Bürgerkrieg im ganzen Land

Gefechte in Syrien - Mehr als 80 Tote

Beirut - Im syrischen Bürgerkrieg bekämpfen sich jetzt auch noch Rebellengruppen untereinander. Die türkischen Streitkräfte bestätigten Berichte von Kämpfen zwischen rivalisierenden Rebellengruppen im Grenzgebiet.

Der Nahost-Experte Fawaz Gerges von der London School of Economics bezeichnete dies als „Worst-Case-Szenario“. Die Kämpfe schüren Befürchtungen, dass die Aufständischen nach einem möglichen Fall von Präsident Baschar al Assad das Land mit einer Fortsetzung der Gewalt ins Chaos stürzen.

Aktivisten zufolge gab es am Montag in Damaskus eines der schwersten Gefechte seit Juli. Landesweit wurden den Angaben zufolge mehr als 80 Menschen getötet. Die Kämpfe in der Hauptstadt konzentrierten sich auf den Stadtteil Tadamon und die Umgebung des palästinensischen Flüchtlingslagers Jarmuk, wie die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete. Demnach begannen die Kämpfe in Damaskus in der Nacht zum Montag aus.

Aktivist: Palästinenser unterstützen Assad

Assads Streitkräfte würden mittlerweile Beistand von den Kämpfern der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP-GC) erhalten, sagte der Aktivist Abu Kais al Schami der Nachrichtenagentur AP via Skype. „Tadamon wird von Granaten, Raketen und schweren Maschinengewehren getroffen“, beschrieb al Schami die Situation vor Ort. „Die Menschen fliehen aus dem Stadtteil in sicherere Gebiete innerhalb des Lagers Jarmuk.“ Die etwa eine halbe Million Palästinenser in Syrien hatten sich anfangs aus dem Bürgerkrieg herausgehalten. Mittlerweile unterstützen einige die Aufstände, während die PFLP-GC weiter zu Assad steht.

Bei einem Selbstmordanschlag in einem Dorf in der Provinz Hama wurden laut Aktivisten mehr als 50 Regierungssoldaten und mit ihnen verbündete Milizionäre getötet. Die Beobachtungsstelle machte die Islamisten-Gruppe Dschabhat al Nusra, die der Al-Kaida nahestehe, für den Anschlag verantwortlich. Eine unabhängige Bestätigung gab es nicht.

Oppositioneller Syrischer Nationalrat reagiert auf Kritik

Derweil erhöhte SNC die Zahl seiner Delegierten auf rund 420. Auf einer Konferenz in der katarischen Hauptstadt Doha stimmte eine Mehrheit von 222 Delegierten dafür, weitere Aktivisten und politische Gruppen aus Syrien in den Nationalrat aufzunehmen, sagte einer der Organisatoren der Konferenz, Anas Abdah. Kritiker hatten dem SNC vorgeworfen, sich zu sehr auf Syrer im Exil zu stützen.

Der libanesische Ministerpräsident Nadschib Mikati bekräftigte unterdessen die Neutralität seines Landes in dem Bürgerkrieg. „Es hat mit unserer eigenen Stabilität und Sicherheit zu tun, dass der Libanon sich in keiner Form in die inneren Angelegenheiten Syriens einmischt“, sagte Mikati bei einem Besuch in der bulgarischen Hauptstadt Sofia. Nachdem bei einem Anschlag Mitte Oktober der libanesische Geheimdienstchef Wissam al Hassan sowie sieben weitere Menschen getötet wurden, steht die Regierung in Beirut unter innenpolitischem Druck. Demonstranten warfen Mikati vor, der Regierung Assads zu nahe zu stehen.

dapd

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