Zugunglück in China - 35 Tote und hunderte Verletzte

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Zugunglück in China

Peking - Beim Zusammenstoß zweier Züge sind am Samstag in Ostchina mindestens fünf Waggons entgleist. Nach dem Aufprall stürzten zwei Waggons eines Hochgeschwindigkeitszuges von einer Brücke.

Rettungskräfte haben acht weitere Leichen gefunden. Das meldete die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntag. Die Zahl der Todesopfer erhöhte sich damit auf 43.

Rund 210 Passagiere wurden verletzt, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Zwei Hochgeschwindigkeitszüge mit mehr als 1400 Insassen waren am Samstag in einem Gewitter in der Provinz Zhejiang aufeinandergeprallt.

Der eine Zug habe nach ersten Angaben durch einen Blitzeinschlag einen Stromausfall erlitten und sei praktisch zum Halten gekommen, berichtete Xinhua. Der folgende Zug habe zwar noch eine Notbremsung versucht, sei aber aufgefahren. Sechs Waggons entgleisten. Zwei stürzten 20 bis 30 Meter von einer Brücke in die Tiefe.

Das Unglück hatte sofort personelle Konsequenzen: Der Chef des für den Unglückszug zuständigen Eisenbahnbüros in Shanghai und sein Vertreter sowie der Vorsitzende des Parteikomitees der Behörde verloren am Sonntag ihre Ämter. Gegen sie werde ermittelt, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua, ohne die konkreten Vorwürfe zu nennen. Nach dem Blitzschlag soll der Zug nicht mehr zu steuern gewesen und zum Halten gekommen sein. Der folgende Hochgeschwindigkeitszug habe zwar noch eine Notbremsung versucht, sei aber aufgefahren

Das Unglück passierte nahe der Stadt Shuangyu auf der Strecke von Hangzhou nach Fuzhou. Rettungstrupps mussten Opfer mit Schneidegeräten aus den verunglückten Waggons holen und Kräne einsetzen. Das Unglück löste im chinesischen Internet eine heftige Diskussion über die Sicherheit des rasant ausgebauten Hochgeschwindigkeitsnetzes in China aus.

Das Unglück ist ein schwerer Schlag für das Hochgeschwindigkeitsnetz in China. Das ehrgeizige Programm, das viele Milliarden verschlungen hat, war in den vergangenen Wochen schon ins Gerede gekommen. Insbesondere die gerade neu eröffnete Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Peking und Shanghai machte wiederholt mit technischen Problemen und Verspätungen von sich reden. Es gab ferner Diskussionen über mögliche Sicherheitsprobleme.

Hintergrund der Debatte ist auch der Korruptionsskandal um Eisenbahnminister Liu Zhijun, der im Februar abgesetzt worden war. Bei der Auftragsvergabe für das Hochgeschwindigkeitsnetz sollen der Minister und andere leitende Beamte mitkassiert haben.

Wegen der Anlaufprobleme auf der 1300 Kilometer langen und fünfeinhalb Stunden dauernden Peking-Shanghai-Strecke stiegen viele Passagiere doch wieder auf Flugverbindungen um. Vergangene Woche musste sich ein Sprecher des Eisenbahnministeriums für die Unannehmlichkeiten entschuldigen. Weil die Passagierzahlen zurückgehen, sollen von Montag an zunächst zwei Züge aus dem Fahrplan für die neue Verbindung von Peking nach Shanghai gestrichen werden.

dpa

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