Sexclub im Wiener Kunsttempel - ein Skandal?

+
Der Wiener Kunsttempel ist zu einem Sexclub geworden.

Wien - Partnertausch, SM-Gerätschaften und Fesselgestelle im Wiener Kunsttempel. "Raum für Sexkultur" ist das Motto einer provokanten Ausstellung des Installationskünstlers Christoph Büchel.

Wer in diesen Tagen dem berühmten Beethovenfries von Gustav Klimt einen Besuch abstatten will, findet sich plötzlich in höchst ungewöhnlichen Räumlichkeiten wieder - und zwar mitten in der erotisch-dekadenten Atmosphäre eines Swingerclubs. Die Wiener Secession hat gemeinsam mit dem Schweizer Künstler Christoph Büchel unter dem Motto “Raum für Sexkultur“ ein höchst pikantes und provokantes Kunstprojekt organisiert, das in der österreichischen Hauptstadt für gemischte Reaktionen sorgt. Kein Wunder: Partnertausch, kuschelige Separées, SM-Gerätschaften, Fesselgestelle und Gynäkologenstühle sind schließlich harter Tobak für Besucher, die eigentlich nur Klimts Meisterwerk bestaunen wollten. “Ich bin schockiert! Wo bin ich denn hier gelandet?“, erregt sich eine ältere Touristin aus Rom und schüttelt den Kopf. “Ich glaube, das hat eher etwas mit unserem Alter zu tun“, meint hingegen ihre gleichaltrige Reisebegleiterin. “Junge Leute sehen sowas sicher mit anderen Augen.“

Die Reaktionen auf Fessenspielchen, SM und Partnertausch sind gemischt.

Tatsächlich erfreute sich der Swingerclub “Element6“, der von den Besitzern eigens für die Schau für zwei Monate in die Secession umgezogen ist, bereits am Eröffnungstag vergangenes Wochenende regen Zulaufs. “Es waren über 100 Leute da, hauptsächlich Stammgäste“, sagt Michael H., der den Club seit zweieinhalb Jahren betreibt. “Und es gab schon richtig Action“, fügt seine Frau Gabi lächelnd hinzu. “Nach dem ganzes medialen Rummel erwarten wir in den nächsten Wochen aber ein gemischtes Publikum, darunter auch Leute, die schon immer neugierig auf einen Swingerclub waren, aber sich jetzt wegen dieser einmalige Location erstmals hineintrauen“, erklärt der Element6-Besitzer. “Wir wollen ja auch von dem Schmuddelimage solcher Sexclubs wegkommen, das viele in den Köpfen haben.“ Vielmehr gehe es um Flirt und Erotik, um Phantasien und Frivolität.

Gemischte Reaktionen auf die Installation

Sexclub im Wiener Kunsttempel.

Büchel, der selbst mehrere Wochen in Wien die Ausstellung vorbereitet hat, ist weltweit für seine Provokationen bekannt. Aber was will er dem staunenden Publikum mit seinem neuesten Streich eigentlich sagen? “Ich denke, er wollte eine Verbindung zwischen dem Aufruhr, den es um die Jahrhundertwende um die sinnlich-erotischen Bilder Klimts, Schieles und Kokoschkas gegeben hat, und der heutigen Zeit herstellen“, sagt Michael H. “Klimts Beethovenfries hat damals schließlich einen Riesenskandal verursacht“, sagt Secessions-Sprecherin Urte Schmitt-Ulms. Als Reaktion auf den immer freier werdenden Umgang mit Sexualität hatte sich 1905 sogar die “Gesellschaft zur Verbreitung der guten Sitten“ gegründet, die den nackten Tatsachen in der Jugendstil-Malerei ans Leder wollte.

“Büchel will mit dem Swingerclub wohl so eine Situation wie damals wiederherstellen, und das erreicht man heute eben nicht mehr mit einem Bild“, erklärt Gabi H. Für Ärger hat der Installationskünstler bereits gesorgt. Vor allem die rechte Partei FPÖ läuft seit Tagen Sturm gegen das Treiben in der Secession. “Gangbang-Partys und Domina-Kammern haben mit Kunst und Kultur rein gar nichts zu tun“, erzürnte sich der Wiener Kultursprecher Gerald Ebinger. Die FPÖ-Kultursprecherin Heidemarie Unterreiner sprach von einer “negativen Spirale von Nihilismus und Perversion“. Die meisten Kunstfreunde hingegen, die sich in diesen Tagen plötzlich zwischen den erotischen Wandgemälden des Wiener Künstlers Robert Krutisch in den Räumen des Swingerclubs wiederfinden, reagieren eher positiv.

Die Ausstellung "Secession" 6" ist vom 19. Februar bis zum 18. April in Wien zu sehen.

Hier geht's zur Website.

“Ich habe noch keinen negativen Kommentar gehört“, sagt eine Reporterin des österreichischen Rundfunks, die Besucher vor der Secession interviewt. Beim Eintreten sieht das Etablissement übrigens aus wie ein normaler Nachtclub mit Bar, DJ-Pult und schwarzen Ledersofas - wären da nicht die kleinen Schlafzimmer mit Leopardenfell-Kissen, die vielen Kleenex-Boxen, der Whirlpool, die Sauna und der Gynäkologenstuhl sowie das vielfältige Abendprogramm samt Stripshows, und Sex-Toy-Präsentationen. Neugierige und Swinger-Stammgäste können noch bis zum 18. April ihrer sexuellen Experimentierfreudigkeit im Wiener Kunsttempel nachgehen - dann zieht Element6 wieder aus.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare