sofort ihr großer Bruder.

Schweres Erdbeben in Izmir: Zahl der Todesopfer liegt über 80 - Mehr als 100 Menschen bereits gerettet

Die Großmutter der Dreijährigen sagte Journalisten: „Ich bin sehr froh. Möge Gott es ihnen (den Rettern) vergelten. Ich bin wieder mit Elif vereint, bald ist sie auch mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern vereint. Meine Gebete wurden erhört.“ Die Mutter des Mädchens und seine drei Geschwister waren bereits am Samstag nach 23 Stunden aus den Trümmern eines achtstöckigen Gebäudes geborgen worden (siehe Update vom 31. Oktober, 16.09 Uhr). Nach Angaben von Gesundheitsminister Fahrettin Koca starb ein Kind, ein siebenjähriger Junge, weitere Bewohner wurden behandelt.

Ebenfalls am frühen Montag wurde eine 14-Jährige aus den Trümmern geborgen und nach Erster Hilfe vor Ort in ein Krankenhaus gebracht, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Die Jugendliche hatte Berichten zufolge 58 Stunden unter den Trümmern gelegen. Nach offiziellen Angaben wurden bislang mehr als 100 Menschen nach dem Erdbeben vom Freitag gerettet. Die Einsatzkräfte suchten am Montag weiter nach Überlebenden. Insgesamt forderte das Erdbeben mehr als 80 Leben in der Türkei, Hunderte Menschen wurden verletzt.

Erdbeben in der Türkei und Griechenland: Eine Frau und ihre drei Kinder werden lebend geborgen

Update vom 31. Oktober, 16.09 Uhr: Rund 23 Stunden nach dem schweren Erdbeben in der Ägäis (siehe Erstmeldung) sind in der westtürkischen Stadt Izmir nach Medienberichten eine Frau und drei ihrer Kinder lebend aus den Trümmern geborgen wurden. Sie wurden unter Applaus auf Liegen zum Krankenwagen getragen, wie auf Aufnahmen des Senders TRT am Samstag zu sehen war. Die Helfer versuchten nach Angaben von TRT anschließend, zum vierten Kind zu gelangen, das noch unter den Trümmern vermutet wurde. Ob es noch lebt, war zunächst unklar.

Zuvor konnten die Rettungskräfte Kontakt mit der Frau aufnehmen. „Wenn du meine Stimme hörst, klopfe drei Mal“, rief ein Helfer. Daraufhin gab die Frau ein Lautzeichen. Ihr Ehemann zeichnete nach Angaben von TRT auf, an welcher Stelle der Wohnung er seine Ehefrau vermutete. Bei dem Beben am Freitagnachmittag sind nach neuesten Angaben 28 Menschen ums Leben gekommen.

Die Luftaufnahme eine Drohne zeigt, wie Rettungskräfte in Izmir versuchen, Bewohner aus den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes zu retten.

Erdbeben verwüstet Insel und Küste - Video zeigt Tsunami - Zahl der Todesopfer steigt

Update vom 31. Oktober, 8.49 Uhr: Die Zahl der Todesopfer ist nach dem schweren Erdbeben in der Ägäis noch einmal drastisch gestiegen: Insgesamt 25 Menschen sind bisher durch die Katastrophe am Freitag gestorben. Mehr als 800 Menschen wurden verletzt, meldet die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf die Katastrophenschutzbehörde Afad. In der Nacht von Freitag auf Samstag soll es Hunderte Nachbeben gegeben haben - nach Angaben des Katastrophenschutzes am Samstagmorgen sogar eines der Stärke 5,0 in der Region des westtürkischen Bezirks Seferihisar.

Besonders die Metropole Izmir haben die Erdbeben schwer getroffen. Noch immer suchen hier rund 1200 Rettungsteams und Helfer nach Überlebenden in den Trümmern. In der Nacht zu Samstag wurde eine Frau nach 17 Stunden aus einem völlig zerstörten Gebäude gerettet, darauf hin wurden neun weitere Gebäude im Umkreis durchsucht, meldet Anadolu. Das Zentrum des Erdbebens lag in der Ägäis, genau vor der türkischen Provinz und erfasste sie mit voller Wucht: Das erste Beben am Freitagnachmittag lag nach Angaben Afads bei einer Stärke von 6,6 - die US-Behörde USGS spricht sogar von Stärke 7.

