Londoner Pendler leiden unter U-Bahn-Streik

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Durch den U-Bahn-Streik bilden sich lange Schlangen an der Victoria-Haltestelle in London.

London - Harte Geduldsprobe für Millionen von Pendlern: Ein U-Bahn-Streik hat am Mittwoch weite Teile des Verkehrsnetzes in London lahmgelegt und für teils chaotische Zustände gesorgt.

Mehrere Linien waren komplett dicht, andere fielen teilweise aus. Die Menschen drängten sich in Busse, überquerten die Themse mit Booten, versuchten im Nieselregen per Fahrrad oder zu Fuß weiterzukommen und kamen oftmals zu spät zur Arbeit. Weil die Gewerkschaft den Ausstand angekündigt hatte, hatten sich manche Arbeitnehmer auch freigenommen.

Der 48-Stunden-Streik hatte am Dienstagabend begonnen und sollte am Donnerstagabend enden. Bis zur letzten Minute hatten Gewerkschaft und Arbeitgeber vergeblich versucht, einen Streit um Geld und Arbeitsbedingungen noch ohne Ausstand zu beenden. Die Arbeitnehmervertreter forderten fünf Prozent mehr Geld und einen Verzicht auf Stellenabbau.

Die Londoner U-Bahn mit ihren elf Linien und ihren fast 270 Stationen wird täglich von mehr als drei Millionen Menschen genutzt. Ein Streik kostet die Londoner Wirtschaft nach unterschiedlichen Schätzungen täglich zwischen 50 und 100 Millionen Pfund (116 Millionen Euro).

Londons Bürgermeister Boris Johnson kritisierte den Streik als “unnötig“ und “absolut verrückt“, als er mit vielen anderen Pendlern ein Boot bestieg, um die Themse Richtung Rathaus zu überqueren. “Ich gratuliere jedem, der es zur Arbeit geschafft hat, es ist heldenhaft, sich hier durchzuschlagen.“

Zu den Pendlern, die es geschafft hatten, gehörte auch die Verwaltungsangestellte Phoebe Wood (24). Sie brauchte insgesamt eine Stunde länger als sonst ins Büro. “Wenn es morgen genau so schlimm wie heute ist, nehme ich mir wohl einen Tag frei.“ Zu spät zur Arbeit kam auch Banker Adam Tibbalds (38). “Es scheint mir ein wenig gierig, derzeit Gehaltserhöhungen zu fordern, wo sonst alle Gehälter eingefroren werden“, sagte er mit Blick auf die streikenden U-Bahn- Mitarbeiter.

Trotz des Streiks sollte am Abend das WM-Qualifikationsspiel zwischen England und Andorra wie geplant im Londoner Wembley-Stadion stattfinden. Die Stadiontore würden früher als gewöhnlich geöffnet, teilte der englische Fußballverband FA mit. Fans wurde geraten, so früh wie möglich anzureisen. Kartenbesitzer, die wegen des Streiks nicht nach Wembley kommen können, sollten entschädigt werden.

dpa

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