Italien: Blutiger Aufstand der "modernen Sklaven"

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Die afrikanischen Saisonarbeiter demonstrierten gegen die rassistisch motivierten Schüsse, die Unbekannte auf sie abgegeben hatten.

Rosarno - Rund 2000 zumeist afrikanische Gelegenheitsarbeiter protestierten im süditalienischen Rosarno, nachdem zwei Unbekannte am Donnerstag auf sie geschossen hatten.

Die Bevölkerung reagierte mit Angst und Gewalt und ging mit Steinen, Gewehren, Traktoren und Schlagstöcken auf sie los. Italienische Medien kritisierten dies als wahre “Jagd auf Schwarze“. Die Bilanz der schweren Auseinandersetzungen: 67 Verletzte - 31 Immigranten, 17 Einwohnern sowie 19 Polizisten - sowie erheblicher Sachschaden. Fünf Saisonarbeiter mussten mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden.

 Die Behörden gehen davon aus, dass es sich bei den Schützen um Mitglieder der kalabrischen Mafia 'Ndrangheta handelte. Wahrscheinlich wollten sie Tagelöhner treffen, die kein Schutzgeld bezahlt hatten, hieß es.

In dem 16 000 Einwohner zählenden Rosarno an Kalabriens Westküste leben durchschnittlich 5000 Immigranten - überwiegend aus Afrika. Ihre Zahl schwankt dabei je nach Erntezeit, denn als mittellose Wanderarbeiter ziehen sie je nach Saison von Arbeit zu Arbeit. Sie wohnen in Baracken oder einstigen Fabriken, ohne Matratzen, Licht und Heizung, oftmals mit nur einer chemischen Toilette für 200 Menschen. Als Illegale akzeptieren die meisten dies jedoch - auch die Hungerlöhne. Ihr Verdienst liegt bei etwa 20 Euro pro Tag, manchmal ist es auch weniger. Und in der Regel behalte die örtliche Mafia noch 5 Euro “Aufenthaltssteuer“ ein, hieß es. “Mit 15 bis 20 Euro pro Tag haben wir diese Menschen zu modernen Sklaven gemacht - eine hässliche Seite im Geschichtsbuch Italiens“, meint ein Lokalpolitiker bestürzt.

In Italien setzte sofort eine politische Diskussion über die miserable Lage der Erntearbeiter ein. Kirche und Caritas erklärten, die Lebensbedingungen der größtenteils illegalen Einwanderer seien schrecklich. Noch am Sonntag wurde in Rosarno damit begonnen, eine ehemalige Fabrik abzureißen, in der die protestierenden Erntearbeiter ohne fließend Wasser und ohne genügend Sanitäranlagen hausen mussten.

Mittlerweile haben über 1000 von ihnen die Stadt verlassen müssen oder freiwillig das Weite gesucht. Die Polizei brachte nach Angaben vom Sonntag mehr als 800 zumeist illegale Einwanderer aus dem kleinen kalabrischen Ort in Auffanglager nach Crotone und Bari. Mehr als 300 Afrikaner - die meisten im Besitz einer Aufenthaltsgenehmigung - hätten dem Ort der Gewalt auf eigene Faust den Rücken gekehrt.

Papst Benedikt XVI. sprach sich am Sonntag mit großem Nachdruck gegen Gewalt bei Immigrationsproblemen aus und verlangte Respekt für Einwanderer. Die Regierung will alle ausweisen, die illegal in Rosarno gewesen sind.

dpa

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