Sabotage in Raffinerie: Ölpest bedroht Po

Mailand - Nach einem Sabotageakt in einer norditalienischen Raffinerie bedrohen Millionen Liter Öl den Po. In einer Kläranlage bemerkte man das Unglück und versucht seitdem den Fluss zu schützen.

Es droht eine Umweltkatastrophe. Hunderttausende Liter Öl und Benzin sind in den Fluss Lambro ausgetreten und haben inzwischen den Po erreicht. In der schmierigen Masse trieben am Mittwoch bereits ölverklebte Enten. Umweltschützer befürchten eine Katastrophe für Flora und Fauna in dem artenreichen Gebiet. Die Behörden gehen davon aus, dass die Tanks der früheren Raffinerie in der Nähe der Stadt Monza absichtlich geöffnet wurden. Der Zivilschutz bemühte sich nach Angaben der italienischen Umweltschutzorganisation Legambiente seit Dienstag vergeblich, die Ölpest einzudämmen.

Der Nachrichtenagentur ANSA und Umweltschützern zufolge traten schätzungsweise 600.000 Liter Öl und Benzin in den Lambro aus und flossen an Piacenza und Cremona vorbei in Richtung Po. Zunächst war von rund zehn Millionen Litern die Rede gewesen. Das Ausmaß der Katastrophe sei schon jetzt dramatisch, sagte der örtliche Legambiente-Vorsitzende Damiano di Simine. Die Organisation habe gemeinsam mit der Regionalregierung darum gebeten den Notstand auszurufen. “Wir wissen noch keine Einzelheiten, aber das Ökosystem hat erheblich Schaden genommen“, sagte Di Simine in einem Telefoninterview der Nachrichtenagentur AP.

Po-Zufluss erst kürzlich von Verschmutzung erholt

Laut WWF sind vor allem Fische sowie Stockenten und Reiher gefährdet, die zurzeit am Ufer des Pos zu brüten anfangen. Selbst nach erfolgreichen Rettungsbemühungen und Aufräumarbeiten würden die Folgen anhalten, weil der Po für die Bewässerung der landwirtschaftlich genutzten Region von Bedeutung sei, betonte der WWF. Der 130 Kilometer lange Po-Zufluss Lambro war seit Jahren verschmutzt und hatte sich Di Simine zufolge erst in letzter Zeit wieder erholt.

Der Regionalpräsident der Lombardei, Roberto Formigoni, sprach von einer Umweltkatastrophe und kündigte harte Strafen für die Verantwortlichen an. Kriminelle hätten “ein Gut, das uns allen gehört, gefährdet“, wurde er von der Nachrichtenagentur Apcom zitiert. Solche “Gehässigkeit“ werde bestraft. Wer hinter dem mutmaßlichen Sabotageakt stand, war zunächst völlig unklar. Medienberichten zufolge hatte der Eigentümer der zu einer Öldeponie umgewandelten Raffinerie in den vergangenen Monaten mehrere Arbeiter entlassen.

DAPD

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