Ultra-All-Inclusive am Traumstrand

Film enthüllt das Treiben einer Sextouristin

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Der Film „Paradies: Liebe“ schildert die Erlebnisse einer Sextouristin.

Berlin - Nicht nur Männer fahren in ferne Länder, um sich dort gegen Bezahlung sexuelle Dienste zu erkaufen. Der Film "Paradies: Liebe" schildert jetzt schonungslos offen die Erlebnisse einer Sextouristin an einem kenianischen Traumstrand.

Die Filme des Österreichers Ulrich Seidl muss man aushalten können. Seine Dramen sind so nah an einer schonungslosen, weder das Hässliche noch das Gemeine des Menschen verleugnenden Wirklichkeit, dass man als Zuschauer immer wieder vor Fremdscham die Augen abwenden möchte.

Seidl („Hundstage“, „Import/Export“) mag Abgründe ausleuchten und seine Protagonisten aufs Intimste entblößten, sein geradezu erschreckend nüchterner Blick jedoch verliert nie seinen dokumentarischen Anspruch. Dieses Prinzip bewahrt er auch in „Paradies: Liebe“, dem Auftakt zu einer Spielfilmtrilogie über drei Frauen und ihre Sehnsüchte.

Beach-Boys und ihre Sugar-Mamas

Die Wünsche von Teresa (Margarethe Tiesel) sind zutiefst menschlich. Die füllige Mittfünfzigerin lebt allein mit ihrer übergewichtigen Teenagertochter und überspielt so gut es geht ihre innere Leere und Einsamkeit. Bei einem Urlaub in Kenia aber will sie all das erleben, was ihr im Alltag zuhause in Österreich nicht mehr erreichbar scheint: das Gefühl, von einem Mann begehrt, vielleicht sogar geliebt zu werden.

Das Resort, in dem sie zusammen mit anderen alleinreisenden Frauen die Annehmlichkeiten des All-Inclusive-Urlaubs genießt, ist mit einem Seil streng vom öffentlichen Teil des Strandes abgetrennt. Dort stehen die einheimischen Beach-Boys und offerieren den europäischen „Sugar-Mamas“ neben Souvenirs auch sexuelle Dienstleistungen. „Ich möchte, dass einer in meine Seele sieht und nicht auf meinen dicken Hintern“, formuliert Teresa gegenüber einer anderen Urlauberin ihre Hoffnungen und offenbart dabei ihre berührende Naivität.

Wandel zur knallhart kalkulierenden Sextouristin

Denn natürlich sind die Liebesbezeugungen und professionellen Komplimente der jungen Männer nicht für bare Münze zu nehmen. Munga (Peter Kazungu), von dem Teresa nach einem ersten, missglückten Anlauf zumindest einen Abglanz der ersehnten Aufmerksamkeit und körperlichen Leidenschaft bekommt, begehrt in Wahrheit natürlich nicht die lebenshungrige Touristin, sondern lediglich deren Geld.

Enttäuschung und Verletzung sind folglich vorprogrammiert. Doch Seidl macht es sich nicht zu leicht. Die Grenzen zwischen Opfer und Täter, zwischen Ausbeuter und Ausgebeuteten, erweisen sich im Fortgang dieser traurigen Geschichte als zunehmend fließend. Wie Teresa schließlich auch den letzten Funken Hoffnung verliert, jemals ihre brennende Sehnsucht nach Liebe und Nähe erfüllt zu bekommen, und sich stattdessen zu einer berechnenden Sextouristin wandelt, lässt den Atem stocken.

Seidls beim Filmfestival in Cannes uraufgeführter zweiter Teil der Trilogie, „Paradies: Glaube“, kommt im Januar in die Kinos. Der abschließende Teil Drei, „Paradies: Hoffnung“, feiert im Februar bei der Berlinale Premiere.

dapd

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