Osterwoche: Papst schließt Jugend in Gebete ein

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Papst Benedikt XVI. eröffnete auf dem Petersplatz die Osterwoche.

Rom - Überschattet von einer Serie von Missbrauchsskandalen in der katholischen Kirche hat Papst Benedikt XVI. die Osterwoche eröffnet. Indirekt ging er auch auf die Vorfälle in Deutschland ein.

In seiner Predigt zum Palmsonntag ging er auf die aktuellen Fälle auch in seiner deutschen Heimat nicht direkt ein, schloss aber die “Jugend und jene, die mit ihrer Erziehung und ihren Schutz beauftragt sind“ in sein Gebet mit ein. Der Palmsonntag ist traditionell der Jugend gewidmet.

Benedikt rief die jungen Menschen auf, dem von Jesus Christus vorgegebenen Weg zu folgen. Christus führe die Gläubigen “zu dem Mut, der uns nicht von vorherrschenden Meinungen einschüchtern lässt zur Geduld, die andere unterstützt“. Der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper forderte unterdessen nach den Missbrauchsskandalen und dem jahrelangen Schweigen der Bischöfe dazu ein “Großreinemachen“ in der katholischen Kirche.

Der Weg der Erneuerung sei unumkehrbar, sagte Kasper in einem Interview der italienischen Zeitung “Corriere della Sera“. Ebenso wie Vatikansprecher Federico Lombardi nahm er Papst Benedikt XVI. vor der Kritik in Schutz, zu lange zu den Skandalen geschwiegen zu haben. Kasper räumte im “Corriere della Sera“ ein, dass die Kirche “zumindest in einigen Fällen“ früher zu Missbrauchsfällen geschwiegen habe. Der Papst habe aber als erster die Notwendigkeit einer härteren Haltung gegenüber Tätern erkannt.

Benedikt sei der erste gewesen, “der schon als Kardinal nach neuen und schärferen Regeln gerufen hat“. Angriffe gegen ihn gingen über “jede Grenze von Gerechtigkeit und Anstand“ hinaus, sagte Kasper, der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen ist. Auch Lombardi betonte im Radio Vatikan, die Autorität des Papstes sei durch die Missbrauchsskandale nicht erschüttert worden. Die Disziplinarbehörden des Vatikans hätten “Unterstützung und Führung der Bischöfe bei der Bekämpfung und dem Vernichten der Schande des Missbrauchs, wo immer sie geschieht, bestätigt“. Die Art und Weise, in der sich die Kirche dem Problem stelle, sei entscheidend für ihre moralische Glaubwürdigkeit.

“Irreversibel, und das ist auch gut so“

Kasper sagte, die Kirche brauche nun eine “Kultur der Aufmerksamkeit und des Mutes und ein Großreinemachen“. Der Weg, den sie inzwischen eingeschlagen habe, “ist irreversibel, und das ist auch gut so“. Benedikt, als Kardinal Josef Ratzinger zuvor Erzbischof von München und viele Jahre Kardinalpräfekt der Kongregation für Glaubenslehre, hat eine strengere Haltung zum Missbrauch als sein Vorgänger Johannes Paul II. eingenommen.

Dennoch wurde wurde sein Verhalten insbesondere im Falle eines Geistlichen kritisiert, der wegen Missbrauchs versetzt wurde und in seiner Münchener Diözese keine seelsorgerische Tätigkeit mehr ausüben sollte. Kurz nach Beginn einer psychiatrischen Behandlung wurde er aber wieder in den seelsorgerischen Dienst gelassen. Die “New York Times“ berichtete am Dienstag, Ratzinger sei in einer Aktennotiz über die Entscheidung informiert worden. Kasper sagte, in großen Diözesen würden nach seinem Eindruck die Bischöfe oft nicht informiert. Das müsse sich ändern.

In einem anderen Missbrauchsskandal schloss die von Ratzinger geleitete Glaubenskongregation den Fall ohne Verfahren ab. Einem Priester in Milwaukee wurde vorgeworfen, von 1950 bis 1975 rund 200 gehörlose Jungen missbraucht zu haben. Vatikan-Akten zufolge entschied das Ratzingers Stellvertreter, Kardinal Tarcisio Bertone, nachdem der Priester in einem Schreiben an Ratzinger Reue gezeigt und darauf hingewiesen habe, dass er alt und krank sei. Der Vatikan erfuhr nach eigenen Angaben erst 1996 von dem Fall, als die Verbrechen bereits verjährt gewesen seien. Der Priester sei zwei Jahre später gestorben.

dapd

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