Russische Polizei nimmt 140 Oppositionelle fest

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Ein Demonstrant auf dem Triumphplatz in Moskau wird festgenommen.

Moskau - Russische Sicherheitskräfte haben in Moskau eine Oppositionskundgebung gewaltsam aufgelöst und auch den früheren Vizeregierungschef Boris Nemzow vorläufig festgenommen.

Die Bürgerrechtler und Oppositionellen forderten bei ihrer Aktion das Recht auf Versammlungsfreiheit ein. Dies ist in der Verfassung garantiert. Auf dem Triumphplatz in Moskau hatten sich nach Angaben des Internetportals kasparov.ru etwa 500 Menschen versammelt, um die Grundfreiheiten einer Demokratie einzufordern. Die Polizei hatte erneut ganze Hundertschaften eingesetzt.

Auch in St. Petersburg gingen die Bürger auf die Straße. In Moskau gab es rund 80 Festnahmen, in St. Petersburg etwa 60. Die Polizei entließ die meisten Demonstranten vor Mitternacht wieder aus dem Gewahrsam. Ihnen drohen Anklagen wegen Teilnahme an einer verbotenen Demonstration.

Die Protestierer skandierten “Weg mit dem Polizeistaat!“, “Schande, Polizei!“ und “Freiheit!“. Viele forderten den Rücktritt von Regierungschef Wladimir Putin. Kremlchef Dmitri Medwedew hat immer wieder eine Demokratisierung des Landes angekündigt. Allerdings vermissen seine Kritiker Taten.

Die Aktionen werden in Russland traditionell am 31. eines Monats organisiert - als Symbol für Artikel 31 der russischen Verfassung, der das Recht auf Versammlungsfreiheit festschreibt. Das russische Innenministerium hatte bereits zuvor angedroht, die Demonstration zu verhindern.

Die 83 Jahre alte Leiterin der Moskauer Helsinki Gruppe, Ljudmila Alexejewa, verurteilte an Ort und Stelle in die Polizeigewalt. Die demokratischen Kräfte dürften sich dem Behördendruck nicht beugen und müssten ihren Prinzipien treu bleiben, sagte sie.

Bei der Kundgebung in Moskau wurden zudem mehrere Mitglieder einer Bürgerinitiative festgenommen, die sich für den Schutz des Waldes in Chimki vor den Toren der Hauptstadt einsetzen. Sie kritisierten, dass Moskaus “grüne Lunge“ einer Autobahn nach St. Petersburg geopfert werde. Der Kampf um den Wald ist seit Wochen Anlass für beispiellosen Bürger-Aufruhr in Russland. Die Waldschützer fordern eine Umgehung des Waldes für das milliardenschwere Bauprojekt.

dpa

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