Nachbeben auf Haiti: UNICEF plant Impfkampagne

Hamburg/Port-au-Prince  - Zwei Wochen nach dem Jahrhundert- Beben der Stärke 7,0 ist der Karibikstaat Haiti erneut von einem Erdstoß erschüttert worden. Über neue Schäden oder Opfer wurde zunächst nichts bekannt.

Wie die US-Geologiebehörde USGS berichtete, erreichten die Erschütterungen am Dienstagabend (Ortszeit) die Stärke 4,9. Das Zentrum habe in etwa zehn Kilometer Tiefe rund 65 Kilometer westlich der Hauptstadt Port-au-Prince gelegen. Über neue Schäden oder Verletzte war zunächst nichts bekannt.

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Für das Internationale Rote Kreuz ist der Hilfseinsatz in Haiti der größte, den es je für ein einzelnes Land gegeben hat. Bei den Erdstößen am 12. Januar kamen nach Schätzungen der haitianischen Regierung etwa 150 000 Menschen ums Leben. Wie durch ein Wunder wurde ein Mann nach zwölf Tagen aus den Trümmern eines Hauses gerettet. Nach Mitteilung des US-Militärs wurde der 31-Jährige am Dienstag (Ortszeit) eher zufällig bei Aufräumarbeiten entdeckt. Der Mann war nicht bei dem ersten schweren Erdstoß verschüttet worden.

Zuerst hatte es so ausgesehen, als ob Ricot Duprévil bereits zwei Wochen lang in dem Schutt gelegen hatte. Zusammen mit der Regierung von Haiti plant UNICEF eine Impfkampagne. 600 000 Kinder im Alter von bis zu fünf Jahren sollen gegen Masern, Tetanus und Diphtherie immunisiert werden, teilte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen in Paris mit. Erste Erfolge meldete UNICEF im Kampf gegen illegalen Kinderhandel. In Abstimmung mit dem Kinderhilfswerk habe die haitianische Regierung die Präsenz an den Grenzen verstärkt, hieß es.

Insgesamt 20 Katastrophenhilfe-Einheiten vom Hospital bis zur Wasseraufbereitungsanlage des Roten Kreuzes sowie 215 internationale Helfer sind im Erdbebengebiet im Einsatz. Nach der Tsunami- Katastrophe 2004 waren es 17 Einheiten. Die Eröffnung des mobilen Rotkreuz-Hospitals sollte noch am Mittwoch erfolgen, sagte DRK- Sprecherin Svenja Koch. Ein Viertel der 100 Ärzte und Pfleger für dieses Hospital, in dessen zwei aufblasbaren OPs acht Chirurgenteams in Schichten arbeiten sollen, kommt aus Deutschland. Das Technische Hilfswerk (THW) will die Trinkwasserversorgung auf das Umland von Port-au-Prince ausweiten und in der Stadt Léogâne zwei weitere Trinkwasseraufbereitungsanlagen in Betrieb nehmen. “Angesichts des Ausmaßes der Katastrophe rechnen wir mit einem längeren Einsatz“ sagte THW-Einsatzleiter Klaus Buchmüller in Bonn.

In dem 35 Kilometer westlich von Port-au-Prince gelegenen Léogâne, dem Epizentrum des Bebens, wird das siebenköpfige THW-Team in den kommenden Tagen auch ein Camp für die internationalen Hilfsorganisationen errichten. Derzeit produzieren die zwei Aufbereitungsanlagen des THW in Port-au-Prince mehr als 170 000 Liter Trinkwasser täglich. Unter den Erdbebenopfern ist auch ein Mitarbeiter der Vereinten Nationen (UN) aus Hungen im Kreis Gießen (Hessen). Der 33-Jährige starb in den Trümmern des UN-Gebäudes, bestätigte die Stadt Hungen am Mittwoch Berichte Gießener Zeitungen. Der Mann war seit 2007 als politischer Berater für die Friedensmission in Haiti im Einsatz.

Haitianische Polizisten versuchten am Dienstag mit Warnschüssen, die Plünderung von Lebensmittellastwagen zu verhindern. Ein Konvoi von drei mit Reis beladenen Kleinlastern fuhr in der Hauptstadt an einem der Obdachlosen-Camps vorbei, als plötzlich Hunderte junger Männer und Frauen auf die von Polizisten bewachten Lastwagen zustürmten. Von den Schüssen ließen sie sich nicht beeindrucken. Verletzt wurde niemand.

dpa

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