Fukushima: Behörden weiten Evakuierungsradius aus

Tokio - Nach der Explosion im AKW Fukushima 1 haben die japanischen Behörden den Evakuierungsradius von 10 auf 20 Kilometer ausgeweitet. Die Agentur Kyodo berichtet von drei verstrahlten Personen.

Aus dem bei dem verheerenden Erdbeben in Japan schwer beschädigten Kernkraftwerk Fukushima ist offenbar radioaktive Strahlung ausgetreten. In der Nähe des Blocks 1 seien am Samstag 1.015 Mikrosievert pro Stunde gemessen worden, berichtete der japanische Fernsehsender NHK unter Berufung auf die Präfektur Fukushima auf seiner Internetseite.

Bilder der Zerstörung: Japan am Tag 1 nach der Katastrophe

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Diese Strahlendosis ist doppelt so hoch wie der Grenzwert, bei dem die Betreiber von Atomkraftwerken den Notfall erklären und die Regierung informieren müssen.

Sie stuften die Folgen des Erdbebens im ersten Reaktorgebäude von Fukushima-Eins auf die Stufe 4 der siebenstufigen INES-Skala für die Beschreibung der Tragweite von Atomzwischenfällen ein. Nach der Definition ist das ein “Atomunfall mit lokalen Konsequenzen“. Das heißt nach der IAEA-Beschreibung beispielsweise, dass geringfügig Radioaktivität an die Umwelt abgegeben wurde, was zur lokalen Kontrolle von Lebensmitteln führen könnte. Auch eine Kernschmelze oder mindestens ein Strahlentoter könnten zu der Einstufung eines Unfalls in INES-4 führen. Ebenfalls möglich ist die Freisetzung von beträchtlichen Mengen radioaktiven Materials innerhalb einer Anlage, was mit großer Wahrscheinlichkeit weiter in die Umwelt dringen könnte.

Die gemessenen Strahlungswerte im Gebiet der Atomanlage seien bereits vor der Explosion erhöht gewesen. Zu einem Zeitpunkt habe die Anlage stündlich die Strahlungsmenge freigegeben, die ein Mensch normalerweise jedes Jahr aus der Umwelt aufnimmt.

Anwohner wurden aufgefordert, das Gebiet so schnell wie möglich zu verlassen. Zuvor waren bereits rund 51.000 Menschen aus dem unmittelbaren Umfeld des beschädigten Kernkraftwerks Fukushima in Sicherheit gebracht worden.

Der Atomunfall von Tschernobyl 1986 rangiert bisher als größte Nuklearkatastrophe auf der INES-Stufe 7.

Erdbeben und Tsunami: Bilder der Verwüstung aus Japan

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“Jeder will die Stadt verlassen, aber die Straßen sind einfach furchtbar“, sagte die Anwohnerin Reiko Takagi. “Wir haben Angst, dass der Wind dreht und die Strahlung in unsere Richtung treibt.“

Unterdessen erreichten die ersten Soldaten der japanischen Streitkräfte mit Booten und Hubschraubern den Unglücksort, um bei den Rettungsarbeiten zu helfen.

Menschen sollen Jod erhalten

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Nach der Explosion im japanischen Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi wollen die Behörden Jod an Bewohner im Umkreis der Nuklearanlage verteilen. Das teilte die Internationale Atomenergiebehörde IAEA am Samstag mit. Jod wirkt den Auswirkungen radioaktiver Strahlung entgegen. Eine Erhöhung der Strahlung in der Umwelt kann das Risiko erhöhen, an Krebs zu erkranken. Bei der Explosion in der Atomanlage in Fukushima wurden nach Regierungsangaben die Wände des Reaktorgebäudes zerstört. Das Stahlgehäuse, das den Reaktor schütze, sei aber nicht beschädigt worden, sagte Regierungssprecher Yukio Edano. 

dapd

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