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Studien beweisen: Hitze macht uns aggressiv und gewalttätig

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Von: Franziska Vystrcil

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Schlägerei nach Unfall
Ist es draußen heiß, sind viele leichter gereizt bis hin zu aggressiv. Polizei und Einsatzkräfte sind dann häufiger im Einsatz. © Alex Talash/dpa

Ist es draußen heiß, kochen bei vielen die Emotionen hoch. Das hat sogar einen wissenschaftlichen Grund, wie Studien zeigen.

Stuttgart - Wenn draußen die Temperaturen steigen, brennt bei vielen sprichwörtlich die Sicherung durch. Mehrere Studien haben bewiesen, dass es dafür eine wissenschaftliche Erklärung gibt. Denn: Umgebungstemperatur und Aggressivität stehen in einem Zusammenhang. Je heißer das Wetter in Deutschland und unsere Umgebung ist, desto schneller und öfter kochen unsere Emotionen hoch. Das bekommen auch Polizei, Einsatzkräfte sowie Krankenhäuser im Land zu spüren. Mit der Hitze steigen die Zahlen der Einsätze, denn Gewalt- und Sexualverbrechen nehmen zu. Ab diesen Temperaturen ist Vorsicht geboten.

Hormon „Vasopressin“ lässt uns bei Hitze durchdrehen

Ab gewissen Temperaturen kommen wir ordentlich ins Schwitzen. Das ist nicht nur unangenehm, sondern kann geradezu in Wut umschlagen. Ist es draußen heiß, sind wir schneller gereizt, gestresst und genervt. Denn ab einer Temperatur von 28 oder 29 Grad Celsius sind wir nicht mehr in unserer Komfortzone. Die Hitze bedeutet für unseren Körper extremen Stress. Für Mitteleuropäer liegt diese „Komforttemperatur“ in der Regel sogar niedriger, und zwar bei 22 bis 25 Grad.

Alles darüber hinaus wird als zu heiß empfunden. Dabei tut sich etwas in unserem Körper: Blutgefäße erweitern sich, das Herz schlägt schneller und zudem wird das Hormon „Vasopressin“ verstärkt ausgeschüttet. Dessen Zweck ist es, Flüssigkeit im Körper zu halten. Leider hat das Hormon auch eine Nebenwirkung: Es macht uns aggressiver. Nicht nur auf Hitze reagiert so mancher aggressiv. Auch bei aufdringlichen Wespen kann schon mal der Geduldsfaden reißen. Mit einfachen Tricks wird man nervige Wespen los.

Hitze lässt uns außerdem mehr an uns selbst denken. Wir werden egoistischer. Wie Studien herausgefunden haben, fokussieren wir uns bei hohen Temperaturen mehr als sonst auf unsere eigenen Bedürfnisse und sind weniger hilfsbereit. Doch wir können uns nicht nur mit einfachen Tricks abkühlen und Schwitzen vermeiden, sondern uns auch mental auf die Hitze vorbereiten. Man sollte versuchen, möglichst gelassen zu bleiben, alles etwas langsamer anzugehen und natürlich versuchen, den Körper bei der Hitze abzukühlen.

Studien zeigen: Temperaturen ab 27 Grad fördern gereiztes und aggressives Verhalten

Auch der US-Psychologe Craig Anderson hat in einer Studie 2001 nachgewiesen, dass während einer Hitzewelle mehr Gewalt- und Sexualverbrechen begangen werden. Dass selbst trainierte Einsatzkräfte sich bei Hitze nicht immer gut unter Kontrolle haben, zeigte auch eine Forschungsarbeit aus Holland. Bei der Studie simulierten die Forscher Krisensituationen bei einer Temperatur von angenehmen 21 Grad. Dabei griffen 60 Prozent der Beamten zur Waffe. Wurden die Temperaturen allerdings auf 27 Grad erhöht, waren es bereits 85 Prozent der Beamten, die eine Pistole zückten.

Auch wenn aggressives Verhalten nachweislich mit steigenden Temperaturen zunimmt, kann man natürlich nicht verallgemeinern, dass jeder so reagiert. Jeder Mensch geht mit Stress und dem Hitzegefühl anders um. So oder so: Bei hohen Temperaturen sollte man auf die Bedürfnisse seines Körpers hören. Eindeutige Symptome eines Sonnenstichs oder Hitzschlags dürfen nicht einfach ignoriert werden.

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