Sowohl an der türkischen Westküste als auch auf der griechischen Insel Samos trat bei einem, durch die heftigen Beben ausgelösten, Tsunami das Wasser weit über die Ufer. Videoaufnahmen aus Samos zeigten weggespülte Autos, die anschließend quer auf der Straße zum Stehen kamen, sowie völlig überflutete Keller und Läden. Die Bewohner von Samos wurden dazu aufgerufen, sich aus den einsturzgefährdeten Häusern zu retten und die Nacht im Freien zu verbringen, waren sich die griechischen Geologen zunächst doch nicht sicher, ob es sich dabei bereits um das Hauptbeben gehandelt hatte. Zwei der insgesamt 25 Todesopfer hat nun auch Samos zu beklagen.

Update vom 30. Oktober, 18.31 Uhr: Die Zahl der Toten in der Westtürkei ist nach dem Erdbeben auf 12 gestiegen. Mindestens 419 Menschen seien verletzt worden, teilte die türkische Katastrophenschutzbehörde Afad mit. Damit stieg die Gesamtzahl der Toten auf 14. Griechische Behörden hatten zwei Tote auf der Insel Samos gemeldet. Nach Medienberichten werden dort acht Verletzte im Krankenhaus behandelt.

Türkei, Izmir: Rettungskräfte und Anwohner versuchen Menschen, die in den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes eingesperrt sind, zu erreichen, nachdem es ein starkes Erdbeben mit der Stärke 6,6 in der Ägäis vor Seferihisar in der türkischen Provinz Izmir gegeben hat. Auch in Griechenland waren die Erschütterungen zu spüren.

Erdbeben in der Türkei und Griechenland: Jugendliche sterben auf Heimweg von Schule

Update vom 30. Oktober, 17.37 Uhr: Auf der griechischen Insel Samos sind nach dem Erdbeben zwei 17 Jahre alte Jugendliche tot geborgen worden. Griechischen Medienberichten zufolge waren das Mädchen und der Junge in der Kleinstadt Vathy nach der Schule zu Fuß auf dem Weg nach Hause, als wegen des Bebens in einer engen Gasse Hauswände einstürzten. Zuvor hatten griechische Behörden von acht Verletzten berichtet, die nach dem Erdbeben ins Krankenhaus der Insel gebracht worden waren. Über weitere Verletzte oder Tote herrscht noch Unklarheit.

Türkei: Schweres Erdbeben trifft Izmir - Sechs Tote geborgen

Update vom 30. Oktober, 16.01 Uhr: EU-Ratspräsident Charles Michel reagierte nun auch auf die Vorkommnisse und bot der Türkei sowie Griechenland Unterstützung an.

Derweil ordnet das türkische Innenministerium die Zahlen, die in den Medien kursieren. Insgesamt sechs Gebäude seien demnach in der Stadt Izmir eingestürzt, insgesamt 20 in der gesamten Region. Die Zahl der Toten stieg zwischenzeitlich auf mindestens sechs Menschen, wie die türkische Katastrophenschutzbehörde meldet, verletzt wurden demnach 202 Personen.

Das Erdbeben hatte eine Stärke von 7,0 und fiel auch aufgrund seiner langen Dauer so heftig aus. 30 Sekunden lang soll es angehalten haben. Berichten zufolge war es sogar bis in die griechische Hauptstadt Athen zu spüren.

Update vom 30. Oktober, 15.28 Uhr:Katastrophen machen vor Ländergrenzen keinen Halt“, meldet sich Grünen-Politiker Cem Özdemir zur Naturkatastrophe in der Ägäis: „Meine Gedenken sind bei den Menschen in der Region. Um Schlimmeres zu verhindern, muss jetzt schnell für die Sicherheit der Menschen gesorgt werden, besonders auch in Moria.“ Das große Flüchtlingslager wurde jüngst von einem Großbrand getroffen, nun schweben die vielen Menschen dort wieder in Gefahr.

Türkei: Schweres Erdbeben trifft Izmir, Tsunami Samos - wohl mindestens vier Tote und 120 Verletzte

Update vom 30. Oktober, 15.08 Uhr: Fahrettin Koca, Gesundheitsminister der Türkei, sprach gegenüber der Zeitung Hürriyet nun von mindestens vier Toten und 120 Verletzen. Aktuell seien 70 Krankenwagen und zwei Rettungshubschrauber im Einsatz.

