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Hochzeit hinter Mauern: Julian Assange heiratet im Gefängnis

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Hochzeit von Wikileaks-Gründer Assange und Partnerin Moris
Eine Hochzeitstorte für das Brautpaar steht vor dem Gefängnis auf einem Tisch. © Christoph Meyer/dpa

Die Party musste neben Gefängnismauern stattfinden - und ohne den Bräutigam. Immerhin ein bisschen Zweisamkeit war Julian Assange und seiner Braut nach dem Ja-Wort vergönnt. Doch über der Hochzeit hängt ein großer Schatten.

London - Sekt und Torte im Schatten eines Hochsicherheitsgefängnisses: Vieles bei der Hochzeit des Wikileaks-Gründers Julian Assange und seiner Partnerin Stella Moris schien wie bei einer ganz normalen Eheschließung.

Unter einem mit Blumengirlanden geschmückten Pavillon stand eine mehrstöckige Hochzeitstorte mit Rosen aus Zucker und einer kleinen Skulptur des Paares. Festlich gekleidete Gäste tanzten daneben im Sonnenschein zu Musik. Doch nichts konnte über die erdrückende Präsenz der von einer haushohen Betonmauer umgebenen, Haftanstalt hinwegtäuschen, die für den seit rund drei Jahren inhaftierten Assange als Hochzeitslocation herhalten musste.

„Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ich bin sehr glücklich und sehr traurig“, sagte die frischvermählte Braut nach der Trauung, nachdem sie vor Reportern die Hochzeitstorte angeschnitten hatte. „Ich wünschte, er wäre hier“, fügte sie mit Blick auf ihren Bräutigam hinzu, mit dem sie nach der Trauung lediglich kurz ein wenig Zweisamkeit genießen konnte.

„Sie sind jetzt Mr. und Mrs. Assange“, sagte Assanges Bruder, Gabriel Shipton, der als einer von wenigen Gästen im Gefängnis die Eheschließung miterleben konnte, der Deutschen Presse-Agentur. Ob Stella Moris künftig offiziell den Nachnamen ihres Mannes führen wird, war zunächst unklar.

Am Mittag war die Braut in einer silberfarbenen Robe der Designerin und Assange-Unterstützerin Vivienne Westwood, begleitet von einem kleinen Kreis von Angehörigen, erschienen. Mit einem bodenlangen Schleier über dem Haupt verschwand sie hinter den Mauern, um ihrem Verlobten das Ja-Wort zu geben. Assange wollte einer Mitteilung zufolge einen Kilt tragen, der an die schottische Herkunft seiner Familie erinnern sollte. Aktuelle Fotos wurden zunächst von ihm keine öffentlich - aufgrund von Sicherheitsbedenken, wie Stella Moris in einem Gastbeitrag im „Guardian“ schrieb.

„Dies ist keine Gefängnishochzeit, es ist eine Liebes- und Widerstandserklärung trotz der Gefängnismauern, trotz der politischen Verfolgung, trotz der willkürlichen Inhaftierung, trotz des Schadens und der Schikane, die Julian und unserer Familie zugefügt wurden“, schrieb Assanges Partnerin außerdem. „Ihre Qual lässt unsere Liebe nur stärker werden.“

Das Paar hatte während Assanges jahrelangem Botschaftsasyl in der Vertretung Ecuadors in London zwischen 2012 und 2019 zusammengefunden und hat zwei gemeinsame Kinder. Ein gemeinsamer Alltag war der Familie jedoch bislang nie vergönnt.

Über dem Freudentag des Paares hing trotz des frühlingshaften Sonnenscheins eine schwere Wolke: Erst vor kurzem war der Berufungsantrag des gebürtigen Australiers gegen die Auslieferung an die USA vom Supreme Court abgelehnt worden. Das oberste britische Gericht hatte die Berufung als unzulässig abgewiesen. Nun liegt die Entscheidung bei Innenministerin Priti Patel.

„Es ist jetzt wichtiger denn je zu betonen, dass dies ein politischer Fall ist“, sagte der Chefredakteur der Enthüllungsplattform, Kristinn Hrafnsson, der Deutschen Presse-Agentur. Trotzdem gehe der Rechtsstreit weiter. Es gebe die Möglichkeit, erneut ein Berufungsverfahren auf der Basis anderer Gründe zu beantragen, da es bei dem bisherigen nur um den gesundheitlichen Zustand Assanges gegangen sei. Allerdings ist unklar, ob ein solches Verfahren zugelassen würde.

Julian Assange
Julian Assange drohen in den USA bei einer Verurteilung bis zu 175 Jahre Haft. © Frank Augstein/AP/dpa

Die US-Justiz will Assange wegen Spionagevorwürfen den Prozess machen. Dem 50-Jährigen drohen dort bei einer Verurteilung bis zu 175 Jahre Haft. Vorgeworfen wird ihm, gemeinsam mit der Whistleblowerin Chelsea Manning geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan gestohlen und veröffentlicht und damit das Leben von US-Informanten in Gefahr gebracht zu haben. Seine Unterstützer sehen in ihm dagegen einen investigativen Journalisten, der Kriegsverbrechen ans Licht gebracht hat und an dem nun ein Exempel statuiert werden soll. dpa

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