Katastrophe in Lampedusa

Mindestens 133 Tote bei Flüchtlingsdrama

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Die bedeckten Körper der ertrunkenen Flüchtlinge.

Rom - Bei einem erneuten Flüchtlingsdrama vor der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa sind am Donnerstag mindestens 133 Menschen ums Leben gekommen.

Mindestens 133 Flüchtlinge sind bei einer folgenschweren Schiffskatastrophe im Mittelmeer nahe der italienischen Insel Lampedusa ertrunken. Die Zahl der Opfer könnte weiter steigen, da Hunderte Menschen noch vermisst wurden, wie italienische Medien berichteten. Unter den Opfern des Schiffbruchs vom Donnerstag seien auch einige Kinder, sagte Bürgermeisterin Giusi Nicolini.

Das Boot mit etwa 500 Menschen aus Nordafrika an Bord hatte im Mittelmeer vor der Nachbarinsel Isola dei Conigli Feuer gefangen und war dann gekentert. Rund 150 Menschen konnten von der Küstenwache in Sicherheit gebracht werden; andere versuchten, sich selbst über Wasser zu halten.

Feuer auf dem Boot gelegt

Berichten zufolge sollen Migranten auf dem Schiff eine Decke angezündet haben, um dadurch ein Fischerboot in der Nähe auf sich aufmerksam zu machen. Das Feuer breitete sich daraufhin auf das Boot aus. Das tunesische Innenministerium teilte der dpa mit, das Boot sei in Libyen aufgebrochen und auf seinem Weg nach Lampedusa an der tunesischen Hafenstadt Sfax vorbeigefahren.

Die Überlebenden der Schiffstragödie sollen überwiegend aus Somalia und Eritrea stammen. Die Migranten waren nach Angaben von Geretteten vor zwei Tagen in der libyschen Hafenstadt Misurata gestartet.

Bewegende Fernsehbilder zeigten, wie Rettungsteams in dem kleinen Hafen von Lampedusa eingehüllte Leichen nebeneinander aufbahrten. „Unglücklicherweise brauchen wir keine Krankenwagen mehr, sondern Särge“, berichtete der örtliche Arzt Pietro Bartolo. „Es ist ein Horror“, sagte Nicolini nach dem zweiten Flüchtlingsdrama innerhalb weniger Tage. „Sie hören nicht auf, weitere Leichen zu bringen.“

Innenminister Angelino Alfano wollte nach einem Treffen mit Regierungschef Enrico Letta nach Lampedusa reisen. Letta bezeichnete den Tod der Migranten als „ungeheure Katastrophe“. Die Minister von Alfanos PdL-Partei sagten eine geplante Pressekonferenz ab.

Papst betet für die Opfer

„Beten wir für die Opfer des tragischen Schiffbruchs vor Lampedusa“, schrieb Papst Franziskus auf Twitter. Die erneute Flüchtlingstragödie sei eine Schande. Der Papst hatte Lampedusa vor zwei Monaten besucht und auf das Los der Flüchtlinge als Folge einer „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ aufmerksam gemacht.

Die Staatsanwaltschaft eröffnete ein Ermittlungsverfahren, einer der mutmaßlichen Schleuser wurde Medienberichten zufolge bereits festgenommen. „Eine enorme Tragödie, für die es keine Worte gibt“, sagte Vize-Innenminister Filippo Bubbico.

Mit Bestürzung hat die EU-Kommission auf den tödlichen Schiffbruch Dutzender Flüchtlinge vor der italienischen Insel Lampedusa reagiert. „Es ist wirklich eine Tragödie, ganz besonders, weil auch Kinder betroffen sind“, erklärte EU-Regionalkommissar Johannes Hahn in Brüssel. „Es ist etwas, über das Europa wirklich traurig sein muss und wir sollten sehen, wie wir die Lage verbessern“, sagte er.

Kurz zuvor war ein Boot mit 463 Migranten vor Lampedusa angekommen. Bei gutem Wetter versuchen immer wieder Flüchtlinge die europäischen Küsten zu erreichen. Oft endet die Überfahrt auf den kaum seetüchtigen Booten für einige tödlich. Erst am Montag waren 13 Menschen vor der Küste Italiens ertrunken. Ihr Boot war vor Sizilien gestrandet, daraufhin versuchten die Menschen an Bord, an Land zu schwimmen.

dpa

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