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Zerreißprobe in Italien: Nach Gardasee-Diskussion – Heuschreckenplage auf Sardinien: „Wie im Horrorfilm“

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Von: Antonio José Riether

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Die Heuschreckenplage in Sardinien hängt mit einem Temperaturanstieg zusammen. (Symbolbild)
Die Heuschreckenplage in Sardinien hängt mit einem Temperaturanstieg zusammen. (Symbolbild) © Inaki Relanzon/imago-images

Die italienische Mittelmeerinsel Sardinien wird zum Leidwesen der Bevölkerung und der Wirtschaft von Milliarden Heuschrecken heimgesucht.

Ottana - Die zweitgrößte italienische Insel Sardinien wird in diesem Sommer wieder von einer schweren Heuschreckenplage heimgesucht, in diesem Jahr ist die Lage ausgesprochen heftig. Besonders das Zentrum der Mittelmeerinsel ist betroffen von der Katastrophe, die im landwirtschaftlich geprägten Teil Sardiniens großen Schaden anrichtet und die Existenz der Menschen bedroht.

Heuschreckenplage in Italien: „Kritische Situation“ für Landwirte in Sardinien

Am schlimmsten von der Insektenplage betroffen sind die Orte Nuoro, Ottana und Orani. Dort leben die Einwohner größtenteils von Viehzucht und der Landwirtschaft, die Heuschrecken vernichten den Bestand der Bauern. „Hier habe ich sonst das Heu, inzwischen muss ich es selbst extra herschaffen. Das war sonst eigentlich unsere beste Jahreszeit, das ist jetzt vorbei“, meint etwa der Landwirt Mario Marco aus Ottana gegenüber Welt.

Auch der Bürgermeister der Ortschaft Franco Saba ist besorgt. „Es ist eine kritische Situation, die Menschen haben eine Art Phobie gegen die Heuschrecken entwickelt. Sie gehen von neun Uhr morgens bis fünf Uhr abends nicht mehr raus, das ist die Zeit der größten Schwärme“, erklärt er. Der kühle Mai und die enorm heißen Temperaturen im Juni sorgten für beste Brutbedingungen der Heuschrecken, die sich nun weiter ausbreiten.

Heuschreckenplage: Bauernverband schlägt Alarm - Insekten „vernichten Arbeit und Investitionen wie ein Feuer“

Das Ausmaß der Zerstörung ist immens. Wie der italienische Bauernverband Coldiretti bereits Mitte Juni mitteilte, zerstörten die Insekten bereits Saatgut auf 30.000 Hektar Land. Getreidefelder sowie Gärten seien mit Heuschrecken übersät, viele Internetvideos der betroffenen Bauern zeigen den Schaden, den die Tiere bislang anrichteten.

„Heuschrecken zerstören die Ernte eines ganzen Feldes und vernichten monatelange Arbeit und Investitionen wie ein Feuer. Natürliche Methoden wie das Pflügen der Felder und der Einsatz von Insekten, die die Heuschrecken bekämpfen, sind die effektivsten Methoden gegen die Heuschreckenplage“, gab der Coldiretti zu verstehen.

Heuschreckenplage in Sardinien: Situation für Landwirte „wie im Horrorfilm“

Bereits zur Monatsmitte schlugen die Politiker Alarm, so sprach die sardische Abgeordnete Lucia Scanu von einer „biologischen Katastrophe“ und bat die Regierung in Rom um Hilfe. Auch der italienische Agrarminister Stefano Patuanelli wurde von den Landwirten um Hilfe gebeten, die Landwirte erleben demnach eine Situation „wie in einem Horrorfilm“.

Auch auf dem italienischen Festland macht sich die Dürre bemerkbar. So ist etwa das Po-Delta an vielen Stellen bereits fast ausgetrocknet. Lokale Politiker brachten darum kürzlich den Vorschlag ins Spiel, den längsten Fluss des Landes mit abgepumptem Wasser aus dem Gardasee zu befüllen. Dies sorgte in Norditalien allerdings nicht gerade für Begeisterung. (ajr)

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