1. az-online.de
  2. Welt

Riesen-Panda im Europa entdeckt: Jahrzehntelang lagerten seine Überreste in einem Museum

Erstellt:

Von: Franziska Vystrcil

Kommentare

Zeichnung, wie der in Bulgarien entdeckte Riesen-Panda ausgesehen habe könnte
So könnte der europäische Riesen-Panda ausgesehen haben. © Screenshot BW24/Facebook/Velizar Simeonovski

Bereits in den 1970er Jahren fanden Forscher Überreste eines Tieres. Eingelagert in einem Museum, gerieten sie in Vergessenheit. Nun ordneten Wissenschaftler die Zähne einem Tier zu: einem Riesen-Panda.

Sofia - Der Große Panda ist die letzte lebende Art der Pandas. Früher gab es weitaus mehr: Die Gattung umfasste mehr als zwanzig Arten und war über die Grenzen Chinas hinaus bis nach Europa verbreitet. Ohne es zu ahnen, haben Wissenschaftler bereits in den 1970er Jahren die Überreste eines solchen in Europa lebenden Pandas entdeckt. Doch die Funde verschwanden in den Tiefen des Archivs des Bulgarischen Nationalmuseums für Naturgeschichte - und wurden jetzt, rund 50 Jahre später, wieder zutage befördert.

Zwei Zähne genügten den Forschern, um die Überreste einem Tier zuordnen zu können, das den Wissenschaftlern zufolge vor sechs Millionen Jahren im heutigen Bulgarien gelebt haben soll. Der Riesen-Panda wurde nun nach seinem Finder, dem Paläontologen Ivan Nikolov, benannt: Agriarctos nikolovi heißt die neu entdeckte Art.

Forscher entdeckt Zahnfunde wieder und ordnet sie neuer Panda-Art zu

Ivan Nikolov war es auch, der die gefundenen Zähne katalogisierte, nachdem sie im Nordwesten Bulgariens, genauer gesagt in der Gegend um Elin Pelin, gefunden worden waren. Dabei handelte es sich um einen oberen Fleischzahn und einen oberen Eckzahn, wie der MDR berichtet. „Sie hatten nur ein Etikett, das vage mit der Hand geschrieben war“, erzählt Nikolai Spassov, Professor vom Bulgarischen Nationalmuseum für Naturgeschichte. In der Sammlung des Museums an versteinerten Schätzen entdeckte er die Zähne wieder. Immer wieder machen Forscher solche unglaublichen Funde. Ein neu entdeckter Dino gibt Hinweise darauf, warum der T-Rex so kurze Arme hatte.

„Ich habe viele Jahre gebraucht, um herauszufinden, wo die Art gefunden wurde und wie alt sie ist. Es dauerte dann auch lange, bis ich erkannte, dass es sich um einen unbekannten fossilen Riesen-Panda handelte“, erklärt Nikolai Spassov weiter. Goldgräber haben im Nordwesten Kanadas ein gut erhaltenes, mumifiziertes Wollhaarmammutbaby gefunden

Um die entdeckte Panda-Art bestimmen zu können, arbeiteten die Forscher mit Qigao Jiangzuo von der Universität Peking, China, zusammen. Das Team verglich die Zähne aus Bulgarien mit neun weiteren Exponaten und Abgüssen, die aus Europa und Asien stammen. Anhand bestimmter Merkmale ordneten die Forscher die Zähne einer neuen Panda-Art zu.

Riesen-Panda aus Bulgarien: „Die ältesten Individuen dieser Gruppe von Bären wurden in Europa gefunden“

Wie die Forscher in ihrem Bericht schreiben, lebte der Riesen-Panda vor rund sechs Millionen Jahren in bewaldeten und sumpfigen Gebieten. Ähnlich wie sein heutiger Nachfahre, der Große Panda, ernährte er sich von Bambus. Allerdings nicht ausschließlich, denn seine spitzen Zähne waren wohl nicht stark genug, um die holzigen Bambusstäbe zu zerkleinern. Eine Forscherin aus Stuttgart entdeckt Überreste einer bisher unbekannten Art.

Die Forscher glauben, dass er sich vorwiegend von weichen Pflanzen ernährte. Zum Grund für seine vegetarische Ernährung haben die Wissenschaftler eine Vermutung.  „Der wahrscheinliche Wettbewerb mit anderen Arten, insbesondere mit Fleischfressern und vermutlich anderen Bären, erklärt die stärkere Spezialisierung der Großen Pandas auf pflanzliche Nahrung in feuchten Wäldern“, erklärt Professor Spassov. Die Vermutung liegt nahe, dass diese Bären in Asien entstanden und sich später bis nach Europa ausbreiteten. Es könnte jedoch auch genau andersherum gewesen sein, wie Spassov sagt. „Die ältesten Individuen dieser Gruppe von Bären wurden in Europa gefunden.“

Weiter schreibt das Forschungsteam, dass der Klimawandel im späten Miozän in Südeuropa zum Aussterben der Riesen-Pandas geführt haben könnte. Wie ihre heutigen Verwandten waren die riesigen Bären an feuchte, bewaldete Lebensräume gebunden. Durch die damaligen Klimaveränderungen trocknete die Heimat der Bären aus - und führte letzten Endes zum Aussterben der europäischen Pandas.

Auch interessant

Kommentare