"Prophet" Warren Jeffs vor Gericht

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Warren Jeffs, Anführer einer Polygamisten-Sekte, steht im US- Staat Texas vor Gericht

San Francisco - Warren Jeffs, Anführer einer Polygamisten-Sekte, steht im US-Staat Texas vor Gericht. Dem 55-Jährigen wird der sexuelle Missbrauch Minderjähriger vorgeworfen.

Der Prozess gegen den selbst erklärten Propheten Warren Jeffs im texanischen San Angelo hat mit einem Paukenschlag begonnen. Der 55-jährige Anführer der polygamen Sekte “Fundamentalist Church of Jesus Christ of Latter-Day Saints“, einer abtrünnigen Mormonen-Sekte, feuerte als erstes seine Anwälte. Dann drohte er dem Gericht mit “Krankheit und Tod“, falls das Verfahren gegen ihn nicht sofort eingestellt werde. In einer fast einstündigen “Predigt“ wetterte Jeffs am Freitag gegen “religiöse Verfolgung“ und verteidigte die Vielehe als Gottes Gebot, das man befolgen müsse, berichtete die Zeitung “San Angelo Standard Times“. Der Prozess gegen ihn vor einer Jury mit zehn Frauen und zwei Männern kann sich über mehrere Wochen hinziehen. Wann ein Urteil fällt, ist unklar.

Für Jeffs, der sich nun selbst vor Gericht verteidigt, steht viel auf dem Spiel. Dem Sektenführer, der wegen sexuellen Missbrauchs minderjähriger Mädchen angeklagt ist, droht bei einem Schuldspruch lebenslange Haft. Dem Sender CBS zufolge will die Staatsanwaltschaft Beweise liefern, dass Jeffs eine 12-Jährige vergewaltigte.

Die Vorwürfe rühren von einer schlagzeilenträchtigen Polizeirazzia im Jahr 2008 auf dem Gelände einer Kolonie von Jeffs Sekte nahe San Angelo. Ein anonymer Anruf einer angeblich 16-Jährigen, die über Verhältnisse älterer Männer mit jüngeren Mädchen und über Schwangerschaften von Minderjährigen berichtete, war der Auslöser für das Eingreifen der Polizei. Mehr als 400 Kinder wurden von den Behörden vorübergehend in Obhut genommen.

Elf erwachsene Sektenmitglieder wurden festgenommen, sieben von ihnen sind bereits schuldig gesprochen worden. Jeffs, der Anführer der fundamentalistischen Kirche, saß damals im Bundesstaat Arizona in Untersuchungshaft. Bei seiner Festnahme im Jahr 2006 stand sein Name bei der amerikanischen Bundespolizei FBI auf der Liste der meistgesuchten Verbrecher.

Ein Gericht in Utah befand Jeffs im Jahr 2007 schuldig, ein 14-jähriges Mädchen verheiratet und zum Vollzug der Ehe mit ihrem 19 Jahre alten Cousin gezwungen zu haben. Die damals 21 Jahre alte Frau sagte gegen den Sekten-Chef aus. Jeffs habe sie zum Beischlaf gedrängt und angedroht, dass sie im Falle einer Verweigerung keine “ewige Erlösung“ erhalte. Wegen Verfahrensfehlern wurde das Urteil drei Jahre später wieder aufgehoben. Da stand aber schon die Auslieferung nach Texas an.

Elissa Wall, ein abtrünniges Mitglied seiner Sekte, beschrieb den Angeklagten jetzt als einen “irrationalen“ und “halb verrückten“ Anführer. “Er glaubt wirklich daran, Gott zu sein“, sagte Wall am Samstag in der Sendung “The Early Show“ beim Sender CBS. “Wir hatten alle große Angst vor ihm, er verlangte totale Gehorsamkeit und absoluten Respekt“, erzählte Wall über ihre Erfahrungen in der von der Außenwelt weitgehend abgeschnittenen und fundamentalistischen Gruppe.

Jeffs hatte 2002 nach dem Tod seines Vaters die Nachfolge als Prophet der Sekte angetreten. Sein Vater, der Prophet Rulon Jeffs, soll zeitweise mit 35 bis 75 Ehefrauen gelebt haben.

Nach Angaben von Experten gibt es rund 10 000 Anhänger der Sekte, die zumeist an der Grenze zwischen Utah und Arizona leben. Die Gruppe hatte sich von der offiziellen Mormonen-Kirche getrennt, nachdem diese 1890 die Polygamie aufgegeben hatte. Die Vielweiberei wurde mit der Staatsgründung in Utah verboten, sie wird aber von strenggläubigen Splittergruppen noch praktiziert.

dpa

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