Update vom 30. Oktober, 14.57 Uhr: Details über Verletzte oder gar Tote in Izmir oder auf Samos bleiben nach wie vor aus. Der türkische Umweltminister, Murat Kurum, berichtete im Fernsehsender TRT, nun von vier Personen, die aus den Trümmern geborgen werden konnten.

Türkei-Erdbeben: Erdogan kündigt Hilfe an

„Mit allen Mitteln unseres Staates stehen wir unseren vom Erdbeben betroffenen Bürgern zur Seite“, versichert Präsident Erdogan nun sofortige Hilfe, „wir haben Maßnahmen ergriffen, um mit allen relevanten Institutionen und Ministerien die notwendige Arbeit in der Region aufzunehmen.“ Die Diskussionen um den Terroranschlag in Nizza wird der türkische Staatschef nun auf jeden Fall hinten anstellen.

Auf Erdbeben folgt Tsunami: Insel Samos von hohen Wellen getroffen - Bilder zeigen Überschwemmung

Update vom 30. Oktober, 14.37 Uhr: Wie befürchtet folgt auf das schwere Erdbeben vor Izmir ein Tsunami. Türkische Behörden hatten bereits eine Warnung ausgesprochen, das deutsche Geoforschungzentrum das Seebeben errechnet. Nun zeigen griechische Fernsehbilder überschwemmte Küstenpromenaden und weggeschwemmte Autos auf der beliebten Urlaubsinsel Samos. Und auch aus der Türkei werden Videos von schweren Überschwemmungen in und um die Millionenstadt Izmir öffentlich.

Schweres Erdbeben erschüttert Türkei: Folge-Tsunami droht Millionenstadt zu treffen - Video zeigt massiven Einsturz

Erstmeldung vom 30. Oktober, 14.30 Uhr: Istanbul - In der West-Türkei hat es ein starkes Erdbeben gegeben. Das Epizentrum des Bebens mit der Stärke 6,6 habe in der Ägäis vor Seferihisar in der türkischen Provinz Izmir gelegen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Freitag. Auch in Griechenland waren die Erschütterungen zu spüren. Besonders die Insel Samos ist betroffen, dort gab es Berichte über Gebäudeschäden. Die Kimsis Theotokou Kirche, ein Wahrzeichen der Insel, sei in Teilen eingestürzt.

Türkei: Heftiges Erdbeben im Westen des Landes - wohl mehrere Gebäude eingestürzt

Der türkische Nachrichtensender TRT zeigte Bilder von einem eingestürzten Gebäude in Izmir und berichtete von Panik auf den Straßen während des Bebens. Telefonverbindungen seien unterbrochen gewesen. Unbestätigte Quellen sprechen von mittlerweile insgesamt 20 beschädigten Häusern. Und das Beben hält wohl an - ungewöhnliche lange.

Auf Fernsehbildern waren größere Staubwolken zu sehen, die über der Stadt hingen. Der Gouverneur von Izmir sagte im Interview mit dem Fernsehsender, bisher könne man keine genauen Informationen über Opfer oder Schäden machen. Das Beben hat sich Anadolu zufolge um 14.51 Uhr Ortszeit zugetragen.

Türkei: Tsunami nach Erdbeben bei Izmir befürchtet - Warnung für die gesamte Region

Das türkische Portal Hürriyet berichtet von fünf Nachbeben im Zeitraum von 20 Minuten und mindestens sechs beschädigten Gebäuden in Izmir, Bornova und Bayrakli. Zwei davon sollen eine Stärke von 4,8 erreicht haben. Doch die Beben auf dem Land bleiben nun leider nicht mehr die einzige Sorge der Menschen an der Küste um Izmir.

Für die Region wurde eine Tsunamiwarnung ausgesprochen. Bilder würden deutlich zeigen, wie die Wasserstände vor der Millionenstadt sinken. Ein eindeutiges Warnsignal für einen drohenden Tsunami. Das Deutsche Geoforschungszentrum meldete bereits ein „Erdbeben mit Tsunami“ und errechnete Wellen von bis zu 1,5 Metern. Touristen waren während des Vorfalls kaum zu gegen. Viele Länder, auch Deutschland, schätzen die gesamte Türkei in der Corona-Pandemie als Risikogebiet ein. (ph/dpa) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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