Diplomat löst Terror-Alarm aus

Washington - Ein arabischer Flugpassagier an Bord eines US-Passagierjets hat mit einem unbedachten Kommentar für einige Stunden Terroralarm ausgelöst. Kampfflugzeuge stiegen auf.

Weil ein Diplomat aus Katar heimlich eine Zigarette in der Flugzeugtoilette geraucht hat, bekam er die geballte Macht des US-Sicherheitsapparats zu spüren. Der Mann wurde am Mittwochabend von Air Marshals überwältigt. Zwei F-16-Kampfjets eskortierten den United-Airlines-Flug nach Denver. Auch Präsident Barack Obama wurde informiert. Zum Verhängnis wurde dem Diplomaten ein Scherz: Er wolle seine Schuhe anzünden, entgegnete er auf die Frage von Flugbegleitern, wieso es in der Toilette nach Rauch rieche. Das war offenbar eine Anspielung auf den “Schuhbomber“ Richard Reid, der 2001 versucht hatte, an Bord eines Passagierfliegers sein mit Sprengstoff gefülltes Schuhwerk in die Luft zu sprengen.

Die Crew, nach jüngsten Anschlagsversuchen und Terrordrohungen besonders sensibilisiert, nahm den Diplomaten beim Wort. Mitfliegende Sicherheitsleute, sogenannte Air Marshals, nahmen den Mann fest. Eskortiert von Kampfflugzeugen landete die Maschine am Mittwochabend in Denver. An Bord der Boeing 757 waren nach Angaben der Fluggesellschaft 157 Passagiere und sechs Crewmitglieder. Die Maschine war am Nachmittag in Washington gestartet. Da die Behörden zunächst von einem versuchten Terroranschlag ausgingen, wurde Obama informiert. Er befand sich an Bord der Präsidentenmaschine auf der Reise nach Prag.

“Es gab keine Hysterie, keinen Kampf, nichts“

Nach stundenlangen Verhören war sich die Bundespolizei FBI sicher, dass der Diplomat tatsächlich nur eine Zigarette rauchen wollte, wie aus Sicherheitskreisen zu erfahren war. Auch die Passagiere wurden festgehalten und befragt. Der Ehemann einer Mitreisenden berichtete, seine Frau habe ihm von den Vorkommnissen in der Ersten Klasse berichtet. Demnach ging es an Bord weniger dramatisch zu als zunächst vermutet. “Es gab keine Hysterie, keinen Kampf, nichts.“ Die Air Marshals hätten sich einfach neben den Diplomaten gesetzt. Ein Sprecher des US-Außenministeriums erklärte, falls sich der Mann einer Straftat schuldig gemacht habe, werde man Katar möglicherweise um die Aufhebung seiner diplomatischen Immunität bitten. Falls die Regierung des Golfemirats dies verweigere, werde der Diplomat vermutlich ausgewiesen.

Debatte über Sicherheitskontrollen ausgelöst

Allerdings hieß es am Donnerstag in Sicherheitskreisen, gegen den Mann werde wohl nicht strafrechtlich vorgegangen. Ein anderer arabischer Diplomat identifizierte den festgenommenen Raucher als Mohammed Al-Madadi. Ein Verzeichnis von akkreditierten Diplomaten in den USA weist ihn als Mitarbeiter der Botschaft Katars in Washington aus. Katar ist einer der wichtigsten US-Verbündeten am Golf und Sitz des regionalen Hauptquartiers der Streitkräfte. Von dort werden die Einsätze in Afghanistan und im Irak geführt. Der Vorfall könnte eine Diskussion über die Sicherheitsbestimmungen im US-Luftverkehr auslösen. Dabei könnte auch die Frage eine Rolle spielen, ob bei der Reaktion der Sicherheitskräfte die arabische Herkunft des Mannes eine Rolle spielte.

dapd

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