Rettungsaktion für Seglerin (16) in der Kritik

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Abby Sunderland (16)

Adelaide - Die Rettung der 16-jährigen Weltumseglerin Abby Sunderland hat Kosten von mehr als 100.000 Dollar verursacht. Die riskante und kostspielige Tour der Teenagerin steht nun in der Kritik.

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Als Abby Sunderland im Indischen Ozean in Seenot geriet, schickte der australische Rettungsdienst noch am gleichen Tag ein Flugzeug los. Es sollte die Stelle absuchen, an der Notsignale vom Segelboot der US-Amerikanerin abgegeben worden waren. Der elfstündige Flug kostete geschätzte 110.000 australische Dollar (knapp 77.000 Euro). Tags darauf, nach der Ortung der Jacht, wurde ein zweites Flugzeug losgeschickt. Es sollte die drei von der zu Frankreich gehörenden Insel Réunion entsandten Rettungsboote leiten. In Internetforen hinterfragen Leser die hohen Kosten für die Rettung eines Teenagers, der sich im Winter allein in einen gefährlichen Ozean begeben hat. So setzte das australische Militär ein Flugzeug ein, das pro Stunde etwa 30.000 australische Dollar (knapp 21.000 Euro) kostet. Das Fischerboot, das Sunderland zuerst erreichte, verlor durch die Rettungsaktion mindestens drei Tage Arbeit.

Australien und Frankreich verteidigen Aufwand

Sunderland hatte vor ihrem Segeltörn keine Versicherung abgeschlossen und ihre Mutter sagte, die Familie hätte für die Kosten der Rettungsaktion nicht aufkommen können. Australien und Frankreich wollen aber gar nicht, dass andere zahlen. “So funktioniert das Gesetz nicht“, sagte der australische Verkehrsminister Anthony Albanese. “Der australische Steuerzahler leistet am Ende des Tages einen Beitrag. Aber wir müssen dies im Kontext sehen. Wenn ein australischer Bürger auf hoher See vermisst würde, dann wollen auch wir, dass alles dafür getan wird, um diese Person zu retten.“ Sunderlands Rettung sei eine internationale Verpflichtung gewesen, sagte Bernard Valero vom französischen Außenministerium. Ein 1914, zwei Jahre nach dem Untergang der “Titanic“, geschlossenes internationales Seeabkommen gibt unter anderem vor, dass bei einem Notruf eines Schiffes, jedes andere sich in dem Gebiet befindliche Schiff dem Schiff in Not zu Hilfe eilen muss. 

“Wenn jemand in Gefahr ist, musst Du antworten“

Australien war nicht zum ersten Mal an einer kostspieligen Rettungsaktion auf hoher See beteiligt. 1997 gab der Staat sechs Millionen Dollar (knapp fünf Millionen Euro) aus, um zwei Teilnehmer eines Segelwettrennens zu retten. Einige Jahre zuvor wurde eine Französin gerettet - zwei Mal in zwei Jahren. Die Kosten von 5,8 Millionen Dollar (knapp 4,7 Millionen Euro) verärgerten australische Steuerzahler, die glaubten, ihre Steuern würden für leichtfertige, egoistische Zielsetzungen einzelner Person ausgegeben. “Wenn jemand in Gefahr ist, musst Du antworten“, sagte der australische Einwanderungsminister Chris Evans. “Aber ich persönlich bin der Ansicht, dass wir vorsichtiger damit sein müssen, was wir Leuten unter diesen Umständen zu tun erlauben.“ Die Unterlassung von Rettungsmaßnahmen sei mit moralischen Problemen verbunden, sagt Neil James vom Forschungsinstitut Australian Defence Association. “Du kannst nicht einfach sagen, 'Du bist ein blöder Idiot' und jemanden ertrinken lassen. Es wäre ziemlich schwierig, das zu rechtfertigen.“

dapd

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